Trypophobie: Ursachen, Symptome und Behandlung

· 7. Januar 2019

Trypophobie ist eine extreme Angst oder ein Gefühl der Abscheu, das sich einstellt, wenn man bestimmte geometrische Formen sieht. Diese Formen können kleine Löcher, Rechtecke oder Kreise sein. In der Tat bedeutet das Wort Trypophobie wörtlich „Angst vor Löchern“.

Tatsächlich tritt diese irrationale Angst häufiger auf als gedacht. Viele Millionen Menschen sagen von sich aus, dass sie Angst oder Abscheu empfinden, wenn sie viele kleine Löcher sehen. Trotzdem wissen wir derzeit noch nicht viel über diese Phobie.

Nahaufnahme von Blubberbläschen in einer roten Limonade

Was ist eine Phobie?

Phobien sind intensive und irrationale Ängste vor Personen, anderen Lebewesen, Objekten oder Situationen, die wenig oder keine Gefahr darstellen. Das Wort leitet sich vom griechischen „Phobos“ ab und bedeutet „Panik“.

In der griechischen Mythologie war Phobos der Sohn des Kriegsgottes Ares und der Göttin der Liebe Aphrodite. Er personifizierte die Angst. Alexander der Große betete deshalb vor jeder Schlacht zu Phobos, um seine Angst in Schach zu halten.

Wenn wir von Trypophobie sprechen, beziehen wir uns demnach auf eine Phobie, die durch bestimmte Gegenstände oder Situationen verursacht wird. Betroffene reagieren auf diese mit Furcht und Angst. Daher können wir die Auslöser auch angstauslösende Reize nennen. In unserem Fall handelt es sich um geometrische Formen, die sehr nahe beieinander liegen.

Spezifische Phobien wie Trypophobie haben folgende Eigenschaften:

  • Intensive Furcht oder Angst, verursacht durch den jeweiligen Trigger der Phobie (z. B. Fliegen, Höhe, Tiere, Injektionen, Anblick von Blut …)
  • Die angstauslösende Situation führt unmittelbar zur Furcht, wird deshalb vermieden – wenn es dem Betroffenen möglich ist – oder ihr wird aktiv unter großer Anstrengung widerstanden.
  • Die Angst ist unverhältnismäßig stark, wenn wir die tatsächliche Gefährlichkeit der spezifischen Situation analysieren.
  • Die Angst dauert an und besteht normalerweise über sechs oder mehr Monate.
  • Die Angst oder das Vermeiden der angstauslösenden Situationen verursachen klinisch signifikante Beschwerden. Es kann zu einer sozialen, arbeitsbezogenen oder sonstiger Art von bedeutender Abnahme der Lebensqualität kommen.

Üblicherweise leiden Menschen an mehreren spezifischen Phobien. Etwa 75 % der Menschen mit bestimmten Phobien fürchten mehr als eine Situation oder ein Objekt.

Trypophobie wird noch nicht als eine Krankheit angesehen, könnte es aber bald werden

Menschen mit Trypophobie empfinden Angst, wenn sie Korallen, Bienenstöcke, Seifenblasen, Kleider mit Punktmuster, Blasen oder einen Haufen gestapelter Holzklötze sehen. Aber die Abneigung beim Anblick dieser geometrischen Muster ist bislang nicht als Krankheit klassifiziert, denn sie ist eine Art der Angst, die besonders häufig auftritt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass durch entsprechendes Vermeidungsverhalten bestimmte Gefahren, wie zum Beispiel das Anstecken mit einer Krankheit oder Verletzungen, vermieden werden können.

Trotzdem kann diese irrationale Angst unser Wohlbefinden oder unser tägliches Leben beeinträchtigen. Es könnte uns sogar davon abhalten, ein normales Leben zu führen. Sollte dies der Fall sein, liegt eine Störung vor, die behandelt werden sollte.

Fassade eines Gebäudes, das als Muster Waben aufweist

Woher kommt die Trypophobie?

Was  Trypophobie verursacht wurde kürzlich an der University of Essex (England, Vereinigtes Königreich) untersucht und die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Psychological Science  veröffentlicht. Die Muster, die bei Menschen mit Trypophobie Angstsymptome hervorrufen, ähneln demnach den Mustern verschiedener giftiger Tiere.

Die Trypophobie könnte also eine evolutionäre Erklärung haben. Die geometrischen Muster, die Angst bei Probanden hervorrufen, suggerieren Gefahr. Jene Angst, die manche von uns heute verspüren, könnte bei unseren Ahnen einen Fluchtreflex vor gefährlichen Tieren ausgelöst haben. Dies könnte ihnen geholfen haben, zu überleben und zu vermeiden, von diesen Tierarten vergiftet oder angegriffen zu werden.

Damit unterscheidet sich die Trypophobie von anderen Phobien, da wir die meisten irrationalen Ängste erlernen und nicht instinktiv versprüren. Wir entwickeln also aufgrund persönlicher Erfahrungen Angst vor bestimmten Reizen. Dem könnten eigene Beobachtungen oder Erzählungen unserer Mitmenschen zugrunde liegen. Doch der Ursprung der Trypophobie liegt nicht in einem solchen Trauma. Sie hat auch keinen kulturellen Ursprung, wie dies bei der Angst vor der Zahl 13 (Triskaidekaphobie) der Fall ist.

Abneigung, Angst und Ekel vor Löchern in organischer Materie lassen sich leicht erklären. Sie tritt auf, weil diese Bilder häufig mit Krankheiten und Läsionen assoziiert werden.

Eine Handinnenfläche, auf der sich Löcher gebildet haben

Symptome der Trypophobie

Die Symptome einer Trypophobie sind die gleichen wie bei jeder anderen spezifischen Phobie:

  • Übermäßige, irrationale und anhaltende Angst, verursacht durch das Vorhandensein oder die Vorwegnahme des angstauslösenden Reizes. In diesem Fall entspricht der Reiz dem Sehen oder der Vorstellung eines konkreten geometrischen Musters.
  • Angstreaktion aufgrund von Exposition oder Antizipation des angstauslösenden Stimulus. Im Extremfall kann es zu Panikattacken kommen.
  • Vermeidung der genannten Reize oder Situationen, in denen die Angst auftreten könnte.
  • Eingriff in das tägliche Leben. Dieses Vermeidungsverhalten und die damit verbundenen Angstsymptome beeinträchtigen die verschiedenen Lebensbereiche der Person stark.

Wer sich mit den beschriebenen Symptomen identifiziert, könnte an einer Trypophobie leiden. Trotzdem sollte man bedenken, dass dies nur ein Fachmann beurteilen und diagnostizieren kann. Wer also  Zweifel hat, holt am besten Rat bei einem Psychologen ein.

Holzstämme, die im gerodeten Wald gestapelt wurden

Behandlung der Trypophobie

Bei Trypophobie ist die Behandlung der Wahl eine Verhaltenstherapie, in der man den angstauslösenden Reizen gezielt ausgesetzt wird. In diesem Fall handelt es sich um bestimmte geometrische Muster oder Bilder. In einigen Fällen ist es auch nützlich, die Verhaltenstherapie durch Entspannungstechniken zu ergänzen.

Entspannungsübungen können nur als Ergänzung zur Reizexposition verwendet werden. Dies liegt daran, dass Entspannungstechniken selbst keine therapeutische Wirkung bei Phobien haben. Sich den angstauslösenden Mustern zu stellen, bedeutet sich in die gefürchtete Situation zu begeben. Beispielsweise, wenn man sich einer bestimmten Pflanze oder einem Bienenstock nähert.

Eines der häufigsten Probleme bei der Behandlung von Phobien ist das Auftreten von Panikattacken. Aus diesem Grund scheint es besser den angstauslösenden Reiz nur stufenweise zu erhöhen. Sollte der Patient doch eine Panikattacke bekommen, sollte er versuchen, diese Gedanken durch andere Gedanken zu umgehen.

Wer eine Panikattacke bei der Reizexposition erlebt, sollte versuchen, in der Situation zu bleiben, bis die Panik abnimmt. Wer aus der Situation gehen muss, sollte so nahe wie möglich am Reizauslöser bleiben und so schnell wie möglich zurückkehren.

Wie wir gesehen haben, ist Trypophobie eine irrationale Angst vor verschiedenen geometrischen Mustern und Löchern. Daher ist sie wie jede Phobie eine Störung, die von einem Psychologen behandelt werden kann.