Leistungsangst im Bett

· 18. Oktober 2018

Es gibt eine Menge psychologischer Faktoren, die jemanden davon abhalten können, normale sexuelle Aktivitäten auszuüben. Heute konzentrieren wir uns auf die Leistungsangst, die in manchen Fällen auch Lampenfieber genannt wird, und schlicht die Angst davor beschreibt, den Erwartungen des Gegenübers nicht gerecht werden zu können. Umgangssprachlich ausgedrückt tritt deartige Leistungsangst grundsätzlich dann auf, wenn du dir zu viele Gedanken darüber machst, wie gut du im Bett bist.

Leistungsangst verhält sich genau wie jede andere Angst, die du aufgrund von Erwartungen in einem bestimmten Kontext entwickeln kannst. Stelle dir einen Studenten vor, der auf dem Weg zu einer mündlichen Prüfung ist. Er hat Ziele, will die Prüfer beeindrucken und die bestmögliche Note bekommen. Wenn er das erreichen möchte, muss er (nahezu) perfekt sein. Doch das belastet ihn so sehr, dass er letztendlich scheitert. Wenn er unter diesem Druck nicht so gelitten hätte, hätte er die gewünschten Ergebnisse aber womöglich erzielt.

Wenn es um sexuelle Dysfunktionen geht, kann die Leistungsangst die Fähigkeit eines Menschen, sexuelle Aktivitäten zu genießen, vollständig blockieren. Es gibt auch eine Reihe von sekundären Problemen, die damit einhergehen. Dazu gehören ein niedrigeres Selbstwertgefühl und mangelnde Kommunikation mit dem Partner.

Was meinen wir mit Angst?

Angst ist eine universelle Erfahrung, die auch ein Teil des menschlichen Seins ist. Angst ist der schrille Ton eines Alarmsystems, welches uns vor Bedrohungen warnen soll. Es handelt sich um eine Emotion, die körperliche Veränderungen und spezifische Verhaltensweisen mit sich bringt. Dazu kommt ein allgemeines Gefühl von Unbehagen. Grundsätzlich hat adaptive Angst aber mehrere Vorteile für uns:

  • Angst kann dir helfen, deine Aufmerksamkeit auf eine potenzielle Bedrohung zu konzentrieren.
  • Sie bereitet deinen Körper darauf vor, dieser Bedrohung zu begegnen, durch Kampf oder Flucht.
  • Dank ihr kannst du die Auslöser und Ereignisse, welche die von dir erlebte Angst umgeben, in deiner Erinnerung abspeichern.
  • Das erlaubt dir, konditionierte Antworten auf diese Angst zu geben.

Eine Frau liegt im Bett und ein Mann sitzt nachdenklich auf der Bettkante.

Es gibt Ereignisse im täglichen Leben, die Angst verursachen können, aber das ist nicht dass Gleiche wie Angst als eine chronische Erkrankung. Angst vor einer Prüfung zu haben, kann eine gute Sache sein, wenn sie motiviert, sich gut vorzubereiten. Auf der anderen Seite, wenn sie sehr intensiv ist oder lange anhält, dann handelt es sich um ein chronisches Problem. In Bezug auf Sex ist meist letzteres der Fall.

Leistungsangst im Bett ist also eine Art von chronischer Angst. Sie beschreibt einen Geisteszustand, der so intensiv ist, dass er dich daran hindert, das zu erledigen, was du dir vorgenommen hast. Mit anderen Worten, wenn deine Angst dich daran hindert, ein befriedigendes Sexualleben zu haben, dann hast du es mit sexueller Leistungsangst zu tun.

Sexuelles Verhalten und Dysfunktionen, die auftreten könnten

Obwohl sexuelles Verhalten viel mit unserer Biologie zu tun hat, gibt es auch zwischenmenschliche, intrapersonale und kulturelle Anlässe dafür. Dies bedeutet, dass die sexuelle Leistung eine Mischung aus biologischen, soziokulturellen und psychologischen Faktoren beinhaltet.

Selbst unter klinischen Bedingungen lässt sich der Ursprung eines sexuellen Problems nicht immer genau bestimmen. Bei der Diagnose einer sexuellen Dysfunktion müssen zuerst jene Probleme ausgeschlossen werden, die besser mit einer nicht-psychischen Störung erklärt werden können. Anatomische und physiologische Aspekte sind einfacher zu definieren als ein größerer Konflikt in der Beziehung, Gewalt oder andere Stressfaktoren.

Ein Mann liegt im Bett und eine Frau sitzt nachdenklich auf der Bettkante.

Sexuelle Dysfunktionen zeigen sich in Symptomen wie erektiler Dysfunktion, verzögerter oder vorzeitiger Ejakulation, weiblicher Orgasmusstörung, weibliche sexuelle Erregungsstörung, genito-pelvine Schmerz-Penettrationsstörung und viele andere mehr.

Wie du sehen kannst, umfasst der Terminus „sexuelle Dysfunktion“ ein breites Spektrum verschiedener Problemen. Was sie alle gemeinsam haben, ist eine signifikante Reduktion der Fähigkeit, Lust zu erfahren und sexuell aktiv zu werden.

Leistungsangst bei sexueller Dysfunktion

Das beste Beispiel für Leistungsangst im Bett ist die, die bei erektiler Dysfunktion besteht. Sie wird ausgelöst von dem, was Abraham und Porto „Angst erzeugende Faktoren“ nannten. Hier sind sie:

  • Angst vor dem Versagen. Diese beinhaltet die Angst davor, dem eigenen Partner nicht gut genug zu sein.
  • Verpflichtung, Ergebnisse zu erzielen. Dies ist die empfundene Notwendigkeit für eine dauerhafte, lang anhaltende Erektion und eine schnelle Erholungsphase.
  • Übermäßiger Altruismus. Dieser Faktor hat damit zu tun, dass der Betroffene sich zu sehr mit der Zufriedenheit des Partners beschäftigt und sich nicht genug auf das eigene sexuelle Vergnügen konzentriert.
  • Selbstbeobachtung. Hierbei geht es darum, den eigenen Penis beim Sex zu beobachten, um zu sehen, wie er reagiert. Einige Experten nennen dies „die Rolle des Betrachters wechseln“.

Wenn ein Mann Probleme mit erektiler Dysfunktion hat, werden die ersten Probleme, die er bei der Aufrechterhaltung einer befriedigenden sexuellen Aktivität hat, wahrscheinlich zufällig auftreten. Erst nach einiger Zeit beginnt er, sich Sorgen um seine Leistung zu machen, was wiederum das ursprüngliche Problem verstärkt.

Die Bedenken in seinem Kopf könnten sich auf folgende Aspekte beziehen: Was, wenn ich meinen Penis nicht steif halten kann? Was, wenn ich nicht eindringen kann? Was, wenn ich meine Partnerin nicht befriedigen kann?  Diese Sorgen führen dann zur Produktion von Stresshormonen wie Kortisol.

In einer dunklen Umgebung sitzt ein nachdenklicher Mann.

Besorgt zu sein ist die Grundlage für Leistungsangst

Die Stresshormone, die durch Sorgen erzeugt werden, sind völlig inkompatibel mit jenen Hormonen, die im Zuge sexueller Aktivitäten ins Spiel gebracht werden. Somit steckt der Betroffene in einem Teufelskreis fest. Der Mann mit erektiler Dysfunktion verspürt einen immer größeren Druck, beim Sex eine Erektion zu erreichen und die andere Person zu befriedigen. Aber wenn das das Ziel ist, ist er zum Scheitern verurteilt.

Die Vorfreude auf die nächste sexuelle Begegnung wird von der Erinnerung an all seine früheren Fehlschläge getrübt. Ja, diese Vorahnung tötet oft sein Verlangen und lässt ihn jegliche sexuelle Aktivität vermeiden. Das heißt mitunter, dass er auch jedes sonstige Zeichen der Zuneigung vermeidet, weil er befürchtet, dass es zu einer sexuellen Handlung führen könnte.

Die andere Person könnte sich am Ende weniger geliebt, unerwünscht, unattraktiv, frustriert fühlen … Sie versteht nicht, dass die Vermeidung von Sex dieser Person helfen soll, einer weiteren Erniedrigung vorzubeugen. Doch das kann nicht die Antwort sein.

Leistungsangst im Bett kann behandelt werden. Klinische Psychologen haben viele wirksame Techniken erarbeitet, um mit ihr umzugehen. Wenn du damit zu kämpfen hast, kannst du dir von einem spezialisierten Psychologen helfen lassen. Dieser wird dir helfen, dein Problem zu lösen und deine sexuelle Beziehung zu deinem Partner zu verbessern.