Teenagerismus – Eine „Krankheit“, die Millionen von Teenagern befällt

· 20. Oktober 2018

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Geschichte in den sozialen Medien. Eine Jugendliche bat ihre Mutter, eine Entschuldigung zu schreiben, da der Teenager zu spät zur Schule gekommen war. Die Mutter, wahrscheinlich erst überrascht von der Dreistigkeit der Tochter, wurde kreativ. Sie rechtfertigte die Verspätung ihrer Tochter mit einer Krankheit, die sie als „Teenagerismus“ bezeichnete.

Die Mutter, Nicole Poppic, veröffentlichte ihre Entschuldigung in den sozialen Netzwerken und merkte dazu an: „Das passiert, wenn du wegen deiner eigenen schlechten Entscheidungen zu spät kommst und mich dann bittest, eine Entschuldigung für dich zu schreiben.“

Die Entschuldigung, die Nicole für ihre Tochter Cara schrieb, lautete: „Cara hat sich heute Morgen aufgrund eines Zustandes, der als Teenagerismus bekannt ist, verspätet. In unserem wundervollen Land sind viele Jugendliche betroffen und es gibt kein Heilmittel. Die Symptome sind zahlreich, aber an diesem besonderen Morgen litt Cara unter der Unfähigkeit, sich aus ihrem Bett zu erheben, und sah sich auch gezwungen, ihrer Erzeugerin Kontra zu geben. Cara scheint plötzlich genesen zu sein, nachdem sie beobachtet hat, wie ihr Handy aus dem Autofenster geflogen ist. Bitte rufen Sie mich an, wenn sich die Symptome erneut zeigen. Vielen Dank.“

„Die Reifezeit ist wie eine neue Geburt, denn die höheren und vollständigeren menschlichen Eigenschaften werden jetzt ausgebildet.“

Stanley Hall

Ein Mädchen schaut genervt, während ihre Mutter es ausschimpft.

„Teenagerismus“ ist der Beginn einer Metamorphose

Der Psychologe Stanley Hall gilt als Pionier in der Erforschung der Adoleszenz, einer Entwicklungsstufe, die wir alle durchlaufen müssen. Hall beschrieb die Jugend als eine zweite Geburt. Man erlebe eine Rekapitulation von infantilen Erfahrungen mit zusätzlichen Krisen und Lektionen.

Adoleszenz bezeichnet die Altersspanne von ungefähr 12 bis 20 Jahren. Dieser Zeitraum läutet eine große Anzahl von Veränderungen ein – nicht nur physischer, sondern auch kognitiver, emotionaler und existenzieller Natur. Aufgrund dieser Veränderungen beginnt der Teenager, sich zu fragen, wie die Welt funktioniert und welche Rolle er in dieser Welt einnehmen soll. In vielerlei Hinsicht ist dies eine totale Transformation. Jungen und Mädchen fahren auf einer psychologischen Achterbahn, die ihr rebellisches Verhalten erklärt.

Viele Eltern stellen sich dazu dieselbe Frage: Wenn Teenager die Fähigkeit entwickelt haben, wie ein Erwachsener zu denken, warum handeln sie dann nicht wie Erwachsene? Die Antwort ist einfach: kognitive Reife und emotionale Reife gehen nicht immer Hand in Hand.

Ein Teenager im Marmeladenglas schaut nachdenklich in den Himmel.

Wegen ihres Verhaltens werden Teenager immer noch als emotional unreif angesehen. Ihr inkonsistentes, explosives und temperamentvolles Verhalten dient den Jugendlichen als Selbstverteidigungsmechanismus. Dies sind also Verhaltensweisen, die symptomatisch für den Teenagerismus sind. Wir sollten jedoch berücksichtigen, dass kognitive und intellektuelle Reife Teenager durchaus dazu bringt, ihre eigenen Identität und Persönlichkeit zu entwickeln.

Normalerweise entwickelt der Jugendliche eine emotionale Kapazität, die der von Erwachsenen entspricht. Aber, obwohl er diese Emotionen erfährt, hat er noch nicht den Erfahrungshorizont eines Erwachsenen. Das bedeutet, dass er einer neuen emotionalen Welt ausgesetzt ist, die mit voller Wucht auf ihn einschlägt. Diese muss erst analysiert und verarbeitet werden.

Diese neuen Gefühle sind so überwältigend, dass Teenager die meisten Emotionen, die sie fühlen, nicht verstehen können. All diese Erfahrungen helfen ihnen jedoch, das komplexe Gebilde, bestehend aus Emotionen, Gedanken, Handlungen und Situationen, besser zu verstehen.

Eine Mutter redet mit ihrer Tochter.

3 Faktoren, die die komplexe Familiendynamik in der Adoleszenz erklären

Millionen Eltern auf der ganzen Welt können sich mit dem Phänomen des Teenagerismus identifizieren. Das eigensinnige und herausfordernde Verhalten des jugendlichen Sohnes oder der Tochter erscheint ihnen wie eine Rebellion gegen alle Normen, die von ihnen oder der Gesellschaft eingeführt wurden. Wir sollten uns jedoch daran erinnern, dass diese Zeit auch für den Teenager verwirrend ist. Obwohl er ständig auf der Suche ist, sich neu erfindet und verändert, ist Stabilität zunächst nicht absehbar.

Die Komplexität von Familienbeziehungen während der Adoleszenz bezieht sich auf drei Kategorien, wobei individuelle Variationen bestehen können:

1. Konflikte mit den Eltern und die Suche nach der eigenen Rolle in der Gesellschaft

Es gibt eine bestimmte Phase in der Adoleszenz, in der wir Jugendliche wie Kinder behandeln, aber sie auch bitten, sich wie Erwachsene zu verhalten. Das wirkt sich negativ auf das Selbstbild des Teenagers aus, ruiniert sein Bild von Reife und Selbstvertrauen und erweitert nur den Konflikt mit der Gesellschaft.

Dieses Phänomen wird als Desynchronisation bezeichnet. Es bezieht sich darauf, dass Teenager immer früher reifer werden, während ihre Integration in die Arbeitswelt der Erwachsenen immer länger dauert. Dies trägt dazu bei, den Teenagerismus zu verlängern und kann Familienkonflikte verschärfen.

Eine Zeichnung eines nachdenklichen Mädchens.

2. Stimmungsschwankungen

Die Adoleszenz verläuft emotional turbulent. Die charakteristischen Stimmungsschwankungen können abrupt, negativ, extrem und häufig auftreten. Teenager berichten daher öfter als Kinder oder Erwachsene, dass sie während eines Tages negative Emotionen empfinden.

Darüber hinaus können diese Jahre noch intensiver und negativer wahrgenommen werden, wenn der Teenager in der Schule nicht beliebt ist. Es kann auch Probleme geben, wenn er schlechte Noten schreibt oder es zu Hause Probleme gibt, wie zum Beispiel eine kürzlich erfolgte Scheidung.

3. Risikoverhalten

Jugendliche haben eine Neigung, gegen den Strom zu schwimmen. Daher können sie sich leicht in illegale oder gefährliche Aktivitäten verstricken. Im Gegensatz zu familiären Konflikten und Stimmungsschwankungen tritt risikoreiches Verhalten jedoch eher in der späten Adoleszenz auf.

Teenager sind impulsiv und ständig auf der Suche nach neuen Sinneseindrücken. Diese beiden Faktoren, zusammen mit den bereits erwähnten Punkten, helfen uns, zu verstehen, wie kritisch dieser Zeitraum ist. Jugendliche benötigen Aufsicht und Anleitung – aus einer vernünftigen Distanz heraus und zugeschnitten auf ihre Umstände – durch verantwortungsbewusste Erwachsenen.

Da die Pubertät das Stadium ist, in dem Jugendliche ihre Umgebung verarbeiten und verinnerlichen, müssen wir diese sorgfältig gestalten. Es gibt leider keine Zauberformel, die uns durch diese Zeit helfen kann. Obwohl es seltsam erscheinen mag, muss sich die ganze Familie auf die Pubertät vorbereiten und anpassen, ganz genau so, als würde ein neues Familienmitglied unter unserem Dach Einzug halten.