Psychosomatische Störungen und Stress

Psychosomatische Störungen entstehen in anhaltenden Stresssituationen. Daher kann eine permanente Anspannung verschiedene Körpersysteme beeinträchtigen. In unserem heutigen Artikel erfährst du, wie psychosomatische Störungen und Stress zusammenhängen und welche Auswirkungen sie haben können.
 

In unserem heutigen Artikel sprechen wir über psychosomatische Störungen und Stress. Wer kennt ihn nicht, diesen Zustand der Überaktivierung, der als Stress bezeichnet wird? Obwohl dieser Zustand stets mit unangenehmen Empfindungen assoziiert wird, ist er dennoch sehr nützlich.

Wenn der Stress aber sehr intensiv ist oder für lange Zeit andauert, kann er auch kontraproduktive Folgen nach sich ziehen. Daher sind psychosomatische Störungen und Stress auch Gegenstand zahlreicher Studien; es wurde herausgefunden, dass viele dieser Erkrankungen aufgrund von Stress entstehen.

Psychosomatische Störungen und Stress - Frau schläft am Laptop

Was ist Stress?

Professor J. Carrobles (1991) von der autonomen Universität Madrid definiert Stress folgendermaßen:

“Stress ist ein Zustand anhaltender Überaktivierung, den eine Person in verschiedenen Situationen erlebt und als übermäßig wahrnimmt. Er tritt in Situationen auf, in denen ein Subjekt wenig Kontrolle und soziale Unterstützungsressourcen zur Verfügung hat.“

Dennoch ist es erforderlich, den Begriff Stress genauer aufzuschlüsseln, da er zwei Bedeutungen hat. Es gibt den negativen Stress oder „Distress“ und den „Eustress“.

  • Distress (“dis-” = “verändert, unzureichend”):  Dies ist der Fall, wenn der Stress pathologisch ist und aufgrund extremer Situationen zu veränderten Reaktionen führt.
  • Eustress (“eus-” = “angemessen, gut”): Eustress bezeichnet einen angemessenen und notwendigen Stress. Wenn er allerdings unzureichend oder exzessiv ist, kann er zu Distress führen.
 

Was ist der Unterschied zwischen Stress und Angst?

Um den Zusammenhang zwischen Stress und psychosomatischen Störungen zu verstehen, müssen wir zunächst Stress von Angst unterscheiden. Der Grund ist der, dass bei beiden oftmals ähnliche körperliche Reaktionen auftreten.

Angst bezieht sich auf eine Gefahr. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Gefahr real ist oder durch eine Person nur als solche wahrgenommen wird. In Stresssituationen ist dies anders, denn sie müssen nicht unbedingt unangenehm oder gefährlich sein. Solange ein Mensch eine Situation nicht als gefährlich wahrnimmt, wird er normalerweise auch nicht davonlaufen, denn es ist einfacher sich damit auseinanderzusetzen.

Wenn du Angst hast, dann ist die typische Reaktion die Flucht. Diese Reaktion erfolgt aufgrund des Angst-Vermeidungs-Angst-Mechanismus. Wenn du eine Situation als gefährlich oder bedrohlich wahrnimmst, dann ist der Fluchtreflex für dich eine logische Konsequenz.

Darüber hinaus benötigst du Instrumente, um dich vor dieser Gefahr zu schützen oder dich zu verteidigen. Aber normalerweise verfügen Menschen nicht über ein solches Gefühl der Selbstwirksamkeit. Sie empfinden etwas als gefährlich, weil sie sich nicht dagegen zur Wehr setzen können.

Stress muss für längere Zeit andauern, damit er schädliche Auswirkungen hat. Wenn du Angst hast, dann genügt es bereits, wenn du für kurze Zeit dieses Gefühl empfindest, um bereits negative Konsequenzen dadurch zu erfahren. Das liegt vor allem daran, dass das soziale und emotionale Funktionieren einer Person innerhalb kurzer Zeit durch Angst beeinträchtigt werden kann.

 

Psychosomatische Störungen und Stress: Welcher Zusammenhang besteht?

Der Begriff “Homöostase” setzt sich aus homo = “Rückkehr zu” und stasis = “Gleichgewicht” zusammen und beschreibt die Rückkehr zum körperlichen Gleichgewicht. Alle Menschen haben eine innere Umgebung und Vitalfunktionen, welche nach Ausgleich und Gleichgewicht streben. Daher ergreift das gesamte System verschiedene Maßnahmen, um mögliche auftretende Ungleichgewichte zu beseitigen.

Wenn du dich nicht im Zustand der Homöostase befindest, wirst du Stress erfahren. Wenn du bewusste Strategien einsetzen musst, weil die Mechanismen nicht automatisch funktionieren, dann ist es ganz normal, dass du diesen ausgeglichenen Zustand nicht erreichen kannst. Stattdessen gerätst du in die sogenannte „Hämokinese“, einen Zustand des Ungleichgewichts.

Die physiologischen Reaktionen auf Stress

Obwohl dir sicherlich bekannt ist, dass Stress zu Reizbarkeit, Apathie, Ängsten und Wut führen kann, kann er darüber hinaus auch zu physiologischen oder körperlichen Reaktionen führen, die du vielleicht gar nicht bemerkst. Und genau diese unbemerkten Reaktionen sind von entscheidender Bedeutung für den Zusammenhang, den psychosomatische Störungen und Stress haben.

Wenn du diese aufgrund einer anhaltenden Stresssituation für längere Zeit unbemerkt erleidest, können sich daraus unter anderem auch psychosomatische Störungen entwickeln.

 

Die physiologischen Reaktionen auf Stresssituationen treten aufgrund verschiedener Körpersysteme wie dem autonomen Nervensystem und dem zentralen Nervensystem auf.

Somatisches Nervensystem

Bei der physiologischen Reaktion auf Stress ist das somatische System für die elektromyographische Reaktion verantwortlich. Das ist die elektrische Aktivität, die durch die Skelettmuskulatur erzeugt wird, beispielsweise Augenbewegungen und die Atmung.

Daher kann es bei Stress zu einem erhöhten Blutfluss in große Muskelgruppen wie Rücken, Arme und Beine kommen. Darüber hinaus kann auch eine allgemeine Muskelverspannung auftreten.

Psychosomatische Störungen und Stress - erschöpfter Mann sitzt auf einem Bett

Vegetatives Nervensystem

Die Stressreaktionen, die von diesem System erzeugt werden, beziehen sich auf das kardiovaskuläre System: Herzschlag, Blutdruck und Blutfluss. Darüber hinaus regulieren sie auch die Körpertemperatur, sexuelle Erregbarkeit und elektrodermale Reaktionen, also die Hautleitfähigkeit und ihre leitende Reaktion. Außerdem kommt es zu Speichelfluss und gastrointestinalen Reaktionen.

Wenn du Stress erleidest, kann dies zu einer Erhöhung deines Herzschlages und deiner Nierenaktivität, peripherer Vasokonstriktion in deinen Händen und Füßen und zu einem Anstieg des Blutgerinnungsfaktors führen.

Psychosomatische Störungen und Stress: Das zentrale Nervensystem

In deinem zentralen Nervensystem treten elektroenzephalographische und evozierte Reaktionen auf.

Darüber hinaus reagieren auch die endokrinen und biochemischen Körpersysteme auf Stress. Diese Reaktionen können zu verschiedenen hormonellen Veränderungen und anfänglich zu einem Anstieg der immunologischen Aktivität führen, die allerdings im weiteren Verlauf abnimmt.

 

Körpersysteme, die durch Stress deaktiviert werden

Wie dies auch bei Angststörungen passiert, werden bei Stress einige Körperfunktionen deaktiviert, da sie nicht hilfreich sind. Bei einer Panik- oder Angstattacke werden diese Systeme entweder deaktiviert oder reaktiviert. In andauernden Stresssituationen könnten sie allerdings die Gesundheit der betroffenen Person beeinträchtigen.

Der Blutzufluss in den Verdauungstrakt reduziert sich, was zu möglichen Problemen wie Geschwüren, Kolitis und Reizdarmsyndrom führen könnte. Darüber hinaus könnte sich die verminderte Blutzufuhr auch auf das genito-sexuelle System auswirken, denn Stress führt häufig zu sexueller Dysfunktion in Bezug auf die Erregung, Erektion, Befeuchtung und Schwellung der Organe.

Wie entstehen psychosomatische Störungen aufgrund von Stress?

Psychosomatische Störungen sind physiologische Erkrankungen, die eine psychische Ursache haben. Grundsätzlich sollte sich Stress nicht negativ auf das Wohlbefinden eines Menschen auswirken. Allerdings kann er tatsächlich zu einigen sehr unangenehmen Erkrankungen und den damit verbundenen Symptomen führen.

Diese Erkrankungen sind auch der Beweis für den Einfluss des „Geistes“ auf das Wohlbefinden deines Körpers. Obwohl viele Menschen etwas anderes denken, gehen sie immer Hand in Hand und sind sehr eng miteinander verbunden.

Wie wir bereits eingangs erwähnt haben, ist Stress an sich nicht unbedingt etwas Schlechtes. Wenn sich der Stress allerdings in Distress verwandelt und er folgende Merkmal aufweist, besteht das Risiko, dass er dein psychophysiologisches Wohlbefinden beeinflussen wird.

Psychosomatische Störungen und Stress - Frau mit Kopfschmerzen

Psychosomatische Störungen durch Stress: Welche Faktoren tragen zu ihrer Entstehung bei?

Die Faktoren, die psychophysiologische Störungen aufgrund von Stress verursachen, sind nachfolgende:

  • Häufige oder länger andauernde Exposition gegenüber Reizen und Stresssituationen. Wenn Menschen sich nicht aus Stresssituationen befreien können, wird sich die Situation nur noch weiter verschlimmern. Der erste Schritt zur Entwicklung einer psychosomatischen Störung erfolgt, wenn du Probleme nicht schnell lösen kannst oder dich lange in einem sehr stressbehafteten Umfeld aufhältst, ohne diesem entkommen zu können.
  • Länger andauernde Aktivierung der physiologischen Muster, die durch den Stress verursacht werden. Jeder Mensch hat ein unterschiedliches Stressprofil und deine physiologische Aktivierung unterscheidet sich von der anderer Menschen. Das hatten wir bereits erklärt. Daher werden auch die psychosomatischen Symptome je nach deiner individuellen Reaktion auf den Stress unterschiedlich ausfallen.
  • Übermäßige Sensibilisierung oder Aktivierung der Organe beim Auftreten von Stress. Sobald du dich in einer extrem stressigen Situation befindest, ist es ganz normal, dass dein Körper empfindsam darauf reagiert. Daher wirst du dich dann auch wesentlich schneller gestresst fühlen.
  • Veränderung des homöostatischen Regulationsmechanismus. Wenn du einen bestimmten Stresslevel erreicht hast, treten diese Veränderungen leichter auf. Das liegt daran, dass du dann auch eine niedrigere Toleranzschwelle für diese Reize hast.
  • Chronische Funktionsänderungen des organischen Systems und auch das Auftreten einer stressbedingten psychophysiologischen oder psychosomatischen Störung.
 

Psychosomatische Störungen und Stress: Hilfs- und vorbeugende Ressourcen

Häufig kannst du dich nicht aus einer stressigen Situation befreien und musst dich im Laufe der Zeit damit arrangieren. Dennoch gibt es einige Ressourcen, die dir dabei helfen können, den Stress zu reduzieren, um zu vermeiden, dass du eine psychosomatische Störung entwickeln könntest.

Bei anhaltendem Stress kannst du folgende Ressourcen nutzen, um die Auswirkungen von Stress abzumildern:

  • Dein soziales Netzwerk und soziale Unterstützung durch Familie, Freunde und Kollegen. Daher ist es wichtig, dass du darauf achtest, dass du genügend soziale Ressourcen zur Verfügung hast und deine sozialen Beziehungen und dein Umfeld pflegst. Ein starkes soziales und familiäres Netzwerk ist ein wichtiger Faktor, wenn du dich vor den negativen Konsequenzen von Stress schützen willst.
  • Aktivität und körperliche Betätigung
  • Hobbys
  • Kulturelle Unternehmungen
  • Darüber hinaus ist auch die Ernährung ein sehr wichtiger Faktor. Daher solltest du Früchte und Gemüse, die viel Tryptophan enthalten, regelmäßig zu dir nehmen, denn sie haben eine antidepressive Wirkung.

Wie du siehst, gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen psychophysiologischen Erkrankungen und Stress. Daher solltest du unbedingt darauf achten, dass dein Körper die Homöostase erreicht, wenn du dich in einer Stresssituation befindest. Zur Aufrechterhaltung deines Wohlbefindens auch in stressigen Zeiten ist dies von entscheidender Bedeutung.