Dankbarkeit: Wie wir unseren Fokus auf das richten, was wir haben, anstatt auf das, was uns fehlt

2. März 2017 en Psychologie 571 Geteilt

Viele von uns konzentrieren sich eigentlich nur darauf, was ihnen fehlt, anstatt ihren Fokus darauf zu legen, was sie schon alles haben. Zu schätzen, was wir haben, wer wir sind und wer uns umgibt, ist zweifellos der beste Weg hin zur authentischen Dankbarkeit.

Hierbei handelt es sich nicht um einen modernen Zeitgeist. Dieses unbeschreibliche Gefühl, dass uns etwas fehlt und wir am Rande eines Abgrunds entlangschlittern, wo wir immer irgendwann auf den nächsten Mangel treffen, ist die unendliche Existenzkrise des Menschen. Diese Art von Gedanken zu kontrollieren und zu rationalisieren ist daher dringend notwendig. Andernfalls wächst diese Leere, die wir verspüren, wie Unkraut, wie Efeu, das die Fenster eines Hauses verdeckt.

„Für alles dankbar zu sein, ist ein Wesenszug von mir, und ich akzeptiere das.“

Wir wissen natürlich, dass es nicht gerade einfach ist, mit diesem Gefühl umzugehen. Das ist es aus dem Grund nicht, weil durch die offensichtliche soziale Ungleichheit unserer heutigen Zeit das Wort „fehlen“ so oft wie sonst nie gebraucht wird. Das Fehlen eines Arbeitsplatzes, von Einkünften oder einer Perspektive hinsichtlich einer sicheren Zukunft sind dafür verantwortlich, dass der Gedanke und das Gefühl, für alles dankbar zu sein, was uns umgibt, für uns ironisch erscheint. Doch das Gefühl von unendlicher Dankbarkeit zu verinnerlichen und es in unserem Leben als Antrieb zu verwenden, kann uns dabei helfen, weiser durch unseren Alltag zu gehen.

Der Unterschied zwischen wahrhaftiger und oberflächlicher Dankbarkeit

Es gibt ein sehr interessantes Buch mit dem Titel Eine kurze Geschichte der Menschheit  vom Historiker Yuval Harari. In diesem Buch analysiert er die Evolution des Homo sapiens auf etwas provokative Art und Weise, sodass der Leser das Gefühl bekommt, dass die Grausamkeit unserer Spezies oftmals über der Ethik zu stehen scheint.

Einer der Aspekte, die Doktor Harari hervorhebt, besteht darin, dass wir uns an ein Leben gewöhnt haben, das man mit meiner „oberflächlichen Dankbarkeit“ definieren könnte. Wir haben uns beispielsweise übermäßig an natürlichen Ressourcen bedient, bis wir uns viel mehr genommen hatten, als es das natürliche Gleichgewicht der Erde und der Ökosysteme erlaubt. Die Moderne ist außerdem auf diesen Materialismus ausgerichtet, wo die größtmögliche Anhäufung von Dingen als Statussymbol eines Menschen gilt. Das Fehlen dieser erzeugt daher ein Gefühl von Unbehagen und Unzufriedenheit.

Wir sind vom Konzept der Dankbarkeit für das wahrhaft Wichtige abgekommen. Im Grunde genommen beschreibt die Dankbarkeit vor allem Ausgeglichenheit und Respekt. Sie bedeutet, das zu schätzen, was wir bereits haben, was uns umgibt, ohne mit dieser Harmonie brechen zu müssen, damit wir noch mehr von dem erhalten, was innerhalb des Möglichen und Vertretbaren liegt.

Das ist etwas, was der moderne Homo sapiens zweifellos nicht verstehen kann, weil es so ist, wie Benjamin Franklin einst sagte: „Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir denken, dass Zeit gleich Geld ist, obwohl die Zeit in Wahrheit nichts weiter als ein Geschenk ist, das wir nicht angemessen schätzen und für uns nutzen.“

Wie wir ein dankbares Leben führen können

Sobald wir das verstanden haben, wird uns klar, dass Dankbarkeit nicht durch Geld, durch eine Anhäufung von Sachen und auch nicht durch Macht entsteht. Wir können erst dann ein dankbares Leben führen, wenn wir ein erfülltes Leben haben, ohne das Gefühl einer Leere oder dass uns etwas fehlt, ohne ein verirrtes Herz, das sich vom Wind tragen lässt und uns das nicht enden wollende Gefühl gibt, stets einen besseren Platz zu finden, an den es hingehört.

„Der erste Samen, der Dankbarkeit entstehen lässt, ist die Wertschätzung.“

So ironisch es auch erscheinen mag, ist es in schwierigen Zeiten und in Zeiten, in denen wir eine Leere verspüren, wichtiger als je zuvor, diese authentische Dankbarkeit zu fühlen. Denn nur so sind wir wahrhaft mental gewappnet, um dem Unglück die Stirn zu bieten, Möglichkeiten zu erkennen und so aufnahmefähiger für all das zu sein, das uns umgibt.

Aus diesem Grund möchten wir dich dazu einladen, über die folgenden Tipps nachzudenken, wie wir uns in Dankbarkeit üben können.

Tipps, um wahrhaft dankbar zu sein

Viele von uns sind mittlerweile an das Leben der  „Wegwerfgesellschaft“ gewöhnt: Mein Handy ist zwar noch in einem guten Zustand, aber diese oder jene Marke hat ein neues Modell herausgebracht, das jeder hat und auch ich muss es unbedingt haben.

Uns fehlen viele Dinge: Vielleicht hast du kein Haus, das jeglichen Luxus besitzt, vielleicht hat dein Körper nicht Idealmaße und vielleicht ist dein Partner nicht perfekt. Vielleicht konntest du bisher noch nicht an dieses paradiesische Urlaubsziel fliegen, obwohl deine Freunde im vergangenen Sommer bereits dort gewesen sind. In einer Wegwerfgesellschaft zu leben oder sich Tag ein Tag aus nur auf das zu konzentrieren, was fehlt, gleicht einem Virus, einer entsetzlichen Krankheit, die sich immer weiter ausbreitet, wie Schimmel an der Wand: Er ist immer da, sieht unschön aus und ist ungesund.

  • Wir müssen von dem Abstand nehmen, das dafür verantwortlich ist, dass wir unseren Fokus nur darauf lenken, was uns fehlt. Unsere Existenz ausschließlich auf Materielles auszurichten, ist ein Garant für Unzufriedenheit.
  • Wir müssen unsere Sichtweise ändern und uns auf das konzentrieren, was wir bereits haben, um festzustellen, wo unsere wirklichen Stärken liegen, wo unsere wahrhafte Schönheit und das Gefühl von authentischer Dankbarkeit zu finden ist.

Wir sollten einen Bewusstseinszustand entwickeln, der dazu in der Lage ist, all das Positive, das Gegenwärtige und das bereits Erreichte zu erkennen. Wir sollten uns nicht darauf versteifen, was nicht ist, was wir nicht haben oder was uns fehlt. Nur wenn wir dazu fähig sind, dankbar für das zu sein, was wir sind, was uns definiert und uns voller Vertrauen umgibt, können wir die Zufriedenheit willkommen heißen.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Sonia Kosh

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