Symbolischer Interaktionismus: Der Kommunikation eine Bedeutung verleihen

· 9. März 2019

Der symbolische Interaktionismus ist eine Theorie, die sich in der Soziologie entwickelt und auf andere Bereiche wie die Anthropologie und die Sozialpsychologie ausgeweitet hat. Diese Theorie widmet sich den Interaktionen zwischen Menschen und ihrer Bedeutung. Es wird versucht, die Prozesse zu verstehen, durch die einzelne Menschen zu Mitgliedern einer Gesellschaft werden. Mit anderen Worten, es werden soziale Aktivitäten und die Formierung einer gruppenbezogenen Identität erforscht.

Symbolischer Interaktionismus basiert auf Interpretationen. Die Menschen haben interpretieren ein und dieselbe Realität auf unterschiedliche Art und Weise, aber ihre Interpretationen ähneln sich unter Menschen im gleichen Umfeld.

Kulturelle Unterschiede beispielsweise fördern die unterschiedliche Interpretation von Symbolen. Sie verursachen oft Probleme, wenn Menschen in einen anderen Kulturkreis reisen. Wenn zum Beispiel jemand seine Handfläche zu einer anderen Person hin ausstreckt, würden wir verstehen, dass er uns auffordert, aufzuhören oder stehen zu bleiben. Ein Grieche würde das jedoch als Beleidigung ansehen und ein Libanese würde versuchen, den bösen Blick zu neutralisieren.

Die Anfänge des symbolischen Interaktionismus

Der symbolische Interaktionismus richtet sich gegen absolute Wahrheiten. Insbesondere wird argumentiert, dass es keine einzelne Wahrheit gebe, sondern unterschiedliche subjektive Wahrheiten für jede Situation. Mit anderen Worten, die „Wahrheit“ unterscheidet sich von Gemeinschaft zu Gemeinschaft. Um diese verschiedenen Wahrheiten zu verstehen, untersucht der symbolische Interaktionismus die Beziehungen zwischen Menschen und Symbolen. Das ultimative Ziel ist es, die individuelle Identität und soziale Organisation einer Gesellschaft zu verstehen.

Symbolischer Interaktionismus kann dabei helfen, Toleranz zu entwickeln.

Ein klassisches Beispiel für symbolischen Interaktionismus finden wir im Tee. Wir können dieses Getränk konsumieren, begleitet von verschiedenen Ritualen, von denen jedes auf seine eigene Art symbolisch ist. Zum Beispiel ist Tee für einen Europäer nicht dasselbe wie für einen Japaner. Der Europäer kann möglicherweise Tee zur Stimulation trinken und wird ihn einfach zubereiten, ohne dass ihm die Form der Zubereitung besonders wichtig wäre. Der Japaner hingegen begeht ein Vorbereitungsritual und trinkt seinen Tee lieber in Gesellschaft. Tee bedeutet für diese beiden Menschen etwas ganz anderes, und beide Ideen vom Teetrinken sind „wahr“.

Zusammenfassend zeigt der symbolische Interaktionismus, dass wir uns unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Bedeutungen definieren, die uns als Individuum im Kontext prägen. Und da wir soziale Wesen sind, hängt die Bedeutung des Individuums in hohem Maße von unseren Interaktionen mit anderen Menschen ab.

Die zwei Hypothesen des symbolischen Interaktionismus

Es gibt zwei große Hypothesen im symbolischen Interaktionismus. Die erste geht davon aus, dass Handlungen immer eine Bedeutung haben. Auf der anderen Seite hält die zweite das soziale Leben selbst schon für eine Handlung.

Erste Hypothese

Dieser Hypothese zufolge wohnen Beziehungen zu anderen Menschen Identitäten inne. Diese Beziehungen haben immer eine Bedeutung und sind symbolischer Natur. Daher bildet sich die Identität von Beziehung und Beteiligten in Abhängigkeit von Situationen und Orte, an denen das Verhältnis aufgebaut und gepflegt wird, aus. Die Bedeutung, die Menschen diesen Interaktionen beimessen, definiert ihre persönliche oder individuelle Identität.

Diese Hypothese besagt auch, dass Handlungen mehr als nur Gewohnheiten oder automatisches Verhalten seien. Alle Aktionen können interpretiert werden. Dabei ist Sprache das Abbild von Einstellungen, Absichten, Positionen und Zielen des jeweiligen Sprechers. Das bedeutet, dass Sprache eine Form der Interaktion ist und wir damit Realität schaffen.

Für Vertreter dieser Hypothese ist das Individuum ein durch Sprache gemaltes Bild. Mit anderen Worten, das Individuum entsteht aus Interaktionen mit anderen. Was jedoch geschaffen wurde, ist nicht die Person, sondern das „Selbst“ dieser Person oder ihre Identität.

Zweite Hypothese

Für Verfechter dieser Hypothese resultiert die persönliche Identität auch aus den Rollen, die die Menschen einnehmen. Wenn wir mit anderen Menschen interagieren, übernehmen wir normalerweise soziale Rollen. Dies sind Verhaltensmuster, welche durch die Gesellschaft definiert werden. Beispielsweise die Rolle eines Vaters, eines Lehrers oder einer Polizistin. Eine Möglichkeit, Rollen zu verstehen, ist das Ansehen von Reality-TV-Shows. Die Teilnehmer nehmen in jeder Show ähnliche Rollen ein. Zum Beispiel gibt es immer einen Feind, einen Einzelgänger, der nicht aufhören kann, zu weinen, zwei Personen, die in einer Beziehung enden, usw.

Diese Betrachtungsweise erklärt auch, dass Menschen Schauspieler sind. Der Einzelne handelt und spielt seine Rolle, die durch die vorgegebene soziale Rolle bestimmt wird. Wir tun, was andere von uns erwarten, abhängig von unserer Rolle. Aber wir spielen nicht nur eine Rolle, wenn wir mit anderen Menschen interagieren. In ähnlicher Weise spielen wir auch an Orten und zu Zeiten, wenn andere uns nicht sehen. Das heißt, dass wir diese Rolle mit unserer Identität verknüpfen und sie verinnerlichen.

Symbolischer Interaktionismus legt nahe, dass das gesellschaftliche Leben nur ein Akt sei.

Symbolischer Interaktionismus in der Sozialpsychologie

Der Zusammenhang zwischen sozialem Interaktionismus und Psychologie zeigt sich vor allem im Kontext der Sozialpsychologie. Nach Lehrmeinung dieses Zweigs bilden Menschen soziale Identitäten mit bestimmten Regeln und Werten. Und in Zeiten, in denen soziale Identitäten an Bedeutung gewinnen, wird es wahrscheinlicher, dass Menschen nach diesen Werten und Regeln handeln.

Obwohl die Sozialpsychologie über Rollen hinausgeht und zum Beispiel auch akzeptiert, dass soziale Normen das Verhalten bestimmen, wurde sie selbst auf der Theorie des symbolischen Interaktionismus begründet. Wir können nicht bestreiten, dass die Menschen ihre individuelle und soziale Identität entwickeln, wenn sie mit anderen Menschen interagieren.

Der offene Umgang mit Menschen aus verschiedenen Kulturen hilft uns, einander besser zu verstehen. Darüber hinaus wird es unsere persönliche Identität neu definieren und unser Verständnis der Welt erweitern.