Ubuntu, die südafrikanische Philosophie der Menschlichkeit

In der afrikanischen Kultur ist ein Mensch mit Ubuntu jemand, der anderen zur Verfügung steht, frei von Egoismus und Gier ist und über Toleranz und Empathie verfügt.
Ubuntu, die südafrikanische Philosophie der Menschlichkeit

Letzte Aktualisierung: 17. Januar 2022

“Ubuntu” könnte als Philosophie der Menschlichkeit bezeichnet werden. Dieses Konzept beschreibt den respektvollen Gemeinsinn, die Nächstenliebe und Zusammengehörigkeit. Der Ursprung dieses Wortes ist in den Bantusprachen der Zulu und Xhosa zu finden. Die Ureinwohner im Süden Afrikas verdeutlichen dieses Konzept mit einem lehrreichen Sprichwort: “umuntu, ngumuntu, ngabantu”. Dies bedeutet so viel wie “Menschen brauchen Menschen, um Mensch zu sein”.

Sprachliche Konzepte anderer Kulturen sind immer wieder interessant, denn sie machen uns ihre Weltanschauung bewusst. “Ubuntu” steht für Menschlichkeit und bringt uns die von Nelson Mandela initiierte Revolution in Erinnerung.

Auch der Geistliche und Politiker Desmond Tutu machte sich dieses Wort zu eigen, um es in den moralischen Kompass zu integrieren, der das afrikanische Land leiten sollte. Demut, Empathie, Respekt, Zusammenhalt: Wir können alle von dieser Philosophie der Menschlichkeit  lernen.

“Ein Mensch mit Ubuntu ist offen und verfügbar für andere. Er ist unterstützend, weil er selbstbewusst ist. Er weiß, dass er zu einem größeren Ganzen gehört, das geschmälert wird, wenn andere gedemütigt oder herabgesetzt werden, wenn andere gequält oder unterdrückt werden.”

Desmond Tutu

Ubuntu: die Philosophie der Menschlichkeit

Ubuntu, das Gemeinwohl ist das eigene Wohl

Wir alle denken irgendwann über den Sinn unseres Lebens nach. Je früher das geschieht, desto bereichernder und praktischer. Konzepte wie “Ubuntu”, die ein ganzes Kompendium von Werten umfassen, sind dabei besonders hilfreich. Wir sollten uns alle damit beschäftigen, um unser Leben in die richtige Richtung zu lenken.

Ubuntu bedeutet “Ich bin, weil wir sind”. Nur wenige Ideen fassen so gut zusammen, was die Menschheit ist (oder sein sollte). Wie Desmond Tutu sagte, soll dieser Begriff uns daran erinnern, dass das Wesen des Menschseins in der Gemeinschaft und der respektvollen Verbindung mit anderen begründet ist. Wir alle sind wichtig, jedes Leben ist wichtig, und wir verdienen Würde, Respekt und Rücksichtnahme.

Zusammen bilden wir eine sinnvolle Einheit, wenn wir uns gegenseitig respektieren. Doch wenn wir jemandem Schaden zufügen, entmenschlicht jeder von uns auch sich selbst. Wenn wir an die Zeit der Apartheid in Südafrika zurückdenken, die erst in den 1990er-Jahren endete, können wir die Bedeutung dieses Gedankens verstehen.

Freundlichkeit verbindet uns und gibt dem Leben einen echten Sinn

Freundlichkeit ist der emotionale Klebstoff, der uns miteinander verbindet, und dem Leben einen echten Sinn gibt. Ubuntu praktizieren bedeutet nicht nur freundlich sein, sondern auch Verständnis zeigen und wissen, dass jede Einzelperson wichtig ist. Vorsätzliche Schädigung bereitet uns allen Schmerzen und der Schrecken jeder Form von Aggression lebt über Generationen in uns weiter.

Erinnere dich an Erich Fromms Überlegungen über die entmenschlichte Gesellschaft, an seine Befürchtung, durch technologischen Fortschritt eine kalte, egoistische und wenig einfühlsame Gesellschaft zu erreichen. Die Rettung oder Strategie, um dies zu verhindern, ist es, Ubuntu zu praktizieren, sich daran zu erinnern, dass nur dann, wenn wir uns um das Gemeinwohl kümmern, unser eigenes überwiegt.

Außerdem zeigen Forschungen, wie die der Case Western Reserve University, dass Altruismus zu Glück führt. Wie die Ubuntu-Philosophie betont: “Ich bin, weil wir sind.”

Ubuntu ist eine Lebensphilosophie, die die Einheit der Menschheit betont. Wir sprechen von einem Wert, der seit Generationen bei vielen afrikanischen Völkern präsent ist.

Ubuntu und Zusammenhalt

Die Philosophie des Ubuntu zur Überwindung der Kluft zwischen uns

Unsere moderne Gesellschaft ist technologisch orientiert, doch wir erleben auch immer größere soziale Unterschiede, Unsicherheit und ein tiefes Gefühl der Einsamkeit. Wir sind mehr denn je miteinander verbunden, aber gleichzeitig fühlen wir uns leer und sogar bedeutungslos. Manchmal blicken wir mit Hoffnung und fast immer mit Angst in die Zukunft.

In dieser vielfältigen Welt, die von unendlichen Interessen regiert wird und in der große Engpässe herrschen, brauchen wir dieses Konzept, diese Philosophie, mehr denn je. Ubuntu ist die Praxis der Toleranz und gegenseitigen Fürsorge. Wir können andere nicht als Abschaum behandeln, denn dann schaffen wir Spaltungen und bauen Mauern auf, die uns trennen und allen schaden.

Der Sinn des Lebens besteht darin, mit unseren Mitmenschen eine Einheit zu erreichen, uns gegenseitig zu respektieren und zuzuhören. Es geht um Mitgefühl und Brücken, die wir zueinander aufbauen. Das ist das wahre Glück, die Lösung, die unsere Ängste und Einsamkeit mildert und auflöst. “Ich bin, weil wir sind” ist eine ebenso schöne wie hoffnungsvolle Botschaft, die wir zu unserem Mantra machen sollten.

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