Schuldgefühle nach der Trennung

· 4. Juni 2018

Schuldgefühle nach der Trennung und Zweifel darüber, wie man mit ihnen umgehen soll, werden von vielen Menschen als logische Konsequenz der Entscheidung, die getroffen wurde, angesehen. Die Entscheidung nämlich, die Initiative zu ergreifen und den letzten Schritt zu tätigen, um die Mauern einzureißen, die uns vom Leben trennen.

Vielleicht hast du diese Situation selbst auch schon erlebt und hattest Zweifel daran, ob du ihn gehen solltest, diesen letzten Schritt, aber endlich … hast du es getan. In dem Wissen, dass du dich selbst zum Henker der Beziehung machst, die deine Erwartungen nicht länger erfüllt. So viele Versprechen, so viele Träumen, so vielen Hoffnungen.

Vielleicht hast du dich hinterher so gefühlt, als wärst du verantwortlich für den Schmerz deines Ex-Partners, für seine Traurigkeit, und vielleicht sogar für seine Zukunft! Vielleicht haben dich diese Schuldgefühle nach der Trennung auch dazu veranlasst, einen Schritt zurückzugehen und die Beziehung wieder einzugehen. Und dann zwei Schritte nach vorn, um wieder schluss zu machen. Ein Teufelskreis der Selbstzerstörung, der dich noch bitterer macht, als es dein Leben, bevor du dich in der aufgewärmten Beziehung wiederfandest, getan hat.

„Er wird sich schrecklich fühlen. Ich habe ihn so sehr leiden lassen. Ich war sein ein und alles. Was, wenn ich einen Fehler gemacht habe?“  Klingt das nach deinen Gedanken? In Wahrheit ist die Person, die schluss macht, oft mit Vorurteilen und einer Art von Hass gegenüber sich selbst erfüllt, die nicht der Realität entsprechen. Stattdessen basieren sie auf vorgefertigten Ideen zum Thema Beziehung. Diese verstärken ihre Schuldgefühle nach der Trennung noch. Und bestärken auch die innere Stimme, die die Gründe für das Aus der Beziehung ignoriert.

Schuldgefühle nach der Trennung ziehen Grenzen und lassen uns nicht weitergehen

„Du wirst derjenige sein, der am Unglück beider schuld ist, wenn du gehst. Warte doch noch etwas ab. Vielleicht musst du einfach akzeptieren, dass du nicht immer glücklich sein kannst. Erhalte die Beziehung, weil er leiden wird, wenn du ihn verlässt.“  So in etwa klingt der unaufhörliche innere Dialog von jemandem, der darüber nachdenkt, eine Beziehung zu beenden.

Traurige und verzweifelte Frau sitzt mit gesenktem Kopf da

Die Angst, dass die andere Person leiden müsste. Die ungesunde und nicht gerechtfertigte Angst, dass du für ihr Wohlergehen verantwortlich seist, veranlasst dich dazu, in einer Beziehung zu bleiben, die nicht funktioniert. Sie versetzt dich in den Standby-Modus, in dem du nicht tust, was du möchtest, aus Angst, den Partner zu verletzen. So vergeht die Zeit. So kann dein ganzes Leben vergehen.

Das sind die Schuldgefühle, die über Kulturen hinweg existieren. Auf einem fehlerhaften Denkprozess beruhend, fühlen wir uns für das Leben einer anderen Person verantwortlich. Für ihren Schmerz und ihre Freude. Andererseits tendieren wir dazu, wenn wir diejenigen sind, die verlassen werden, unser Leid der Person in die Schuhe zu schieben, die uns gegangen ist. Unser Unglück soll deren Schuld sein. Wenn uns die Person, die wir lieben, sagt, sie wolle nicht mehr mit uns zusammen sein, dann ist sie für den Schmerz verantwortlich, den wir fühlen, nicht wahr?

Wer schluss macht, muss nicht den Schmerz des Partners ertragen

Es ist eine Sache, dass mit der Trennung Leid aufkommt. Es ist eine ganz andere, wenn wir uns, weil wir schluss gemacht haben, für das Leiden des Ex-Partners verantwortlich fühlen. Das Leben ist voller Freude und Schmerz, Unsicherheit und Sicherheit. Es gibt kein Schwarz ohne Weiß, kein Weiß ohne Schwarz.

Schwarz-Weiß-Foto einer Frau, die sich die Faust vor den Mund hält und verzweifelt ist

Wir dürfen es niemandem erlauben, uns für seine Existenz verantwortlich zu machen. Wenn wir dies tun, nehmen wir uns die Fähigkeit, zu handeln. Wir wären niemals in der Lage, eine Entscheidung zu treffen, weil sie immer einen Einfluss auf die Menschen um uns herum hat – und sich nicht auf alle positiv auswirkt. Wir würden immer in der Stagnation leben – aus Angst, das zerbrechliche Gleichgewicht, das wir etabliert haben, zu zerstören.

Wenn ich mich nicht bewege, werde ich keiner anderen Person Leid zufügen. Aber wenn ich mich nicht bewege, kann ich nicht leben.
Wenn ich keine Entscheidungen treffe, kann ich die Welt nicht erkunden, nicht die äußere und nicht meine innere.

Auf diese Weise hören wir auf, authentisch zu sein. Wir hören auf, unseren Zielen zu folgen. Letztendlich lassen wir das Leben an uns vorbeiziehen.

Das Leben hat Konsequenzen

Tatsächlich gehen wir wegen der Schuldgefühle nach der Trennung oft zurück. Wir versuchen, die kaputte Beziehung zu flicken, um den Schuldgefühlen zu entgehen, ohne daran zu glauben, dass wir Erfolg haben könnten. Wir verschieben das Leben auf später. Sollen es jene genießen, die mutig genug sind und die mentale Stärke besitzen, etwas zu unternehmen und mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu leben.

Frau sitzt im Zug und starrt aus dem Fenster

Diese Einstellung hindert uns daran, Erfahrungen zu sammeln. Erfahrungen, die notwendig sind, um zu wachsen, zu lernen, erwachsen zu werden. All unsere Erfahrungen verleihen unserem Wachstum Qualität. Das Leiden ist Teil des Lebens und niemand kann uns etwas nehmen, das Teil unseres Daseins ist. Besonders nicht aufgrund einschränkender Schuldgefühle, die auf vollkommen falschen Denkmustern basieren.

Lass deswegen Schuldgefühle nach der Trennung nicht das sein, was dich zum Bleiben bewegt, wenn es nicht das ist, was du tun möchtest. Dein Ex-Partner verdient es genau wie du, dass du zu ihm ehrlich bist.