Übermäßige Hilfsbereitschaft: Verbirgt sich dahinter der Wunsch nach Kontrolle?

13 Juni, 2020
Hinter Altruismus verbirgt sich manchmal der Wunsch, durch übermäßige Hilfsbereitschaft die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Allerdings bemerken diese Menschen oftmals gar nicht, dass sie diese Bedürfnisse überhaupt haben. Eines davon könnte der Wunsch sein, andere Menschen zu kontrollieren.
 

Extrem ausgeprägte Verhaltensweisen sind häufig Anzeichen für einen inneren Kampf. Dabei neigen betroffene Menschen dazu, eine bestimmte Verhaltensweise extrem zu übertreiben, um dadurch ein latentes Problem zu verbergen. Obwohl Hilfsbereitschaft grundsätzlich eine gute Charaktereigenschaft ist, kann sie in manchen Fällen jedoch auch negativ sein.

Sehr häufig erwarten freundliche und hilfsbereite Menschen eine Gegenleistung, obwohl sie das vermutlich abstreiten werden. Darüber hinaus könnte es sein, dass diese Hilfsbereitschaft ein Mechanismus ist, um das Verhalten anderer Menschen zu kontrollieren.

Wenn der Mensch, der stets nett und hilfsbereit ist, sich über sich selber und sein Verhalten beklagt, ist dies ein weiteres aufschlussreiches Anzeichen. Diese Menschen äußern häufig ihre Enttäuschung darüber, dass ihre Mitmenschen sich nicht so verhalten, wie sie es von ihnen erwarten oder nicht „genügend Dankbarkeit“ für die erfahrene Hilfe zeigen. Daher kann übermäßige Hilfsbereitschaft auch eine versteckte Form der Manipulation sein.

“Der wahre Sinn des Lebens besteht darin, Bäume zu pflanzen, in deren Schatten du vermutlich nie selber sitzen wirst.“

-Nelson Henderson-

Hilfsbereitschaft - traurige Frau mit ihrem Partner
 

Was genau ist übermäßige Hilfsbereitschaft?

Man könnte sagen, dass übermäßige Hilfsbereitschaft bedeutet, dass du deine eigenen Bedürfnisse und Wünsche vernachlässigst und ignorierst, um anderen Menschen zu gefallen. Außerdem lebst du dafür, anderen Menschen zu helfen und bist vermutlich nicht in der Lage zuzugeben, dass auch du Zuneigung oder Hilfe benötigst. Darüber hinaus verhalten sich auch die Menschen, die stets der „Herr der Lage“ sein wollen, genau auf diese Weise.

Experten wiesen darauf hin, dass der zwanghafte Wunsch, anderen zu helfen, auf ein starkes Bedürfnis nach Zuneigung zurückzuführen sein kann. Viele Menschen, die in ihrer Kindheit nicht genügend Zuneigung erfahren haben oder nicht zu unabhängigen Menschen erzogen wurden, zeigen derartige Verhaltensweisen.

Häufig ist zu freundliches oder hilfsbereites Verhalten eine Strategie, um die Zuneigung und Akzeptanz anderer Menschen zu „erkaufen“. Daher sind diese Menschen dann auch sehr enttäuscht, wenn die anderen sich ihnen gegenüber nicht in gleicher Weise verhalten. Und diese Enttäuschung führt dann dazu, dass sie sich darüber beschweren, dass sie anderen Menschen „zu viel geben“ würden.

Empathie oder Kontrolle?

Diejenigen, die zu freundlich oder zu hilfsbereit sind, sind sich nur sehr selten über ihre wahren Motive für ihre Hilfsbereitschaft bewusst. Sie sind fest davon überzeugt, dass sie sich tatsächlich um das Wohlergehen anderer Menschen sorgen und kümmern.

 

Außerdem können sie die Schmerzen ihrer Mitmenschen wahrnehmen und fühlen sich schlecht, wenn sie diese leiden sehen. Aber dabei gibt es zwei große Probleme. Zuerst einmal empfinden sie niemals ein solches Interesse oder Freundlichkeit für sich selbst. Tatsächlich stellen sie sich freiwillig in die zweite Reihe.

Das zweite Problem besteht darin, dass sie das Verhalten anderer Menschen kontrollieren wollen. Sie wollen deren Aufmerksamkeit, Wertschätzung oder sogar öffentliche Anerkennung für ihre Handlungen. Daher haben viele dieser Menschen auch das Gefühl, sie hätten ein Recht dazu, das Leben der Menschen zu kontrollieren, denen sie helfen. Sie nehmen dieses Recht für sich als „Kompensation“ dafür in Anspruch, was sie für diese Menschen getan haben.

Hilfsbereitschaft - offene Hand, die Hilfe anbietet

Echte Hilfsbereitschaft

Bevor du dich dazu entscheidest, anderen zu helfen und nett zu ihnen zu sein, musst du zuerst lernen, nett und liebevoll mit dir selber zu sein. Dies ist ein notwendiger Aspekt, um ein Gleichgewicht zwischen deinen eigenen Interessen und denen anderer Menschen erreichen zu können. Daher solltest du sicherstellen, dass die Opfer, die du für andere Menschen erbringst, auch im Einklang mit deinem Leben, deinen Bedürfnissen und deinen Grenzen sind.

 

Andererseits ist es natürlich auch sehr hilfreich, wenn du dich fragst, was genau dich dazu motiviert, anderen Menschen helfen zu wollen. Wie wir bereits erwähnt haben, wird dir diese Überlegung dabei helfen, deine eigenen Bedürfnisse zu identifizieren. Und dann kannst du anderen Menschen helfen, ohne sie dabei manipulieren zu wollen.

Darüber hinaus führt das Bedürfnis, von anderen gebraucht zu werden, häufig zu einer Co-Abhängigkeit in Beziehungen, die für alle Beteiligten negative Folgen haben wird. Daher besteht der beste Weg, jemandem zu helfen, darin, ihm die Möglichkeit zu geben, unabhängig zu bleiben; es geht also um Hilfe zur Selbsthilfe. Anstatt den anderen von deiner Hilfe abhängig zu machen, solltest du gemeinsam mit diesem Menschen nach Lösungen suchen.

 

López, A. M. (2000). La metafísica de la generosidad cartesiana. Iztapalapa. Revista de Ciencias Sociales y Humanidades, 21(49), 27-44.