Persönliche Krisen sind die besten Wegweiser für unsere Gefühle

16, März 2017 en Emotionen 278 Geteilt

Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich falle und mich zerstört am Boden wiederfinden werde. Und dann denke ich, wenn ich stärker als all das bin, wenn ich zuvor schon Schlimmeres überstanden habe, wenn es meiner Freundin schlechter geht und sie trotzdem immer optimistisch ist, dann werde ich das doch auch überstehen, aber die Realität sieht anders aus: Wir sind Wesen, die von ihren Gefühlen geleitet werden. Ab und an gestehe ich mir ein, dass es mir nicht gut geht und dass das nicht unbedingt etwas Rationales sein muss. Und ich weine, ich weine sehr in der Hoffnung, dass die Tränen meine Wunden heilen lassen. Das erhoffe ich mir auch von Eis oder Umarmungen, und tatsächlich tun sie das auch hin und wieder.

Doch andere Male gibt es nichts, das diese innere Unruhe, die ich tief in meinem Inneren verspüre, beruhigen könnte. Und ich versichere meinen Liebsten, dass es nicht ihre Schuld sei und sie nichts dagegen tun könnten, außer da zu sein, was manchmal mehr hilft als irgendetwas anderes. Ich bin frustriert und das macht mich wütend, da wir Psychologen wie Topographen arbeiten, die Landkarten erstellen, damit andere Menschen den Weg zu ihrem Glück finden. Das bedeutet allerdings nicht notwendigerweise, dass wir sie für uns selbst zeichnen können. Denn wie sagt der Volksmund so schön: „Der Schuster trägt die schlechtesten Schuhe.“

Ist es dir auch schon einmal so ergangen?

Was sind Meta-Emotionen?

Meta-Emotionen sind Emotionen, die als Anerkennung für andere Emotionen entstehen, z.B. wenn du dich schuldig fühlst, weil du deinen Freund verärgert hast. Hast du wirklich einen Grund dafür, dich so zu fühlen? Wenn deine Antwort nein lautet, dann machst du schon alles richtig und du müsstest den Artikel im Grunde genommen nicht weiterlesen. Aber die Mehrzahl von uns müsste die Frage wohl bejahen, zugeben, dass wir uns so fühlen. Wenn das auch bei dir der Fall ist und du wissen möchtest, was du hinsichtlich dessen tun kannst, werden wir dir im weiteren Verlauf des Artikels erklären, wie du diese Art von Emotionen identifizieren und mit ihnen umgehen kannst.

Für gewöhnlich bringt ein Gefühl noch andere mit sich. Das eigentliche Problem ist, diese Meta-Emotionen nicht identifizieren und kanalisieren zu können, wenn diese immer mehr unser Leben und unsere gewöhnlichen Verhaltensweisen dominieren. Das ist bei vielen Familienmüttern und -vätern der Fall, dass sie sich schuldig fühlen, weil sie das Gefühl von Glück verspüren.

Wovon ist hier die Rede? Familien, die schwere Krisenzeiten durchmachen mussten, haben sich daran gewöhnt, mehr zu überleben als zu leben und deshalb ist die Freizeit für sie absolut entbehrlich, vor allem wenn es da noch Kinder gibt. Was resultiert daraus? Dass sich die wichtigsten Bezugspersonen in diesen Familien selbst keinen Freiraum gewähren, um abzuschalten (zu einem Fußballspiel mit Freunden zu gehen, einen Kaffee mit Arbeitskollegen zu trinken etc.) oder einem Bedürfnis nicht nachkommen wollen (wie beispielsweise sich Zeit für sich zu nehmen oder zum Friseur zu gehen), weil es „andere Prioritäten gibt“. Und falls sie sich wider Erwarten doch dazu durchringen können, fühlen sie sich häufig schuldig, weil sie Spaß haben. Dasselbe passiert auch in Familien, in denen ein Familienmitglied erkrankt ist.

Die natürliche Krise

Die Lektionen dieser Erfahrungen waren nicht angenehm, doch das, was wir lernen, ist positiv. Ich bezeichne sie als „natürliche Krisen“. Das sind all diese negativen und schmerzlichen, aber unvermeidbaren Ereignisse im Leben, die uns verändern. Sie verändern uns aber auf jeden Fall positiv. Manchmal scheint es so, als würde uns das Leben auf die Probe stellen und dann fragen wir uns Dinge wie: „Was hab ich nur getan, dass ich das verdiene?“

Am schlimmsten daran ist, dass es darauf oftmals keine Antwort gibt. Du hast nichts getan, womit du verdienen würdest, dass ein Familienmitglied erkrankt, dir nach jahrelanger, treuer Arbeit gekündigt wird oder du einen schlimmen Verkehrsunfall hast. Und danach bist du einfach nicht mehr derselbe Mensch und du weißt außerdem nicht, wie du mit diesem „neuen Ich“ weitermachen sollst. Ein neues Ich, das von anderen, von deinem Umfeld wahrgenommen wird, weil du dich nun anders als zuvor verhältst. Der Schmerz ist immer noch da, doch er ist zu einem Teil von dir geworden. Du hast ihn verinnerlicht und du weißt, dass er nicht wieder fortgehen wird, aber gleichzeitig bist du dazu fähig, das Gute an der Misere zu sehen und deshalb fühlst du dich gut.

Es sind natürliche Krisen, weil du sie nicht vorhersehen konntest, sie alles erschüttert haben, was du gekannt hast und was jetzt Geschichte ist. Noch immer ist diese Narbe, die der Schmerz hinterlassen hat, spürbar. Wir alle haben unsere ganz eigenen natürlichen Krisen. Und ich möchte dir sagen, dass niemand davon verschont bleibt, du jedoch derjenige bist, der darüber entscheidet, was er tut, wenn solch eine Krise eines Tages kommt.

Im Jahr 2011 wurden innerhalb von sechs Minuten viele Menschen weltweit in eine persönliche Krise gestürzt. Der Tsunami in Japan kostete mehr als 15.000 Menschen das Leben. Man konnte zwei vollkommen unterschiedliche Reaktionen bei den Menschen feststellen, die diese grauenvolle Erfahrung gemacht haben: Einerseits sind da diejenigen, die sich für den Rest ihres Lebens vor dem Meer fürchten, aber andererseits auch diejenigen, die dieses Erlebnis als Teil ihrer Lebenserfahrung ansehen.

Persönliche Krisen hinter sich lassen, um wieder nach vorn schauen zu können

Halte inne, atme tief ein und denke nach – das Leben ist voll von persönlichen Krisen, die wir hinter uns lassen müssen und die somit Teil unserer Geschichte werden. Niemand hat ein perfektes Leben und alles ist vergänglich. Darüber hinaus müssen wir Krisenzeiten durchmachen, damit uns bewusst wird, wie wichtig es ist, es zu genießen, hoch oben auf der Welle zu reiten.

Wie kannst du also eine persönliche Krise endgültig der Vergangenheit angehören lassen? Die Antwort auf diese Frage erinnert mich an ein Buch, das ich vor einiger Zeit gelesen habe und das überhaupt nichts mit einem typischen Selbsthilferatgeber zu tun hat. In dem Buch geht es um Empfehlungen für todkranke Menschen, die wissen, dass sie nicht mehr lange zu leben haben, und wie sie sich verabschieden können. In vier kleinen Sätzen wird das wie folgt zusammengefasst: Es tut mir leid. Ich vergebe dir. Ich liebe dich. Danke.

Befreie dich von deinen Gefühlen

Jetzt fragst du dich wahrscheinlich, was du mit dieser Information anfangen sollst, wenn du kein an einer tödlichen Krankheit erkrankter Mensch bist. Du kannst diese vier Sätze auch zu einem Menschen oder in einer Situation sagen, die es dir unmöglich macht, nach vorn zu schauen. Das heißt, wir müssen unsere Fehler und die anderer anerkennen, aber auch das Gute, das wir und andere getan haben; anerkennen, was wir an diesen Menschen schätzen oder über Phasen unseres Lebens hinweglächeln und dafür dankbar sein, diese Erfahrung gemacht zu haben.

Vergebung ist nicht nur befreiend, sondern erlaubt dir auch, all das loszulassen, das so schwer auf dir lastet, und es gibt dir die Möglichkeit, dich oder deine Mitmenschen als etwas viel Komplexeres und Bereichernderes anzusehen. Nun macht es dir nicht länger zu schaffen und du kannst deinen Weg weitergehen. In dem zuvor erwähnten Buch geht es um eine Frau, die ihrem Vater, der sie missbraucht hat, am Sterbebett vergibt.

Wir alle sind Menschen, wir machen Fehler und dem Leben und dir selbst für diese Augenblicke oder Entscheidungen zu vergeben, auf die du nicht stolz bist, und sie als Teil deiner Vergangenheit zu akzeptieren, ohne dich ihretwegen unwohl zu fühlen, ist eine der wundervollsten Herausforderungen, die es gibt. Es sind genau diese Menschen, die aus einer natürlichen Krise einen Wendepunkt in ihrem Leben und auch im Bezug auf ihre Persönlichkeit werden lassen. Und sie stehen wieder auf. Sie stehen wieder auf, um sich erneut ins Meer zu trauen und ihm zu sagen: „Ich bin noch da.“

Keiner von uns entscheidet sich für eine natürliche, persönliche Krise, aber wir entscheiden sehr wohl darüber, ob wir vor ihr fliehen oder gestärkt aus ihr hervorgehen. Meine begann vor einiger Zeit und ich würde nichts von dem, was seitdem passiert ist, ändern, das mich dazu gebracht hat, dir von dort zu schreiben.

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