Taktiken der Manipulation – eine Form psychischer Gewalt

· 28. November 2018

Personen, die sich schuldig fühlen, neigen dazu, sich ständig für alles zu entschuldigen. Häufig ist diese Verhaltensweise das Ergebnis einer dauerhaften Manipulation durch andere. Betroffene haben das Gefühl, für alles um Vergebung bitten zu müssen, weil sie glauben, ihr Benehmen könnte andere verärgern. Sie verspüren eine dauerhafte, latente Schuld.

Ein solches Verhalten ist keinesfalls angeboren. Vielmehr gibt es in den meisten Fällen jemanden, der durch seine Worte oder seine Gegenwart eine Form der Ablehnung ausdrückt. Diese wiederum verursacht eine gewisse Unsicherheit bei der anderen Person und führt schließlich dazu, dass sie sich ständig und wegen allem, was sie tut, schuldig fühlt.

 „Schuld ist eines der negativsten Gefühle, die der Mensch haben kann, und zugleich eine der am meisten verwendeten Möglichkeiten, andere zu manipulieren.“

Bernardo Stamateas

Wer der Manipulation eines anderen zum Opfer fällt, fühlt grundsätzlich, dass alles, was er tut, falsch sei. Die betroffene Person erlaubt es sich selbst nicht, zu versagen oder sich „falsch“ zu verhalten. Gleichzeitig fällt es ihr schwer, zu entscheiden, was an ihrem Verhalten schlussendlich „richtig“ und was „falsch“ sein könnte.

Die Taktiken der Manipulation

Bei Personen, die sich für alles schuldig fühlen, gibt oder gab es mit hoher Wahrscheinlichkeit jemanden, der in einem bestimmten Moment damit begonnen hat, sie zu manipulieren. Fast immer handelt es ich dabei um einen Menschen, der mit ihnen auf eine bestimmte Weise verbunden ist oder war. Die manipulierende Person handelt zudem auf eine subtile und gleichzeitig gewaltsame Art und Weise.

Taktiken der Manipulation: Eine Frau fühlt sich schuldig, alle Finger weisen auf sie

Die wichtigsten Taktiken der Manipulation:

  • Gesten der Ablehnung, passiv-aggressive Manipulation. Man hört auf, mit dem anderen zu reden, sieht ihn missbilligend an oder macht sich über ihn lustig. Dabei äußert man sich nicht dazu, was einen an der anderen Person eigentlich stört.
  • Vertrauen zerstören. Gezielt wird versucht, die betroffene Person in dem Glauben zu lassen, unfähig und wertlos zu sein. Dabei werden ihre Fehler und Missgeschicke ständig betont.
  • Verhindern bestimmter Fragen. Werden Themen angesprochen, die für die manipulierende Person in irgendeiner Weise unangenehm sind, reagiert sie aggressiv. Meist versucht sie, den anderen zum Schweigen zu bringen. Dabei ist sie nicht gewillt, ihre Beweggründe näher zu erläutern.
  • Sich weigern, ein Problem anzunehmen. Die manipulierende Person selbst möchte keinesfalls infrage gestellt werden. Ist dies doch der Fall, so weicht sie aus oder geht gar zum Angriff über. Sie wird dem anderen die Absicht unterstellen, ihr gezielt schaden zu wollen.

Kurz gesagt bestehen die Taktiken der Manipulation darin, eine andere Person psychisch zu verletzen, um selbst nicht infrage gestellt zu werden. Diese fühlt sich minderwertig oder „schlecht“ und sucht die Fehler bei sich, anstatt das Verhalten der manipulierenden Person zu hinterfragen.

Aus diesem Teufelskreis ausbrechen

Um der Manipulation zu entkommen, muss man zuerst einmal seine eigenen Gefühle erkennen. Fühlt man sich oft schuldig? Bittet man ständig um Entschuldigung für Dinge, für die man sich nicht entschuldigen müsste? Beantwortet man diese Fragen mit ja, ist es wichtig, zu hinterfragen, ob es nicht eine Person gibt, die eine Art der Manipulation ausübt? Der Weg zu dieser Erkenntnis ist steinig. Schließlich kann es sich dabei um Menschen handeln, die man sehr schätzt oder gar liebt.

Hat man seine eigene Situation erst einmal erkannt, ist der wichtigste Schritt bereits getan. Die Person, von der die Manipulation ausgeht, ist wahrscheinlich wütend auf einen oder allgemein unzufrieden. Es ist völlig normal, dass man Angst davor hat, eine noch größere Wut zu entfesseln, wenn man sie konfrontiert. Um voranzukommen ist es jedoch notwendig, diese Angst zu überwinden.

Hat man etwas „falsch“ gemacht oder den anderen verärgert, ist es außerdem nicht notwendig, sich selbst mit einer ewigen Schuld zu bestrafen. Es genügt, sein Fehlverhalten zu erkennen, die Verantwortung dafür zu übernehmen und sich zu entschuldigen oder eine Wiedergutmachung anzubieten. Darüber hinaus kann man nichts weiter tun.

Frau wirkt unentschlossen

Der Manipulation entgegenwirken

Hat man die Taktiken der Manipulation durch eine andere Person einmal erkannt, vielleicht tatsächlich einen „Fehler“ begangen und sich dafür entschuldigt, gilt es im Anschluss, der entstandenen Situation entgegenzuwirken. Dabei ist es wichtig, die Ruhe zu bewahren. Man kann dies versuchen indem man:

  • … um Klärung bittet. Manchmal ist man sich seines eigenen Verhaltens und möglicher Fehler gar nicht bewusst. Deshalb sollte man den anderen bitten, genau zu erklären, was ihn stört. Weiß man erst einmal, was genau als negativ empfunden wird, kann man ihm zeigen, dass es keinen Grund für seine Wut gibt.
  • … sein Recht auf Meinungsäußerung einfordern. Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Man sollte deshalb den anderen daran erinnern, dass die eigenen Überzeugungen und Standpunkte niemanden stören müssen, solange man nicht versucht, sie anderen Personen aufzuzwingen.
  • … das Grübeln über das Thema vermeidet. Man sollte sich nicht in endlosen Überlegungen über etwas Geschehenes, seine Ursachen und Folgen verlieren. Es existiert eine Person, die einen manipuliert und diese Situation muss man beenden oder zumindest stark eingrenzen.

Es ist nicht einfach, die Taktiken der Manipulation zu erkennen und aus diesem Kreislauf auszubrechen. Jeder sollte jedoch ein Bewusstsein für das eigene, aber auch für das Verhalten anderer haben. Auf diese Weise kann man einem möglichen Fehlverhalten entgegenwirken.