Stagnation: Wenn es weder vorwärts noch rückwärts geht

10 November, 2017

Es gibt Momente im Leben, in denen wir uns total verwirrt fühlen. Es sind nicht zwingend “schlechte Zeiten” und du musst auch keine großen Schmerzen oder schlimme Probleme ertragen. Vielmehr ist es so, dass du die Tage einfach an dir vorbeiziehen siehst und du tief in deinem Inneren fühlst, dass du dich nicht weiterentwickelst oder wächst. 

Die Routine ist dominant. Jeder Tag gleicht dem anderen und auch wenn du nicht durch größere Turbulenzen gehen musst, schaffst du es einfach nicht, wirklich begeistert von irgendetwas zu sein. Du schaffst es weder, deine Lebenskraft zu aktivieren, noch hast du wirklich Lust darauf, es zu versuchen.  

“Das Leben steht nie still. Es ist ständig in Bewegung, eine Bewegung ohne Rhythmus, weil wir uns ständig ändern. Die Dinge leben dadurch, dass sie sich bewegen und gewinnen an Stärke, während sie dies tun.”

Bruce Lee

Du hast es sogar geschafft, dich an die Probleme zu gewöhnen, bevor sie überhaupt angefangen haben, dir Sorgen zu bereiten. Wenn du in einer mittelmäßigen oder schlechten Beziehung steckst, hörst du auf, etwas verbessern zu wollen. Wenn deine Arbeit dich nicht zufrieden stellt, findest du dich mit dem Job ab, den du hast. Du bewegst dich weder vorwärts noch rückwärts: Du steckst fest.

Steckst du fest? Kommst du nicht weiter?

Lokomotive fährt durch das Wasser

Wenn wir nicht mehr in Kontakt zu unseren Gefühlen und unseren wahren Emotionen treten können, dann kommt es zur Stagnation. Dadurch fühlst du keinen richtigen Impuls mehr, etwas zu tun oder eine Veränderung anzustreben, die dich bereichern würde und dein Leben bedeutungsvoller machen würde. Das sind die Zeichen, die dir zeigen, dass du feststeckst:

  • Du fühlst keinen Enthusiasmus. Du machst alles automatisch und versuchst, nicht so viel darüber nachzudenken. Du willst die Dinge nicht kompliziert machen.
  • Du willst dich zu nichts verpflichten. Du machst einfach nur das, was von dir gefordert wird, sowohl bei der Arbeit als auch in deinem Privatleben. Aber du willst dich nicht wirklich engagieren.
  • Du vermeidest Herausforderungen. Wenn du dich einer möglichen Herausforderung oder einer Neuheit gegenübergestellt siehst, dann gehst du lieber beiseite. Du bist nicht daran interessiert, dich selbst zu testen und siehst auch keinen Sinn darin.
  • Du fühlst dich fast immer müde. Einer deiner Lieblingssätze ist: “Ich bin müde.”  Und es ist richtig, physisch fühlst du, dass du zu wenig Energie hast. Dein Körper fühlt sich schwer an und du wirst schnell träge.
  • Deine Routine ist zu strukturiert. Du machst fast alles jeden Tag gleich. Die gleichen Uhrzeiten, die gleichen Wege, die gleichen Gespräche.
  • Du lehnst alles Neue ab. Jede Neuheit scheint dir unnötige Unannehmlichkeiten zu bringen. Du willst keine Anstrengung in etwas investieren, worüber du nichts weißt.
  • Du fühlst dich ständig träge und gelangweilt. Du gähnst viel und hoffst, dass sie “dich in Ruhe lassen” und dass nichts erfordert, dich zu bewegen. Fast alles langweilt dich, doch am meisten langweilt es dich, über eine Veränderung nachzudenken.
  • Du rechtfertigst deine Einstellung sogar mit Lügen. Du erfindest eine ganze Reihe von falschen “Gründen”, die deine Inaktivität und deine Angst vor Veränderung bestärken. Du redest dich heraus, um deine Stagnation zu rechtfertigen.

Wenn du weder vorwärts noch rückwärts kannst, geh einen Schritt zur Seite

Mädchen mit Maske, Spielkarten und weißen Katzen

Wenn du durch eine dieser Perioden der Stagnation gehst, dann gibt es im Hintergrund sicherlich einen Hauch von Traurigkeit, Wut oder auch beides. Die Tatsache, dass du feststeckst, bedeutet, dass es eine Angelegenheit in deinem Leben gibt, die du regeln musst, auch wenn du es vielleicht nicht bemerkst. 

Eine versteckte Depression ist wie ein kleines Tier, das ständig an dir nagt und dir deine Lebensenergie raubt. Es ist ein dumpfes Brummen, das starke Auswirkungen auf die Wahrnehmung deines täglichen Lebens hat. Als hätte sich ein grauer Schleier über deine Realität gelegt und du würdest alles durch diesen verzerrten Farbton wahrnehmen. Nichts wird dir mehr interessant genug vorkommen, weil du nichts mehr direkt anschaust.

Wut hingegen ist eine der lähmendsten Emotionen überhaupt. Wenn sich die Wut erst einmal in dir festgebissen hat, dann zerfrisst sie die anderen Emotionen. Unterdrückte Wut macht dich hart, sarkastisch und negativ. Sie bringt dich dazu, für alles um dich herum Verachtung zu verspüren und führt dazu, dass du nichts mehr findest, was dein Interesse weckt. Es untergräbt deine Beziehungen zu anderen Menschen und hat auf lange Sicht Auswirkungen auf deine Gesundheit.

Mit leuchtenden Sternen gefüllter Korb

Das Gleiche lässt sich auch auf die Schuld anwenden, die sich manchmal unbewusst einnistet. Wenn du etwas nicht getan oder gesagt hast, oder wenn du etwas getan und gesagt hast, verursacht dies Bedauern und du flüchtest vor der Realität. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Preis dafür ist, dass deine Emotionen und dein Lebenswille sehr schwach werden.

Die Phasen der Stagnation sollten mit Sorgfalt behandelt werden. Manchmal braucht man nur einen Prozess der Erkenntnis und muss die Bedingungen, in denen man lebt, überdenken. Doch manchmal sind sie auch ein Zeichen dafür, dass man kurz davor ist, in eine Krise zu geraten.

Wenn du dich also so fühlst, als könntest du nicht mehr vorwärtsgehen, ist es am besten, zurückzugehen. Du bist an eine Situation in der Vergangenheit gefesselt, die du noch nicht vollkommen überwunden hast und die immer noch deine Gegenwart beeinflusst. Es ist richtig, dass das Leben kein Ponyhof ist und es ist auch nicht jeden Tag eine Party. Aber andererseits ist es genau genommen das einzige und das wertvollste, was du hast.

Leben, ohne wirklich zu leben, sich weder vorwärts noch rückwärts zu bewegen, ist keine Option. Das Leben ist zu kurz, um es für nutzlose Routinen und unbefriedigende Beziehungen zu verschwenden. Dein Frieden und dein Glück sind die einzig wahren Gründe, warum du den Sprung wagen solltest. Die Stille sollte für den Tod übrig gelassen werden.

Blauwal zwischen Wolken und Schiffen

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Christian Schloe