Tu jeden Tag etwas Gutes, denn Güte ist lohnender als Geld

· 6. Oktober 2016

Zeige Güte, tu jeden Tag etwas Gutes für dich und die anderen. Freundlichkeit ist die beste Investition. Sie wird zu guten Gefühlen, guten Erfahrungen und erfreulichen Konsequenzen führen. Manchmal jedoch vergessen wir dies, wenn es um etwas geht, das für unser Leben und unsere Energie weit weniger bedeutend ist: Geld.

Kürzlich ging eine Geschichte über eine ältere Frau durch die Medien. Sie hielt sich an das Versprechen, das sie ihrem Mann vor seinem Tode gegeben hatte. Er bat sie, sich von dem gesamten Geld, welches sie gemeinsam angespart hatten, zu trennen.

Von ihren Verwandten befragt gab sie an, das Geld auf ein Bankkonto eingezahlt, und einen Scheck über das Geld im Sarg deponiert zu haben. Damit ihr Ehemann es einlösen könne, wenn er es im Totenreich benötige.

Die Wahrheit ist, dass wir niemals wissen werden, ob dieser reich verstorbene Mann in der Lage wäre, mit solch einer Absicht in eine Bank zu gehen. Was wir wissen, ist, dass die Metapher dieser kleinen Geschichte uns bereichert. Sie bringt uns dazu, darüber nachzudenken, wie wir unser Leben meistern. 

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Es gibt ein Leben vor dem Tod

In einem Interview mit Eduardo Punset, einem großen Wissenschaftsautor, wurde dieser nach seinem Lieblingszitat gefragt. Er sagte, dass ihn als Wissenschaftler ein Spruch beeindruckt hatte, den er als Graffiti in einer New Yorker U-Bahnstation entdeckt hatte:

„Es gibt ein Leben vor dem Tod.“ 

Einfach, leicht und beunruhigend. Unsere westliche Kultur ist in bestimmten, längst vergangenen Zeitabschnitten verwurzelt. Einer von ihnen ist das Antike Griechenland mit seiner klassischen Philosophie. Die andere ist die Geburt des Christentums und sein Einfluss auf die Philosophie.

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Durch die Geschichte hindurch haben Religionen das Bedürfnis verspürt, die Gesellschaft zu kontrollieren. Das Christentum, wie andere Religionen auch, war dazu im Stande, indem es die Bedeutung des Lebens als Vorbereitung auf den Tod, die Begegnung mit Gott, hervorhob.

Es war als ob das Leben, vor dem uns erwartenden Ausblick auf das Leben nach dem Tod, in den Hintergrund rückte. Es ging darum, bis zum Ende des Lebens durchzuhalten, um nach dem Tod weiterzuleben; für eine letzte und ewige Belohnung.

Was ist vom Paradies geblieben?

Die Religion hat während des 20. Jahrhunderts viel ihrer Macht, ihrem Herrschaftsanspruch, ihrer wegweisenden Position und gesellschaftlicher Achtung verloren. Die Glut für die Suche nach unserem Wesen bleibt jedoch bestehen.

Wir schauen weiter nach dem Horizont. Wir lassen unsere Kinder studieren, bringen ihnen viel bei, bereiten sie darauf vor, viel Geld zu verdienen. 

Es gibt eine weitere Geschichte, eine gewöhnliche Fabel, die diese Mentalität berücksichtigt:

Die Zikade war glücklich und genoss ihren Sommer: die Sonne schien, die Blumen versprühten ihren Duft. Und die Zikade sang und sang. In der Zwischenzeit arbeitete ihr Freund und Nachbar, die Ameise, ohne Unterlass. Tag und Nacht war sie damit beschäftigt, Nahrung zu sammeln. 

 „Freund Ameise! Wirst du bei soviel Arbeit nicht müde? Entspann dich ein wenig mit mir und ich sing etwas für dich“, sagte die Zikade zur Ameise.

„Es wäre besser für dich, du würdest Vorräte für den Winter anlegen und aufhören, auf der faulen Haut zu liegen“, antwortete die Ameise, während sie geschäftig ihre Körner transportierte.

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Die Zikade lachte, sang weiterhin und ignorierte ihren Freund. Bis sie eines Tages aufwachte und die starke Kälte des Winters spürte. Die Bäume hatten keine Blätter mehr und vom Himmel fielen Schneeflocken herab. Die Zikade wanderte durch das Feld, froh und hatte Hunger. In der Entfernung sah sie das Haus ihres Freundes der Ameise und ging hin, um Hilfe zu finden.

„Freund Ameise, mir ist kalt und ich habe Hunger. Willst du mir nicht etwas zu Essen geben ? Du hast so viel zu Essen und ein warmes Haus. Ich habe gar nichts.“

Die Ameise öffnete die Tür ihres Hauses und sagte zur Zikade: „Sag mir, Freund Zikade, was hast du getan, während ich morgens aufstand und zur Arbeit ging ? Was hast du getan, während ich Weizenkörner hin und her trug?“

„Ich sang und sang im Sonnenlicht“, antwortete die Zikade.

„Ist es das, was du tatest ? Nun wenn du im Sommer gesungen hast, dann tanze nun im Winter.“

Und er schloss die Tür und ließ die Zikade draußen stehen, um ihr eine Lektion zu lehren.

Moral: Derjenige, der den Winter angenehm verbringen will, muss die Zeit, in der er jung ist, zu nutzen wissen.

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Es gibt ein Leben vor dem Leben

Psychologen sprechen davon, dass in bestimmten Lebensphasen Existenzkrisen aufkommen können, die uns in Verwirrung stürzen. Es sind Momente, in denen wir auf unsere Füße schauen und uns schwindelig wird. Denn wir sind es nicht gewöhnt, uns ihrer Vergänglichkeit bewusst zu sein.

„Der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein interessiert mich nicht. Was mir wichtig ist, ist, abends beim Zubettgehen zu wissen, etwas Wunderbares getan zu haben.“

Steve Jobs

Ich würde aus dem Satz in der New Yorker U-Bahn Folgendes machen: Es gibt mehr Leben im Leben als wir ahnen. Vor dem viel wissen, heiraten, Kinder bekommen oder in Rente gehen gibt es ein auch schon Leben. Im Leben geht es um die Augenblicke und nicht um Stufen oder Titel, die es zu erreichen gilt.

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Deshalb ist es am besten, jeden Tag etwas Gutes zu tun, denn freundlich zu sein macht uns reicher als Geld, während des Lebens, schon zu Beginn und noch zum Ende. Am Ende des Tages ist es soweit, die Ernte einzufahren und uns zu fragen: Was ist besser? Freundlichkeit oder Wohlstand anzusammeln?  Die Wahrheit ist, dass wir ohne positive Gefühle am Ende unserer Lebens nichts besitzen werden.

Darum ist es wichtig, dass wir diesen Gedanken gegenwärtig halten:

„Tu jeden Tag etwas Gutes, denn Güte gibt uns wahren Wohlstand und kein Geld vermag dies zu tun.“

Dies wird unsere wahre Belohnung sein: Das Leben leben.