Trennungsangst – Wann wird sie zum Problem?

10. Juli 2018 en Emotionen 0 Geteilt
Trennungsangst - Knabe mit Teddybär klammert sich an Erwachsenen

Trennungsangst ist eine Emotion, die wir in der Regel bei Kindern vermuten, aber viele Erwachsene erleben sie auch. Für viele Kinder ist jede Trennung schwierig und provoziert Leid und Tränen. Und wenn das von den Eltern nicht richtig gehandhabt wird, kann es schwerwiegende Folgen haben, wie z. B. vermehrte Unsicherheit in der Pubertät. Diese Unsicherheit könnte sogar in spätere Lebensphasen ausstrahlen. Bei Erwachsenen wird normalerweise angenommen, dass das Problem seine Ursache in dessen Kindheit habe. Aber das ist nicht immer der Fall: Es kann in jedem Moment des Leben entstehen.

Trennungsangst ist definiert als das Gefühl übermäßiger Angst, dass aufkommt, wenn man von zu Hause oder von Menschen getrennt ist, zu denen eine starke emotionale Bindung besteht. Dazu gehören z. B. Eltern, Großeltern, Geschwister und Kinder. Die Symptome können mild oder sehr stark sein und sind bei Kindern und Erwachsenen ähnlich. Trennungsangst manifestiert sich als Angst davor, sich von seinem Partner, seinen Kindern, seinem Arbeitsplatz oder etwas, das einen hohen emotionalen Wert hat, zu trennen. Es kann sehr anstrengend für den Betroffenen sein, aber auch für die „Objekte der Verbundenheit“. Oftmals reflektiert oder verstärkt sie eine bereits bestehende Abhängigkeit.

„Mögest du frei sein, einen Weg zu gehen, ohne das Bedürfnis, dessen Ziel zu kennen, noch die fieberhafte Angst, sicher zu sein, dass du in eine Richtung gehst, die ich gewollt hätte.“

Margaret Mead

Wie bei allen Angststörungen, in der Kindheit oder im Erwachsenenalter, ist es sehr wichtig, eine Behandlung der Trennungsangst vorzunehmen. Nur in seltenen Fällen verschwindet sie von allein. Sie neigt dazu, zu wachsen, sich in andere Lebensbereiche vorzukämpfen und andere Formen der Angst zu fördern. Dazu gehören Agoraphobie und Panikstörungen.

Knabe kuschelt mit Teddybär

Das zugrunde liegende emotionale Konstrukt ist komplex und braucht Jahre, um sich zu entwickeln, und einen Experten, um es wieder abzubauen. Die empfohlene Behandlung ist die Psychotherapie. Aber noch besser ist es, vorzubeugen. Wir hoffen, die Informationen, die du in diesem Artikel erhältst, und die Werkzeuge, die wir dir vorstellen, werden dir helfen, das Entstehen von Trennungsangst zu verhindern. Wir leiten dich an, die Warnzeichen zu erkennen, falls die Trennungsangst gerade erst aufzukommen beginnt.

„Angriffe auf unser Selbstwertgefühl oder die Vorstellung, die wir von uns selbst haben, erzeugen oft viel mehr Angst als Bedrohungen unserer körperlichen Integrität.“

Sigmund Freud

Es ist eine normale Phase

Gewisse Trennungsängste sind in bestimmten Entwicklungsphasen normal und üblich. Im Alter von 8 bis 14 Monaten beginnen Babys, denen bisher das Gefühl der Gefahr fehlte, sich vor Fremden oder neuen Orten zu fürchten. Diese „Normalphase“ ist Ausdruck einer natürliche Anpassung, die Kindern hilft, ihren Platz in ihrer Umgebung zu finden.

In der Regel nimmt diese Trennungsangst erheblich ab oder verschwindet im Alter von etwa zwei Jahren ganz. Kinder in diesem Alter verstehen, dass ihre Eltern ab und zu das Haus verlassen müssen, aber wiederkommen werden. Und umgekehrt gilt dasselbe. Diese neue Sicherheit gibt ihnen den Mut, die Welt zu erkunden.

Das bedeutet nicht, dass Kinder in bestimmten ungewohnten Momenten nicht ein gewisses Maß an Angst erleben könnten. Eine solche Angst wird wahrscheinlicher, wenn sie für längere Zeit von ihren Eltern getrennt waren, wenn sie mit einem Krankenhausaufenthalt, einem Schulwechsel o. Ä. konfrontiert sind.

Trennungsangst weckt viele Emotionen

In solchen Situationen können Eltern vielfältige Emotionen erleben. Da ist das Gefühl des Wohlbefindens wegen der Bindung, die das Kind zu ihnen erschaffen hat. Oder auch Schuldgefühle, weil sie sie bei Fremden zurücklassen müssen. Es ist auch normal, sich wegen der Aufmerksamkeit und Zeit, die das Kind fordert, erschöpft oder überfordert zu fühlen.

„Keine Leidenschaft beraubt den Verstand so effektiv all seiner Kräfte wie die Angst.“

Edmund Burke

Die Tatsache, dass dein Kind nicht will, dass du gehst, ist ein gutes Zeichen für eine gesunde Bindung. Das gilt natürlich, solange dieses Verlangen nicht einer großen Angst weicht. Eine gesunde Bindung bedeutet Vertrauen. Dein Kind vertraut darauf, dass du zurückkommst, wenn du gehst, und das ist genug, um es während deiner Abwesenheit ruhig zu halten. Eine pathologische Bindung besteht, wenn das Kind die ganze Zeit über Bestätigung und Sicherheit braucht und wenn es nicht die Fähigkeit hat, sich neuen Situationen zu stellen.

Das ist eine schwierige Etappe. Allerdings sollte die Angst mit der Zeit und mit viel Geduld und Kraft verschwinden. Auf der anderen Seite, wenn du jedes Mal quer durch das Haus rennst, wenn dein Kind anfängt zu weinen, oder du alle deine Pläne für es absagst, ist es wahrscheinlich, dass es ihre Fähigkeiten verfeinern wird: Weil es sich bewusst wird, dass es die Macht hat, diese Trennung zu vermeiden.

Kind an der Hand eines Erwachsenen

Vorausplanen und ausprobieren – zwei wichtige Konzepte

Wenn du planst, dein Kind zur Kindertagesstätte zu bringen, dann wirst du wahrscheinlich auf die Trennungsangst stoßen, auf die wir uns beziehen. Kinder im Alter von bis zu einem Jahr sind dafür besonders empfindlich. Wenn du die Möglichkeit hast, übe die Trennung, indem du das Kind an neue Orte bringst oder es für kurze Zeit bei einem Verwandten oder Betreuer lässt. Tue dies immer öfter, bis die Zeit kommt, das Kind in der Kindertagesstätte zu lassen. Übt dabei zu Zeiten, in denen dein Kind nicht müde, unruhig oder hungrig ist, nachdem es gegessen oder ein Nickerchen gemacht hat. Denke daran, dass es nur ein Kind ist, und es viel besser ist, Veränderungen einzuführen, wenn die Grundbedürfnisse befriedigt sind.

Vor der Einschreibung in eine Kindertagesstätte solltet ihre diese besuchen. Und wenn möglich, schrittweise eine Anpassung vornehmen. Zuerst geht das Kind also nur für ein paar Stunden, und dann kannst du langsam anfangen, die Zeit, die es von den Eltern getrennt ist, zu erhöhen.

Kohärenz, Ruhe und das Einhalten von Versprechen

Wenn du dein Kind in eine bestimmte Tagesstätte bringst, dann deshalb, weil du den Profis vertraust, die dort arbeiten. In diesem Sinne solltest du versuchen, mit dieser Entscheidung kohärent zu sein. Lass sie dir helfen, die Trennung zu bewältigen, indem du ihren Ratschlägen folgst. Behalte im Hinterkopf, dass sie viel Erfahrung im Umgang mit dieser Art von Problem haben und das Beste für dich und dein Kind wollen.

„Es gibt nichts Charakteristischeres für den Fortschritt vom Tier zum Menschen, als die Reduzierung berechtigter Anlässe, Angst zu empfinden.“

William James

Bleibe ruhig und versuche, deinem Kind Ruhe und Vertrauen zu vermitteln. Erkläre ihm, wann du zurück bist, indem du Konzepte erklärst, die es versteht. Zum Beispiel „nach dem Mittagessen“, „nach dem Mittagsschlaf“ etc. Du kannst ein Abschiedsritual kreieren, bei dem der „Abschied“ ein warmer, angenehmer und liebevoller Akt ist. Ein Moment, in dem du ihm deine ganze Aufmerksamkeit widmest.

Kind und Mutter umarmen einander

Für dein Kind da sein

Komm zurück, wenn du es versprochen hast. Auf diese Weise wirst du das Vertrauen, das dein Kind in dich hat, stärken und ihm helfen, den Stress besser zu überwinden. Sei pünktlich, besonders während des Anpassungsprozesses. Auch wenn Kinder kein sehr klares Zeitgefühl haben, werden sie feststellen, dass die anderen Kinder abgeholt werden und sich vielleicht besorgt fühlen, wenn ihre Eltern nicht gekommen sind.

„Besorgnis beseitigt nicht den Schmerz von morgen, sie schwächt die Kraft von heute.“

Corrie ten Boom

Wenn es Zeit ist, sich zu verabschieden, dann beeile dich nicht, auch wenn du siehst, dass es deinem Kind gut geht, denn das könnte dazu führen, dass es sich verlassen fühlt. Gehe erst, wenn du dich richtig verabschiedet hast. Aber verlängere den Abschied auch nicht unnötig. Diese Haltung würde das Gefühl verstärken, dass die Kindertagesstätte ein schlechter Ort wäre.

Es ist nicht üblich, dass die Trennungsangst über lange Zeiträume andauert. Wenn du dir Sorgen machst, dass dein Kind sich nicht daran gewöhnt, ohne dich zu sein, konsultiere einen Experten. Bedenke, dass du die Situation auch unangemessen handhaben könntest. Möglicherweise benötigst du auch deshalb die Hilfe eines Spezialisten.

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