Trennungsangststörung bei Erwachsenen

03 Oktober, 2020
Manche Menschen können es nicht aushalten, von ihrem Partner getrennt zu sein, nicht einmal für einen einzigen Tag. Diese Art der Bindung ist so intensiv und ungesund, dass eine Trennung emotional verheerende Folgen haben kann. Erfahre mehr über die Trennungsangststörung bei Erwachsenen.

Obwohl jede Trennung schmerzhaft ist, variiert die Intensität des Leidens je nach Art der Beziehung. Einige Trennungen hinterlassen Narben. Allerdings gibt es auch solche, die tatsächlich pathologisch werden können. Wenn ein Mensch seine Beziehung auf absoluter emotionaler Abhängigkeit aufbaut, kann dies zu etwas führen, was als Trennungsangststörung bei Erwachsenen bezeichnet wird.

Bis vor kurzem wurde der Begriff Trennungsangststörung als solcher nur bei Kindern genutzt. Er bezieht sich auf die verstärkte Angst von Kindern, wenn sie von ihren Eltern oder den Sorgeberechtigten getrennt sind. Diese Ängste treten beim Schulbesuch auf, wenn die Eltern zur Arbeit gehen oder wenn die Kinder alleine in einem Zimmer schlafen müssen.

In Familien, in denen die Eltern beispielsweise übermäßig behütend sind, tritt dieses Verhalten sehr häufig auf. Allerdings kann Angst und Verzweiflung aufgrund der Trennung von einem dir nahestehenden Menschen auch im Erwachsenenalter auftreten. Infolgedessen treten bei vielen Erwachsenen besonders verheerende Symptome auf, wenn ihre romantische Beziehung endet. 

Übermäßig starke Ängste, psychosomatische Symptome, Schlaflosigkeit, permanente Sorgen usw. Menschen, die sich in diesen wehrlosen Situationen befinden, benötigen einen besonderen psychologischen Ansatz. Damit wollen wir uns nun eingehender beschäftigen.

Trennungsangststörung - ängstliche Frau auf dem Sofa

Trennungsangststörung bei Erwachsenen: Symptome, Ursachen und Strategien

Wenn du jemanden liebst, kann eine mehrtägige Trennung durchaus schmerzhaft sein. Allerdings gibt es Menschen, die diese Gefühle extrem intensiv empfinden, bis zu einem Punkt, an dem diese Erfahrung traumatisch wird.

Entwicklungspsychologen glauben, dass die Verbindung zwischen Liebespartnern die gleiche Transzendenz hat wie die Bindung zwischen Eltern und ihren Kindern. Tatsächlich sind die gleichen Neurochemikalien aktiv: Oxytocin, Vasopressin, Dopamin und andere.

Lisa Diamond, eine Sozialpsychologin an der Universität von Utah, erforscht diese Arten von Verbindungen. Ihre Studien zeigen, dass es viele Ähnlichkeiten zwischen der Eltern-Kind-Beziehung und Partnerschaften zwischen Erwachsenen gibt. Du möchtest dem von dir geliebten Menschen nahe sein. Außerdem kümmerst du dich um ihn, machst dir Sorgen und unternimmst alles Notwendige, damit es diesem Menschen gut geht. Allerdings kann diese starke Bindung ziemlich leicht auch ungesund werden. Tatsächlich kann sie sogar regelrecht obsessiv werden.

Dies kann so weit gehen, dass sich daraus ernsthafte emotionale Probleme entwickeln. Und das wiederum kann zu einer Trennungsangststörung bei Erwachsenen führen. Diese tritt vor allem deshalb auf, weil das Gehirn diese Erfahrung als eine Bedrohung ansieht, als etwas Traumatisches. Daher schüttet dein Körper dann große Mengen Cortisol aus, was eine Vielzahl physischer und psychischer Symptome auslöst.

Was ist eine Trennungsangststörung bei Erwachsenen?

Manchmal handelt es sich nicht nur um einen einfachen Fall von Angst. Wenn diese Ängste für längere Zeit anhalten und mit einer Reihe bestimmter Verhaltensweisen einhergehen, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um eine Trennungsangststörung handeln könnte.

Das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5) führt diesen Zustand in der Kategorie Angststörungen auf.

Trennungsangststörung kann zu einigen der nachfolgenden Einstellungen und Verhaltensweisen führen:

  • Erhöhter Stress und Angst.
  • Wiederholte Versuche, mit dem ehemaligen Partner in Kontakt zu kommen und die Beziehung wieder aufleben zu lassen.
  • Weigerung zu akzeptieren, dass die Beziehung beendet ist.
  • Vermehrtes emotionales Leiden und die Unfähigkeit, einen normalen Trauerprozess zu durchlaufen.
  • Schlafbeschwerden.
  • Unfähigkeit, in das normale Leben zurückzukehren. Die Angststörung könnte sich sogar so stark auf die Arbeit auswirken, dass der Betroffene nicht mehr arbeiten kann.
  • Ernährungs- und Appetitveränderungen (zu viel oder zu wenig essen).
  • Psychosomatische Erkrankungen wie Verdauungsbeschwerden, Magenschmerzen und Kopfschmerzen.

Welche Ursachen hat diese Störung?

Einigen Menschen fällt es leichter mit Trennungen umzugehen als anderen. Manche Menschen brauchen sehr lange, um über ein Beziehungsende hinwegzukommen. Darüber hinaus stellt das Ende einer Beziehung für einen kleinen Teil der Bevölkerung ihr gesamtes Leben auf den Kopf.

Das ist der Fall, wenn jemand an einer Trennungsangststörung leidet. In der Regel haben diese Männer und Frauen bestimmte gemeinsame Eigenschaften:

  • Sie haben eine abhängige Persönlichkeit. Mit anderen Worten, sie haben eine exzessive und unverhältnismäßige Bindung zu ihrem Partner. In extremeren Fällen hat dieser Mensch möglicherweise eine abhängige Persönlichkeitsstörung. Diese Erkrankung bedingt unter anderem ein übermäßig starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Fürsorge. Dieses Bedürfnis führt dann wiederum zu verstärkter Unterwürfigkeit.
  • Außerdem haben Menschen mit einer Trennungsangststörung in einigen Fällen auch eine Borderline-Persönlichkeitsstörung. Hierbei ist die größte Angst des Betroffenen die Angst vor dem Verlassenwerden. Diese pathologische Angst ist die Ursache für den Großteil ihrer Probleme. Infolgedessen ist eine Trennung für sie extrem traumatisch.
  • Darüber hinaus sollten wir auch die Menschen nicht vergessen, die bereits in ihrer Kindheit ungesunde und angstbehaftete Bindungen entwickelt haben. Derartige Bindungen sind gekennzeichnet von Unsicherheit, Unruhe, besitzergreifendem Verhalten und Co-Abhängigkeit.
Trennungsangststörung - trauriger Mann lehnt an Geländer

Behandlung einer Trennungsangststörung bei Erwachsenen

Der therapeutische Ansatz für eine Trennungsangststörung in einer Beziehung hängt stark vom Einzelfall ab. Denn es ist ein großer Unterschied, mit einem Menschen zu arbeiten, der an Bindungsproblemen leidet oder einem Menschen, der eine Borderline-Persönlichkeitsstörung hat. Dennoch hat sich die kognitive Verhaltenstherapie in einer Vielzahl der Fälle als sehr hilfreich erwiesen. Und dies aus verschiedenen Gründen:

Abschließend können wir feststellen, dass eine Trennung in keinem Fall einfach ist. Allerdings ist es wichtig, sich über diese ungesunden Extreme bewusst zu sein. Dich in eine passive Haltung zu begeben und dich von deiner Traurigkeit überwältigen zu lassen, ist die schlechteste Option. Wenn du Probleme hast, solltest du nicht zögern, dir professionelle Unterstützung zu suchen.

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