Jähzornige Menschen: Wut als Kommunikationsstil

17. Juli 2018 en Emotionen 0 Geteilt
Jähzornige Menschen - Frau in Flammen

Jähzornige Menschen sind regelrecht süchtig danach, ständig verärgert zu sein. Schläge auf den Tisch, knallende Türen und Wutanfälle sind ihre Markenzeichen. Hierbei handelt es sich um Persönlichkeitsprofile, die nicht ruhig kommunizieren können, die sofort auf 180 gehen und denen man sich nicht widersetzen kann. Hinter diesem schwierigen Verhalten verbirgt sich häufig ein schwaches Wesen, das Wut als Verteidigungsmechanismus missbraucht.

Wir alle haben schon einmal die Kontrolle über uns verloren. Wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn uns Zorn überkommt und wir, beinahe ohne zu wissen, wieso, auf die unangemessenste und ungeschickteste Weise reagieren. Das Interessante an diesen Erfahrungen ist, dass sie uns wertvolle Lektionen lehren: Wir lernen auf die harte Tour, wie wichtig es ist, uns zu behaupten, um mit diesen komplizierten Situationen umgehen zu können, in denen unsere emotionale Reife auf die Probe gestellt wird.

Jähzornige Menschen haben gelernt, sich mithilfe von Widerwillen und Wut mit der Welt zu verbinden, um zu bekommen, was sie wollen.

Darüber hinaus gibt es einen entscheidenden Aspekt, den wir nicht missachten sollten: Wut ist immer noch ein Gefühl, das wenig oder gar nicht verstanden wird. Wir könnten an dieser Stelle sagen, dass jähzornige Menschen genau die Menschen sind, die wir in unserem Alltag am ehesten meiden sollten, um unsere Ausgeglichenheit und Gesundheit zu schützen. Dennoch ist nichts wichtiger, als zu verstehen, dass hinter einem wütenden Kind, einem schwer umgänglichen Familienmitglied und einem schnell frustrierten Chef Menschen stecken, die nicht wissen, wie sie anders kommunizieren sollen. Menschen, die mit sich selbst zu kämpfen haben und weder wissen, was sie tun sollen, noch wo all diese explosive Wut und vergiftete Negativität herkommen.

Wütender Chef schreit Mitarbeiter an

Jähzornige Menschen: Wieso handeln sie auf diese Weise?

Die Franzosen kennen ein passendes Wort für diese passiv-aggressiven Verhaltensweisen, für jene Menschen, die Zorn als Kommunikationsstil benutzen. Sie gebrauchen den Ausdruck „sous-endendu“, was so viel wie „was man darunter versteht oder was sich dahinter verbirgt“ bedeutet. Was verbirgt sich also unter diesem Wolfspelz, in dieser Person, die Gebrauch von dieser so zerstörerischen emotionalen Intensität macht? Die Antwort könnte nicht einfacher sein: ein anderer Wolf , aber ein verwundeter Wolf.

Schauen wir uns nachfolgend ein paar Eigenschaften an, die diese Dynamik bei jähzornigen Menschen erklären könnten:

  • Sie leiden sehr stark: Menschen, die jähzornig reagieren, neigen dazu, Angst anzuhäufen. Sie sind Persönlichkeiten, die bereits seit ihrer Kindheit beim kleinsten Etwas Alarm geschlagen und sehr ängstlich und wachsam auf noch so kleine Reize reagiert haben. Im Erwachsenenalter wird aus dieser ständigen Unruhe, über die sie die Kontrolle verlieren, oder aus etwas Unerwartetem Zorn. Dieses Gefühl ist schlichtweg ein unangemessener Verteidigungsmechanismus, mit dem sie auf alles und jeden reagieren.
  • Zorn als Antwort auf alle negativen Emotionen: Diese Persönlichkeiten können nicht erkennen, ob es sich bei dem, was sie empfinden, um Traurigkeit, Enttäuschung, Angst, Unruhe, Überraschung oder Scham handelt. All diese Emotionen werden auf dieselbe Weise verstanden und übersetzt, nämlich mit Wut.
  • Zorn als Ansammlung vieler Probleme: Wenn es ein Gefühl gibt, das nicht kanalisiert, verstanden und angegangen wird, wird es immer stärker. Außerdem tragen jähzornige Menschen Frustrationen aus der Vergangenheit über viele Jahren mit sich herum. Somit genügen die unbedeutendsten Handlungen als Auslöser für einen Wutanfall. Sie tragen diesen Zorn tief in ihrem Inneren.
  • Zorn und Paranoia: Dieser Zusammenhang ist so problematisch wie interessant. Jähzornige Menschen bestehen aus Angst, erdrückenden, nicht verstandenen Emotionen und einer sehr ausgeprägten Restwut. Dieses komplexe Konstrukt bildet in vielen Fällen die Grundlage für paranoide Verhaltensweisen. Sie nehmen alles als Bedrohung wahr, misstrauen ihren Mitmenschen und denken, dass andere ihnen schaden wollen, um sich über sie lustig zu machen. Das sind Situationen, die sehr kräftezehrend sind.

Gezeichnetes Männchen schreit durch ein Megaphon

Wie kann man lernen, mit Zorn umzugehen?

Jähzornige Menschen besitzen keine gute Lebensqualität. Das ist ein Aspekt, der aus klinischer Sicht nicht ignoriert werden kann und sollte. Darüber hinaus haben mehrere Studien gezeigt, dass diese Menschen ein höheres Risiko haben, an Herz-Kreislauf-Leiden zu erkranken und Schlaganfälle zu erleiden, sowie dass ihr Immunsystem normalerweise schwächer ist. Zorn macht krank und Wut hat dazu noch zur Folge, dass wir unüberwindbare Distanzen zwischen uns und den Menschen, die wir lieben, schaffen.

Bei diesem Persönlichkeitsprofil ist es häufig der Fall, dass es sich etwas zu eigen macht, was als „deplatzierte Wut“ bekannt ist. Diese Menschen sind auf etwas oder jemanden wütend, richten ihre gesamte negative Energie aber gegen jemanden, der sie am wenigsten verdient: die eigenen Kinder, der Partner etc. Daher ist es für diese Personen besonders wichtig, sich Techniken und Strategien anzueignen, die sie verstehen lassen, dass Wut kein angemessener Kommunikationsstil ist. Mithilfe von Durchsetzungsvermögen können sie sich in egal welcher Situation wesentlich besser zurechtfinden.

Als nächstes möchten wir uns ein paar einfache Strategien anschauen, die uns zum Nachdenken anregen sollten und uns dabei helfen können, wesentlich besser mit diesem Gefühl umzugehen:

  • Wir müssen verstehen, was Wut und was ihr Zweck ist. Es ist im Wesentlichen eine Reaktion unseres Gehirns, um anzugreifen oder vor Gefahren zu fliehen. Es ist ein rein biologischer und physiologischer Ausdruck.
  • Der zweite Schritt besteht darin, zu lernen, unsere eigenen Emotionen zu erkennen und zu verstehen, was sie hervorruft. Ist das, was ich fühle, Traurigkeit? Was hat dazu geführt? Wenn ich Scham fühle, was hat dieses Gefühl verursacht?
  • Atemtechniken. Ein Weg, unseren Zorn und diese Wut zu kanalisieren, die unseren Körper und Geist blockiert, ist, zu lernen, sich zu entspannen, zu atmen, sich auf die angespannten Muskeln und den schnelleren Herzschlag zu konzentrieren, um wieder ruhiger zu werden. Nur dann ermöglichen wir uns, angemessener zu denken und zu reagieren.
  • Wut durch Durchsetzungsvermögen ersetzen. Etwas, das jähzornige Menschen ebenfalls unbedingt lernen müssen, ist, sich selbst zu behaupten. Dabei sollten wir nicht länger auf Wut als Kommunikationsstil zurückgreifen, sondern uns in einem Gespräch lieber durch Argumente durchsetzen als durch Schreie.

Profil einer Frau, die sich in viele Einzelteile auflöst

Zum Schluss noch ein letzter Aspekt, auf den wir gern eingehen möchten. Manchmal wenden jähzornige Menschen nicht nur verbale, sondern auch physische Gewalt an. Deswegen sollten wir schnell eingreifen und Maßnahmen ergreifen, die uns und unser Umfeld schützen, wenn wir unter Jähzorn leiden bzw. einen Menschen in unserer näheren Umgebung wähnen, auf den das zutrifft.

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