Stickstoffmonoxid: der faszinierende gasförmige Neurotransmitter

17. Oktober 2019
Hast du schon einmal von Stickstoffmonoxid gehört? Tatsächlich könnte unser Körper ohne dieses gasförmige Molekül nicht richtig funktionieren, denn es ist an zahlreichen körperlichen Vorgängen beteiligt: unserem Schlaf, unserer Kraft und sogar beim Sex.

Stickstoffmonoxid ist ein Neurotransmitter, der einige faszinierende Funktionen im Körper hat. Er unterstützt beispielsweise unser Gedächtnis, reguliert unsere Schlafqualität und kann sogar unsere sexuelle Aktivität verbessern. In diesem Artikel werden wir dir erklären, wie Stickstoffmonoxid in deinem Körper wirkt.

Millionen verschiedenster Substanzen zirkulieren permanent in unserem Körper. Einige von ihnen sind sogenannte Neurotransmitter, die unter anderem unser Verhalten beeinflussen und regulieren. Heute werden wir uns mit einem dieser Neurotransmitter näher beschäftigen, dem Stickstoffmonoxid, da dieser allgemein nicht sehr bekannt ist.

In ihrem Buch Neurowissenschaften (Neuroscience: Exploring the Brain) erklären Mark F. Bear, Barry W Connors und Michael A. Paradiso, dass Stickstoffmonoxid (NO) aus der Aminosäure Arginin hergestellt wird und als interzellulärer Botenstoff fungiert. Daher ist Stickstoffmonoxid ein wirklich außergewöhnlicher chemischer Botenstoff.

Es ist eine winzige Substanz in unserem Nervensystem, die die Zellmembranen durchdringen kann. Daher kann sie sich wesentlich besser als andere Transmitter verteilen. Tatsächlich „dringt“ Stickstoffmonoxid „in die Zellen ein und hat daher auch Auswirkungen auf die dahinterliegenden Zellen“ (Bear, Connors & Paradiso, 2016, S. 162).

Außerdem ist Stickstoffmonoxid ein fettlösliches Molekül, das in unserem Nervensystem als Neurotransmitter fungiert. Stickstoffmonoxid ist auch an zahlreichen Körperfunktionen beteiligt. Nach seiner Entdeckung wurden daher zahlreiche Studien durchgeführt. So haben beispielsweise Duarye, Espinoza, Díaz, Sánchez, Lee Eng, Mijangos und Barragán seine klinischen Auswirkungen untersucht und einen wissenschaftlichen Artikel darüber im mexikanischen Journal für innere Medizin (La revista Medicina Interna de México) veröffentlicht.

Stickstoffmonoxid - chemische Formel

Welche Bedeutung hat Stickstoffmonoxid?

Wenn wir die vielfältigen Funktionen verstehen, die Stickstoffmonoxid in unserem Nervensystem hat, dann erkennen wir, wie bedeutsam dieses gasförmige Molekül für unseren Körper ist. Wir nennen hier nur einige dieser Funktionen:

  • Es verbessert die Wirksamkeit unseres Immunsystems.
  • Außerdem begünstigt es die Dynamik unserer Gedächtnisprozesse.
  • Stickstoffmonoxid hilft uns dabei, unsere Sinne, wie beispielsweise den Geruchssinn, zu nutzen.
  • Darüber hinaus werden Entzündungen gemildert und die Blutgerinnung reduziert.
  • Auch unsere Muskeln werden durch dieses Molekül ausdauernder. Außerdem wird die Bildung und Stärkung der Muskulatur begünstigt.
  • Schließlich hat es auch eine bedeutende Funktion bei den gastrischen Vorgängen.

Dennoch herrscht in der wissenschaftlichen Diskussion keine Einigkeit darüber, ob Stickstoffmonoxid wirklich ein Neurotransmitter ist. Einige Wissenschaftler stellen fest, dass er nicht alle notwendigen Kriterien erfüllt, um als solcher bezeichnet zu werden. Andere sind davon überzeugt, dass dieses gasförmige Molekül neuromodulatorische Funktionen erfüllt.

Weitere interessante Funktionen von Stickstoffmonoxid

Stickstoffmonoxid erfüllt neben den bereits beschrieben Funktionen noch einige weitere erstaunliche Funktionen in unserem Körper.

So hat es eine essentielle Bedeutung im erektilen Gewebe und hilft uns außerdem dabei, einen erholsamen Schlaf zu finden.

Seine Bedeutung beim Geschlechtsverkehr

Zusammen mit Acetylcholin, einem anderen Neurotransmitter, ist auch Stickstoffmonoxid im erektilen Gewebe aktiv. Vasoaktive intestinale Peptide werden durch die parasympathischen Nervenenden freigesetzt, wodurch die glatten Muskelzellen in den Arterien der Klitoris und des Penis entspannt werden.

Dadurch füllen sich die normalerweise schlaffen Arterien mit Blut und bewirken die Ausdehnung der Organe. Das bedeutet, dass unsere Sexualorgane durch Stickstoffmonoxid anschwellen. Aufgrund dieser Wirkung auf die Klitoris und den Penis ist er daher von entscheidender Bedeutung beim Geschlechtsverkehr.

Auch die heute zur Behandlung von erektiler Dysfunktion eingesetzten Medikamente nutzen die Wirkung von Stickstoffmonoxid, um den Blutfluss zum Penis zu verbessern. Viagra ist das wohl bekannteste dieser Medikamente. Es verbessert die Freisetzung von Stickstoffmonoxid in die Nervenenden.

Sein Einfluss auf unseren Schlaf

Darüber hinaus hat Stickstoffmonoxid auch einen großen Einfluss auf die Qualität und die Dauer unseres Schlafes. Aber wie genau geschieht das? Dieses gasförmige Molekül verlangsamt die Signalübertragung an bestimmte Neuronen. Dadurch wird dann die Aktivierung des Gehirns verzögert, was dazu führt, dass wir weiterschlafen. Wenn das Gehirn aktiviert wird, sendet es ein Signal, das uns aufwachen lässt.

Stickstoffmonoxid - schlafende Frau

Die genaue Funktionsweise dieses Neurotransmitters in Bezug auf unsere Schlafqualität ist nicht ganz einfach zu verstehen, denn die Konzentration dieses gasförmigen Moleküls ist während der Wachphase am höchsten. Außerdem steigt die Konzentration stark an, wenn wir unter Schlafentzug leiden.

Dieses gasförmige Molekül löst die Ausschüttung von Adenosin aus, einer Substanz, die den Nicht-REM-Schlaf fördert. Dadurch wird die Aktivität der Neuronen unterdrückt, die den Wachzustand begünstigen.

Zusammenfassend können wir feststellen, dass Stickstoffmonoxid genauso wichtig ist wie andere Neurotransmitter auch. Es erfüllt einige bedeutende Funktionen in unserem Nervensystem und trägt dazu bei, dass unser Körper gesund bleibt und gut funktioniert.

Dank Stickstoffmonoxid gerinnt unser Blut richtig, schlafen wir gut, werden kräftiger, können uns selber verteidigen, erkennen verschiedene Gerüche und kommen sogar leichter zum Orgasmus. Ist das nicht wirklich faszinierend?

Bear, M. F. Connors, B. W., PAradiso, M.A. Nuin, X.U., Guillén, X.V & Sol Jaquotor, M.J. (2008). Neurociencias la exploración del cerebro. Wolters Kluwer/Lippicott Williams & Wikins.

Duarte Mote, J., Espinoza López, R.F., Díaz Meza, S., Sánchez Rojas, G., Lee Eng, V. E., Mijangos Cháves, J.M., Barragán Garfias, J.A. (2008). Óxido nítrico: metabolismo e implicaciones clínicas. Revista de Medicina Interna de México, 24 (6), pp. 397-406.

Kandel, E. R., Schwartz, J. H., & Jessel, T.M. (2001). Principios de neurociencia. Madrid: McGrawHill Interamericana.