Tschüss Amor! Ich wünsche mir einen neuen und verantwortungsbewussteren Liebesengel

· 31. März 2016

Nach vielen Jahren, vielen Tränen und Enttäuschungen, habe ich beschlossen, Amor Lebewohl zu sagen.

Zumindest hat dieser Amor keine guten Entscheidungen getroffen. Sein Pfeil der Liebe ging immer in die falsche Richtung und ich musste in der Liebe eine Enttäuschung nach der anderen verkraften. Deshalb bitte ich um einen neuen, einen verantwortungsbewussteren Amor, der ab heute seine Liebespfeile für mich in die richtige Richtung schießt.

„Die Dichter haben keinen Grund, uns die Liebe als blind zu schildern; man muss ihr die Binde von den Augen nehmen und diesen hinfort den Genuss gestatten.“

Blaise Pascal

Amorskulptur

Die Liebe mag vielleicht blind sein, aber du nicht

Im Laufe unseres Lebens haben wir Beziehungen, die sehr gut, mittelmäßig oder schlecht verlaufen. Im Falle von mittelmäßigen und schlechten Beziehungen fragen wir uns nur zu gern: Wieso hat dieser kleine dicke und blinde Liebesengel nur seinen Pfeil auf diese Person gerichtet?

In der römischen Mythologie ist Amor der Liebesgott (sein griechisches Synonym ist Eros). Es gibt verschiedene Geschichten über seinen Ursprung, doch die meistverbreitetste ist, dass er das Kind von Venus, der Göttin der Liebe, Schönheit und Fruchtbarkeit, und Mars, Gott des Krieges, war.

Wenn wir an Amor denken, schießt uns immer sofort das Bild von einem Kind mit Flügeln, verbundenen Augen in den Kopf, das mit Pfeil und Bogen bewaffnet ist.

Die Psychologin und Psychoanalystin Dr. Frances Cohen betrachtete das Thema Liebe aus einer organischen Perspektive und hat erforscht, dass unser Gehirn zu Beginn einer Liebesbeziehung seine Mechanismen deaktiviert, die dafür verantwortlich sind, dass wir die Schwächen des anderen Individuums erkennen.

Chemische Substanzen lösen bei uns während der Phase des Verliebtseins Euphorie aus, weshalb wir uns gut fühlen, was aber auch gleichzeitig zur Folge hat, dass unser Urteilsvermögen eingeschränkt wird.

Aber wir dürfen nicht denken, dass die Liebe nur ein Gefühl ist. Der Grund für die Liebe muss eine weitaus wichtigere Funktion haben.

Die Liebe darf man nicht nur spüren, man muss sie auch gut überdenken.

Damit eine Beziehung über einen längeren Zeitraum hält und sich weiterentwickelt, reicht die Liebe allein nicht aus. Dazu gehört vor allem viel Willenskraft.

Paar mit verbundenen Augen

Gibt es die Pfeile Amors wirklich?

Wenn wir auf der Straße laufen, im Bus sitzen, uns auf einer Party jemand vorgestellt wird, fühlen wir uns manchmal von einer bestimmten Person besonders angezogen – ist das dann Amors Pfeil oder die Liebe auf den ersten Blick?

Mit diesem „Pfeil“ ist eine besondere Anziehungskraft zu jemandem gemeint, der unser Herz höher schlagen lässt und in dessen Gegenwart wir uns sehr wohl fühlen, weshalb wir uns nach diesem Menschen sehnen, wenn er nicht bei uns ist.

Die Professorin der Universität von Syracuse (New York, USA), Stefanie Ortigue, führte eine Studie durch, die ergab, dass der Ursprung der Verliebtheitssymptome im Gehirn liegt.

Dr. Ortigue fand demnach heraus, dass das Gefühl, verliebt zu sein, zwölf verschiedene Gehirnareale aktiviert, was zur Freisetzung großer Menge an Dopamin, Oxytocin und Adrenalin führt. All diese Komponenten erzeugen dann eine große Euphorie.

Aus diesem Grund ist die Liebe auf den ersten Blick nicht nur möglich, sondern wird auch durch sehr wichtige chemische Prozesse hervorgerufen.

10 Prinzipien, um in einer Liebesbeziehung zu überleben

Der argentinische Psychologe Walter Riso zeigt uns in seinem Buch Manual para no morir de amor,  zu Deutsch Wie wir in einer Liebesbeziehung überleben,  die folgenden 10 Prinzipen auf, um in einer Liebesbeziehung wortwörtlich zu überleben:

1.- Wenn du nicht mehr geliebt wirst, lerne, zu verlieren und dich würdevoll zu verabschieden

Nicht mehr geliebt zu werden, schmerzt, es schmerzt sogar sehr. Aber man muss lernen, wann Schluss ist und wann man aufgeben muss. Es ist ausreichend, sich an die unbändige Leidenschaft, die wir als Erwachsene fühlten, zu erinnern und wir müssen versuchen, nachzuempfinden, dass die Liebe verschwunden ist.

Gegen Herzschmerz gibt es kein Wundermittel, man muss dem Schmerz einfach die Stirn bieten.

2.- Den eigenen Liebhaber zu heiraten gleicht einer versalzenen Suppe

Eine flüchtige Beziehung mit einem Liebhaber und eine Beziehung mit einem Liebhaber, die in einer Ehe endet, sind zwei von Grund auf verschiedene Dinge. Und wir sollten uns gut überlegen, ob wir mit diesen Unterschiedlichkeiten leben können.

Eine der wichtigsten Fragen, die du dir stellen solltest, ist: Bist du dazu in der Lage, darauf zu vertrauen, dass er einst dein Liebhaber war und nun dein Leben mit dir teilt?

3.- Ich kann nicht ohne dich, aber mit dir kann ich auch nicht!? Renne so weit du kannst!

Viele Personen auf dieser Welt befinden sich in Beziehungen, in denen einer der beiden Partner in ständiger Unschlüssigkeit lebt. In diesen Fällen sollten wir uns von unserem Partner trennen, wenn wir Leid vermeiden wollen.

4.- Die Macht der Liebe überkommt denjenigen, der den anderen weniger liebt

Hierbei geht es darum, eine gesunde Beziehung zu führen, bei der wir die Freiräume unseres Partners respektieren. Es geht darum, uns selbst frei lieben zu können und gleichzeitig unsere Liebe mit einer anderen Person zu teilen.

Mann sucht nach Liebe

5.- Sich überstürzt in eine neue Beziehung zu flüchten, führt dazu, dass beide am Ende allein bleiben

Wenn wir eine Liebesbeziehung beenden, suchen wir manchmal eine andere Person als Ersatz für den verlorengegangenen Partner, doch das ist niemals eine gute Idee, macht uns nicht glücklich und kann den neuen Partner verletzen.

Wir müssen durch diesen Trennungsschmerz nun einmal durch, müssen die Einsamkeit kennen, schätzen und genießen lernen und sollten nur dann eine neue Beziehung beginnen, wenn wir uns gut fühlen.

6.- Irrationale Opfer sollten vermieden werden: Verändere dich nicht, nur damit dein Partner glücklich wird

Wenn du der Meinung bist, dass es dir schlecht gehen muss, damit dein Partner glücklich ist, hast du ein Problem. Denn eigentlich hast du ein Problem mit deinem Selbstwertgefühl, an dem gearbeitet werden sollte, um gesunde und glückliche Beziehungen einzugehen.

7.- Wenn man die Liebe weder sieht noch spürt, dann existiert sie nicht und nützt dir auch nichts

Du solltest dir auf jeden Fall über die folgende Frage Gedanken machen: Liebt dich dein Partner so, wie du es gern hättest?

Wenn du dich nicht gut fühlst oder dich etwas bedrückt, sprich darüber und teile dich mit, lass es deinen Partner wissen. Es kann aber auch sein, dass dieser Partner einfach nicht der Richtige für dich ist.

8.- Liebe deinen Partner mit all seinen Stärken und Schwächen

In der ersten Phase des Verliebtseins neigen wir dazu, wie bereits zuvor beschrieben, unseren Partner zu idealisieren und unsere Augen vor seinen Fehlern zu verschließen. Aber eine gesunde Liebe muss realistisch sein und dazu gehört eben auch, seinen Partner mit all seinen Stärken und Schwächen zu lieben.

9.- Die Liebe kennt kein Alter, aber die Verliebten schon

Man kann in jedem Alter Liebe empfinden, doch wenn der Altersunterschied zwischen beiden Partnern sehr groß ist, verkompliziert das die Beziehung, weil beide an verschiedenen Punkten ihres Lebens stehen. Es ist ratsam, all diese Aspekte abzuwägen und realistisch zu bleiben.

10.- Manche Trennungen sind nützlich, weil sie dir zeigen, was du in der Liebe nicht willst

Auch aus Trennungen können und sollten wir lernen, was wir nicht wollen, was uns nicht gefällt, was uns schlecht fühlen lässt. Jeder muss die sog. „Weisheit des Nichtgefallens“ erlernen. Das heißt, dass uns vielleicht nicht klar ist, was wir von der Liebe erwarten, aber wir wissen auf jeden Fall, was wir uns nicht von ihr wünschen.

Natürlich geht es nicht darum, Amor auszutauschen, sondern uns selbst zu verändern, um dazu in der Lage zu sein, uns und andere zu lieben.

„Wir sagen dass die Liebe blind und der blinde Amor mit seinen Pfeilen für unsere Liebe verantwortlich ist. Blind ja, weil nichts gesehen werden kann, dass man nicht liebt.“

Ralph Waldo Emerson