Wer häufig verärgert ist, ist normalerweise auch jähzornig

· 24. Februar 2018

Wer häufig verärgert ist, ist für gewöhnlich auch jähzornig. Da sind Menschen, die immer Recht haben müssen, die es nicht tolerieren, wenn jemand anderer Meinung ist oder sie korrigiert, und die darüber hinaus das ständige Opfer ihrer eigenen Frustration sind. Daher ist es wichtig, zu erwähnen, dass sich hinter Jähzorn wiederum Narzissmus verbirgt, was ein sehr kräfteraubendes Persönlichkeitsprofil mit sich bringt.

Man sagt, dass Jähzorn verhindere, dass man seine Sünden anerkennen müsse. Ein jähzorniger Mensch wird das niemals tun, weil seine Nase so sehr an seinem Spiegel klebt, dass er sich selbst nicht einmal mehr sehen kann. Aber wir haben uns so sehr an diese Art von Menschen gewöhnt, dass wir irgendwann, fast ohne dass es uns aufgefallen ist, Narzissmus und Jähzorn als normal eingestuft haben. Das können wir in der politischen Oberklasse, in unserem Unternehmen und sogar bei einem Teil der jüngsten Generation sehen.

„Es ist einfacher, gegen Jähzorn zu schreiben, als ihn zu besiegen.“

Francisco de Quevedo

All diese Persönlichkeitsprofile – häufig verärgert, jähzornig, narzisstisch -, die sich so voneinander zu unterscheiden scheinen, haben tatsächlich viele Merkmale gemein. Unabhängig vom Alter sehen wir sie bei Menschen, „die alles wissen“, denen niemand etwas beibringen oder zeigen kann, weil „sie bereits unheimlich viel Lebenserfahrung haben“. Außerdem zeichnen sie sich dadurch aus, dass sie die Bedürfnisse anderer hinten anstellen und noch dazu die emotionale Reife eines Sechsjährigen aufweisen.

Wer jeden Tag mit solchen Menschen zu tun hat, ist daher bereits daran gewöhnt, dass sie häufig verärgert sind. Sie haben „eine dünne Haut“ und sind sehr stolz, das wissen wir alle. Aus diesem Grund reicht schon ein kleiner Funke aus, damit sie in die Luft gehen, die Kontrolle verlieren und viele uns bekannte Verhaltensweisen an den Tag legen, wie eine Zeit lang nicht mehr mit uns zu sprechen oder uns schlichtweg zu diskreditieren, weil wir ihnen in einem kleinen und unbedeutenden Aspekt widersprochen haben.

Verärgerte Frau

Was steckt dahinter, wenn jemand häufig verärgert ist?

Jähzorn ist und bleibt eine Maske, wenn wir so wollen, ein Stachelschweinkostüm, dessen Stacheln anderen davon abhalten sollen, Ängste, Zweifel und andere Schwächen zu erahnen. Wenn einem jähzornigen Menschen gesagt wird, dass er geduldiger sein und alles mit Ruhe nehmen solle, wird er sofort in Angriffsstellung gehen und seine Stacheln aufstellen, da er glaubt, dass seine guten Taten infrage gestellt würden. Es ist auch vollkommen egal, ob der andere nur einen gut gemeinten Kommentar abgegeben hat – eine jähzornige Person fasst ihn sicher als Beleidigung auf.

Das Selbstwertgefühl dieser Persönlichkeiten ist sehr niedrig. Ihr Gefühl der Minderwertigkeit schwingt allerdings häufig in Aggressivität um und wird zu einem mit Wut, Zorn und bitterer Frustration geladenen Katapult. Auch das Bedürfnis, in jeglicher Situation, egal unter welchen Umständen und in jeglichem Kontext anderen überlegen zu sein, hat eine „vorgetäuschte Autorität“ zur Folge, wegen der niemand einen jähzornigen Menschen diskreditieren und ihm widersprechen dürfen sollte.

In diesen Fällen fungiert Jähzorn als verfälschtes Belohnungssystem. Interessant ist diesbezüglich, dass sich Betroffene ihr Stachelschweinkostüm normalerweise in der Kindheit angezogen haben, um Unsicherheiten darunter zu verstecken. Später wird aus ihm dann eine Reaktionsmuster, das im Angesicht von Problemen oder Enttäuschungen abgerufen wird. Das kommt daher, dass eine jähzornige Persönlichkeit Arroganz und Aggression als eine Art und Weise, ihr Territorium zu markieren, und als Kanal, um sich selbst zu bewerten und zu belohnen, instrumentalisiert. Auch wenn diese Menschen dadurch nur erreichen, dass sie niemanden an sich heranlassen und nur oberflächliche Beziehungen aufbauen.

Mit dem Kopf durch die Wand

Was sollten wir angesichts dieser uns umgebenden Menschen tun, die häufig verärgert sind?

Wenn jemand häufig verärgert ist, hat er definitiv Schwierigkeiten damit, mit seinen Gefühlen umzugehen und hat sowohl mit seinem Selbstwertgefühl als auch mit seinem psychischen Gleichgewicht ein Problem. Niemand kann chronisch verärgert sein, in seine Löwenmähne gekleidet leben und ständig brüllen. Falls wir in unserem Umfeld einen Menschen haben, der andauernd dieser Dynamik verfällt, sollten wir daher eines beachten: Es ist nicht unser Problem und wir sind nicht an seinem Unbehagen oder Problem schuld. Die Verantwortung trägt er selbst.

„Jeder kann verärgert sein. Aber mit dem richtigen Menschen, in angemessenem Maße, zum richtigen Zeitpunkt, aus dem richtigen Grund und auf eine angemessene Weise verärgert zu sein, das ist ganz gewiss nicht so einfach.“

Aristoteles

Wenn sein Ärger zu einem Teil seines Seins wird, wird in seinem Umfeld nichts wachsen. Auch wenn sich unter seiner Haut Jähzorn und diese narzisstische Persönlichkeit verbergen, die alles kontrollieren und aus allem Profit schlagen will, ist es das Beste, was wir in solchen Fällen tun können, Abstand zu nehmen und nicht unsere Energie zu vergeuden, indem wir uns mit ihm auseinandersetzen.

Denn Jähzorn wird nicht geheilt, indem man diskutiert. Es geht darum, zu ermöglichen, dass sich eine jähzornige Person im Spiegel betrachtet und ihre Löwenzähne und ihr Stachelschweinkostüm ablegt. Unter all diesen Schichten kommen dann ihre zerbrechlichen Seiten, ihre versteckten Leeren, ihre Labyrinthe der Unsicherheiten und sogar ihr inneres Kind zum Vorschein, das noch immer verschüchtert ist und mit Wut auf all das reagiert, das ihm missfällt.

Ob wir es glauben oder nicht, es gibt viele Erwachsene, die tagtäglich oft verärgert sind. Aus diesem Grund lohnt es sich, Zeit, Achtsamkeit und eine große Dosis Zuneigung in unsere Kinder zu investieren, die häufig schon in jungen Jahren frustriert sind. Wir sollten angemessen mit solchen Situationen umgehen und auf die richtige Art und Weise erziehen.