Symptome einer Hypomanie und der Zusammenhang mit der bipolaren Störung

Ein Mensch mit Hypomanie kommt nicht zur Ruhe. Er findet immer eine Beschäftigung und es gibt unzählige Themen, über die er nachdenken möchte. Die innere Welt ist auf Hochtouren und die Emotionen schwanken wild zwischen absoluter Euphorie und Gereiztheit. Lies weiter, um mehr über diesen Zustand zu erfahren!
Symptome einer Hypomanie und der Zusammenhang mit der bipolaren Störung

Letzte Aktualisierung: 21. April 2021

Euphorie, Hyperaktivität, grenzenlose Energie, Unfähigkeit zu schlafen oder sich zu entspannen, weil dir Tausende Gedanken durch den Kopf rasen, Hyper-Empathie, zu viel reden… Hypomanie ist ein wichtiges Merkmal einer ganz bestimmten Art der bipolaren Störung. Allerdings ist die Diagnose nicht immer einfach, denn Menschen mit dieser Erkrankung sind häufig voll funktionsfähig und erregen nicht unbedingt eine besondere Aufmerksamkeit.

Manchmal vergehen Jahrzehnte, bis Menschen eine richtige Diagnose erhalten und dieser Sache einen Namen geben können, die dazu führte, dass sie sich in ihrem bisherigen Lebens so anders fühlten. Für Menschen mit Hypomanie verläuft die Welt viel schneller. Es gibt kaum Zeit oder Raum für körperliche und geistige Ruhe. Emotionen sind intensiv, verwirrend und oft störend. Viele Menschen, die mit dieser Störung zu kämpfen haben, hassen sich selbst deswegen.

Glücklicherweise können medizinische und psychologische Fachleute eine Hypomanie heute als Teil einer bipolaren Störung vom Typ II viel besser erkennen und diagnostizieren. Wenn sie allerdings nicht richtig erkannt wird oder wenn sie mit Hyperaktivität oder Depressionen verwechselt wird, können sich schwerwiegende Folgen daraus ergeben.

Mit diesem Thema wollen wir uns nachfolgend eingehender befassen.

Hypomanie - Mann mit Sonnenbrille

Was ist Hypomanie und welche Symptome treten auf?

Jeder erlebt zweifelsohne hin und wieder Stimmungsschwankungen. An einem Tag fühlst du dich energisch und positiv, am nächsten ist deine Welt trostlos und hoffnungslos. Wo genau liegt die Grenze? Wie kannst du unterscheiden, was normal ist und was eine besondere Behandlung erfordert?

Der Unterschied liegt in der Auswirkung deines emotionalen Zustands und deines Verhaltens auf dein Leben. Allerdings ist dies durchaus kompliziert, weil heutzutage Situationen und Verhaltensweisen häufig als “normal” erachtet werden, die tatsächlich pathologisch sind. Darüber hinaus neigen Menschen dazu, bestimmte Verhaltensweisen mit unterschiedlichen Persönlichkeitstypen in Verbindung zu bringen. Infolgedessen besteht häufig die Annahme, dass ein bestimmtes Verhalten lediglich auf den Charakter eines Menschen zurückzuführen ist.

Diese Dynamik erfolgt häufig bei Menschen mit Hypomanie. Hier ist ein Beispiel. Nehmen wir an, dein Bruder, bester Freund oder Partner macht nie eine Pause von der Arbeit oder geht nachts zum Laufen, anstatt zu schlafen. Natürlich kannst du dir selber sagen, dass dieser Mensch schon immer hyperaktiv war, und dieses Verhalten ignorieren. Allerdings könnte ein derartiges Verhalten tatsächlich auch auf eine psychische Störung hinweisen. Darauf werden wir nun genauer eingehen.

Hypomanie

Hypomanie ist ein Zustand, der durch eine überschwängliche und energiegeladene Stimmung, intensive Emotionen, Extroversion und Kreativität gekennzeichnet ist. Hyper-Empathie ist ebenfalls sehr verbreitet. Das ist die Fähigkeit, sich mit den Emotionen anderer Menschen zu verbinden und diese als die eigenen zu übernehmen.

Möglicherweise wunderst du dich über das Präfix “Hypo”? Diese Nuance ist wichtig und dient dazu, diesen Zustand von der klassischen “Manie” zu unterscheiden. Hypomanisches Verhalten ist weniger extrem als bei jemandem, der eine manische Episode hat. Mit anderen Worten, Hypomanie führt nicht zu psychotischen Brüchen und das Verhalten des Betroffenen ist in der Regel funktional.

Darüber hinaus möchten wir ebenfalls darauf hinweisen, dass Hypomanie tendenziell eine charakteristische Phase der bipolaren Störung vom Typ II ist.

Symptome einer Hypomanie

Wie wir bereits erwähnt haben, sind Menschen mit Hypomanie oft voll funktionsfähig. Was bedeutet das genau? Dies bedeutet, dass hypomanische Männer und Frauen nicht nur bei ihrer Arbeit sehr gute Leistungen erbringen können, sondern außerdem häufig auch sehr kreativ sind und lange arbeiten.

Hier sind einige der Symptome:

  • Zustände milder Euphorie
  • Logorrhoe, umgangssprachlich auch als Sprechdurchfall bezeichnet. Menschen mit Hypomanie neigen dazu, zu viel zu reden und schnell von einer Idee zur nächsten zu springen.
  • Häufig sind diese Menschen ausgesprochen kreativ.
  • Rasende Gedanken
  • Impulsivität
  • Hohes oder überhöhtes Selbstwertgefühl
  • Hypomanische Menschen schlafen nicht viel.
  • Ihre Aktivitäten zielen darauf ab, Ziele zu erreichen und sozial erfolgreich zu sein (mehr Freunde, Affären, sexuelle Begegnungen, Erfolg bei der Arbeit usw.).
  • Aufmerksamkeitsprobleme
Hypomanie - Frau mit Kopfhörer

Warum eine korrekte Diagnose so wichtig ist

Wie wir oben bereits erwähnt haben, ist Hypomanie eine Phase der bipolaren Störung vom Typ II. Trotzdem ist die Diagnose nicht einfach. Wenn eine hypomanischer Patient Hilfe sucht, liegt dies normalerweise nicht an seiner Hyperaktivität oder Euphorie. Häufiger entscheiden sich die Betroffenen dazu, Hilfe zu suchen, wenn sie in eine Depression geraten sind.

Folglich erhalten hypomanische Patienten häufig eine Behandlung, die sich nur auf die Depressionen konzentriert. Aus diesem Grund sollten Psychotherapeuten, Psychologen und Psychiater stets auch auf mögliche Anzeichen von Hypomanie bei Patienten Ausschau achten, die mit Depressionen zu ihnen kommen.

Studien wie die in der psychiatrischen Abteilung des Puerta de Hierro-Krankenhauses in Madrid durchgeführte empfehlen außerdem die Verwendung geeigneter Instrumente, um die Früherkennung von Hypomanie zu erleichtern.

Das DSM-5 (der Diagnostische und statistische Leitfaden psychischer Störungen) legt die folgenden diagnostischen Kriterien fest:

  • Eine gehobene Stimmung mit einer deutlichen Steigerung der Energie, die über mindestens vier Tage anhält.
  • Drei oder mehr der folgenden Symptome, die über einen längeren Zeitraum andauern:
    • Hohes oder überhöhtes Selbstwertgefühl
    • Vermindertes Schlafbedürfnis (das Gefühl, nach nur wenigen Stunden Schlaf erholt zu sein)
    • Logorrhoe, umgangssprachlich auch als Sprechdurchfall bezeichnet
    • Gedankenrasen
    • Aufmerksamkeitsprobleme
    • Konzentriertes und fast zwanghaftes Arbeiten an bestimmten Zielen
    • Unverantwortliches Verhalten
  • Damit die Symptome als Hypomanie eingestuft werden können, dürfen sie nicht die Folge der Einnahme bestimmter Substanzen oder Medikamente sein.

Behandlung

Hypomanie ist an und für sich keine eigenständige Störung. Stattdessen ist sie, wie wir bereits erwähnt haben, eine Manifestation einer bipolaren Störung vom Typ II. Darüber hinaus solltest du wissen, dass es sich hierbei um eine der psychiatrischen Erkrankungen handelt, für die die meisten Ressourcen zur Behandlung zur Verfügung stehen.

Es gibt bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente, mit denen sich eine Hypomanie sowie die damit einhergehenden depressiven Phasen mit sehr guten Ergebnissen behandeln lassen. Darüber hinaus ist auch eine Psychotherapie sehr wichtig, damit der Patient neue Fähigkeiten entwickeln kann, den Umgang mit Emotionen und Gedanken erlernt und infolgedessen auch seine Beziehungen verbessern kann.

Grundsätzlich und in jedem Fall ist es daher die oberste Priorität, dass der Betroffene zunächst eine korrekte Diagnose erhält.

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