Übertraining macht Menschen impulsiver

Sport ist eine der gesündesten Gewohnheiten, die du haben kannst. Allerdings kann es passieren, dass Menschen vom Sport beinahe besessen sind und sich körperlich an ihre Grenzen bringen, ohne dabei auf die möglichen negativen Konsequenzen zu achten. Heute wollen wir über diese negativen Aspekte sprechen und erklären, warum Übertraining Menschen impulsiver macht.
Übertraining macht Menschen impulsiver
María Vélez

Geschrieben und geprüft von der Psychologin María Vélez.

Letzte Aktualisierung: 17. Januar 2023

Sport bietet zahlreiche Vorzüge für deinen Körper und deinen Geist. Du kannst deine Fitness verbessern, deine Muskulatur stärken und deine Haut straffen. Darüber hinaus ist Sport sehr gut für dein Herz-Kreislauf-System und wirkt sich positiv auf deine kognitiven Fähigkeiten aus. Allerdings kann zu viel Training auch negative Konsequenzen haben. Ein Übertraining macht Menschen impulsiver.

Wenn du zu viel trainierst und gleichzeitig zu wenig Pausen zwischen den Trainingseinheiten einlegst, können sich zahlreiche Probleme daraus ergeben.

Zuerst einmal kann das Training zu einer Sucht werden. Weitere häufige Störungen sind Muskeldysmorphie (Adonis-Komplex) oder Laufsucht. Darüber hinaus kann ein Übertraining zu Muskelverletzungen, Herz- und Atemproblemen, einer Verschlechterung des Immunsystems, Gelenkverschleiß und einem Übertrainings-Syndrom führen.

Übertraining - Mann beim Laufen

Übertraining macht Menschen impulsiver – das Syndrom

Manchmal geht das Training etwas zu weit und kann letztendlich zu einem Übertrainings-Syndrom führen. Dieses Syndrom ist vergleichbar mit einem Burnout bei der Arbeit und die Leistung des Athleten nimmt stark ab, selbst nach Ruhephasen. Es manifestiert sich in einer Reihe physischer und psychischer Symptome.

Wenn du dir die nachfolgend genannten Symptome ansiehst, werden die Unterschiede zwischen körperlichem und psychischem Übertraining sehr schnell deutlich:

Körperliches Übertraining

Die physischen und physiologischen Symptome, die bei diesem Syndrom auftreten, sind folgende:

  • Erhöhter Blutdruck und Herzfrequenz
  • Hohe Körpertemperatur
  • Hypertonie
  • Gewichts- und Appetitverlust
  • Gastrointestinale Störungen
  • Muskelschmerzen
  • Anfälligkeit für Infektionen und verminderte Abwehrkräfte
  • Erhöhter Cortisol-Wert
  • Anstieg von Fettsäuren
  • Abnahme von Eisen, Hämoglobin und/oder Glykogen
  • Mentales Übertraining

Darüber hinaus können folgende psychische Symptome auftreten:

  • Stimmungsveränderungen
  • Ermüdung und Erschöpfung
  • Ängste und Angststörungen
  • Reizbarkeit
  • Konzentrationsmangel
  • Niedriges Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Verlust der Libido
  • Schlafstörungen

Darüber hinaus wurde in einer kürzlich durchgeführten Studie festgestellt, dass exzessives Training auch zu erhöhter Impulsivität führen kann. Diese Impulsivität kann sehr negative Konsequenzen für das Verhalten und die Gesundheit nach sich ziehen.

Impulsivität ist eine Eigenschaft, die zu schnellen, unerwarteten und exzessiven Reaktionen und Handlungen führt, wenn die betroffene Person inneren oder externen Reizen ausgesetzt ist. Das führt dazu, dass dieser Mensch handelt, ohne vorher nachzudenken oder die Konsequenzen zu berücksichtigen.

Die Studie

Im September 2019 veröffentlichte eine französische Forschergruppe eine Untersuchung über die Konsequenzen, die Übertraining in Bezug auf Impulsivität hat. Insbesondere ging es um die Auswirkungen von Übertraining auf die kognitive Kontrolle.

Zu diesem Zweck untersuchten die Forscher 38 Triathleten, die sie in zwei Gruppen aufteilten: die Trainingsgruppe und die Kontrollgruppe. 19 Teilnehmer erhöhten für drei Wochen ihr Trainingspensum in jeder Trainingseinheit um 40%, die anderen 19 Probanden der Kontrollgruppe trainierten in diesem Zeitraum nach ihrem gewohnten Trainingsplan weiter.

Nach diesen drei experimentellen Trainingswochen (mit normaler oder übermäßiger Trainingsintensität) nahmen die Teilnehmer an einer Evaluierungssitzung teil. Die Forscher strukturierten diese Sitzung folgendermaßen:

  • Für 50 Minuten führten die Athleten in einem funktionellen Magnetresonanztomographen (fMRT) kognitive Kontrollaufgaben durch, die von drei Entscheidungen unterbrochen wurden, die sie treffen mussten. Dabei mussten sie zwischen zwei unterschiedlichen wirtschaftlichen Belohnungen wählen: einer unmittelbaren und einer langfristigen Belohnung.
  • Anschließend erfolgte eine 45-minütige Fahrrad-Einheit mit maximaler Geschwindigkeit, um die Effekte eines Überlastungs-Trainings auszulösen. Hier suchten die Forscher nach Anzeichen für Erschöpfung.
  • Abschließend mussten die Athleten erneut dieselben kognitiven Aufgaben ausführen und die Entscheidungen treffen, wie im ersten Teil der Sitzung.

Dadurch konnten die Forscher die Erregbarkeit der Großhirnrinde, die Leistungsfähigkeit bei bestimmten Aufgaben und die Präferenz für unmittelbare oder verzögerte Belohnungen beobachten.

Welche Ergebnisse lieferte die Studie?

Die Forscher interessierten sich für die Aktivität der Großhirnrinde in Bezug auf Impulsivität und die Ergebnisse bei den Aufgaben zur Entscheidungsfindung. Die kognitiven Aufgaben dienten hauptsächlich dazu, die Großhirnrinde zu aktivieren.

Als die Forscher die Gehirnaktivität nach dem 45-minütigen extrem intensiven Fahrradtraining mit der Aktivität im ersten Teil der Sitzung verglichen, stellten sie fest, dass die Aktivität des lateralen präfrontalen Kortex während der Entscheidungsfindung abgenommen hatte, nicht aber die kognitive Leistungsfähigkeit.

Das bedeutet, dass Übertraining einen negativen Effekt auf die subjektive Entscheidungsfähigkeit hat, Ressourcen verbraucht und diese behindert.

Darüber hinaus stellten sie fest, dass die übertrainierten Athleten eine größere Präferenz für die Belohnungen hatten, die zwar einen geringeren Wert hatten, aber ihnen unmittelbar zur Verfügung standen. Diese Ergebnisse zeigten sich sowohl im Vergleich mit der Kontrollgruppe als auch mit ihren eigenen Entscheidungen, die sie vor der Überlastungsphase getroffen hatten.

Übertraining - Mann trainiert einen anderen Mann

Übertraining macht Menschen impulsiver – gesundheitliche Auswirkungen

Diese Ergebnisse sind in mehrfacher Hinsicht relevant:

  • Kognitive Kontrolle trägt im Gegensatz zu Impulsivität dazu bei, dass Menschen Aufgaben zielgerichtet und bewusst ausführen. Im Sport führt geringere kognitive Kontrolle zu einem größeren Sicherheitsgefühl und dadurch wird der Körper über seine Grenzen hinaus belastet. Wenn ein Athlet nicht mit dem Training aufhört oder eine Pause macht, wenn dies erforderlich ist, oder eine unmittelbare Belohnung vorzieht, kann dies zu riskanterem Verhalten und zu mehr Verletzungen führen.
  • Darüber hinaus ist die Präferenz für eine unmittelbare Belohnung vergleichbar mit Doping. Sie verschafft ein High (Hochgefühl), das den Organismus beeinträchtigt und langfristige Ziele gefährdet. Aus diesem Grund hat dies auch direkte Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit eines Menschen.

Wie bei den meisten Aktivitäten kann eine anhaltende Erschöpfung durch Übertraining sowohl kurz- als auch langfristige negative Auswirkungen haben. Daher ist es sehr wichtig, dass du gesunde Gewohnheiten annimmst und lernst, angemessene Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört auch, dass du deine körperlichen und mentalen Grenzen kennst und diese Grenzen nicht durch Übertraining überschreitest.


Dieser Text dient nur zu Informationszwecken und ersetzt nicht die Beratung durch einen Fachmann. Bei Zweifeln konsultieren Sie Ihren Spezialisten.