Stärke heißt nicht, viel auszuhalten, sondern loszulassen

· 2. Februar 2016
Wie viele Gewichte schleppt dein Körper mit sich? Wie viele Sorgen nähren dein Geist? Im Leben zählt nur das Essentielle, die Liebe zu sich selbst und zu anderen, Gefühle, die man in Verbindung mit Respekt und Altruismus erfährt. Alle anderen sind Ballast, die uns zu Gefangenen in einer Welt machen, die von zu kurzer Dauer für das tägliche Leid ist.

Wir wissen, dass es nicht einfach ist. Wer hat diesen Rat nicht schon einmal gehört: „Dann lass doch alles stehen und liegen und mach das, was du wirklich willst!“  Doch wie schafft man es, so etwas in die Tat umzusetzen? Oft würde dies bedeuten, sich in einer dramatischen Aktion von zu vielen Dingen auf einmal lösen zu müssen, inklusive einiger uns wichtiger Personen.

Wie mit allem in diesem Leben, muss man auch hier lernen, einen gesunden Mittelweg zu finden. Jeder von uns hat seine Essenz, einige Säulen, auf die er nicht verzichten kann: die Familie, die Kinder, die Arbeit, die dafür sorgt, dass du ein Haus und etwas zum Essen hast.

Wir können nicht mit allem brechen, um den Knopf zum Neustart zu drücken, wenn wir uns in einem bestimmten Moment überlastet fühlen. Doch innerhalb dieser Säulen gibt es sehr wohl Dinge, die wir ändern und auch „loslassen“ können.

Man muss loslassen, aufhören, anderen eine übertrieben wichtige Stellung einzuräumen, sie wichtiger als sich selbst zu machen. Man muss den Wert der Emotionen und der guten Momente vor die Sorgen und vor den Druck stellen. Und wenn es innerhalb dieses persönlichen Panoramas, dieses Mikrokosmos, der uns definiert und uns umgibt, jemanden gibt, der uns schadet und unsere Gegenwart vergiftet, dann sollten wir auch mit diesem unsere Verbindung brechen.

Für unsere Gesundheit und unser persönliches Gleichgewicht reflektieren wir heute über das Konzept wahrer Stärke.

Wenn wir Gefangene des Unglücks werden

Wenn wir im Wörterbuch nach der Definition für Stärke suchen, dann finden wir verschiedene Definitionen, die uns zum Nachdenken anregen sollten. Wir finden als erstes das Konzept von „Kraft und Stärke“.

 Wir finden auch das Bild des „Festungsgeländes in Form einer Burg oder einer Zitadelle“. Doch gleichzeitig lesen wir auch über die Idee, dass es sich um eine „grundlegende Tugend handelt, die darin besteht, die Angst zu besiegen und vor dem Leichtsinn zu fliehen“, und genau in dieser Richtung sollten wir mit unseren Gedanken fortfahren.
Welt

Wenn wir uns mit jemandem treffen und danach fragen, wie es ihm geht, dann erzählt dieser Mensch uns Dinge á la dass er einen Chef hat, der ihn nicht sehr gut behandelt, dass er kaum Zeit für seine Kinder hat, dass sein Partner zu viele Anforderungen stellt oder zu egoistisch ist und dass er sich kaum im Spiegel anschauen könne.

Wir selbst, ganz besorgt, können nicht mehr als „Pass auf dich auf“  sagen, während wir in dem Gesicht des anderen viel mehr Dinge lesen als seine Worte sagen. Und man kann ihn durchaus als starke Person ansehen, wenn er dem Alltag mit Beharrlichkeit begegnet und alles für andere gibt. Trotzdem ist es am wahrscheinlichsten, dass der Moment kommt, an dem er beginnt zu fallen.

Und auch wenn er nicht physisch fällt, so fällt er doch emotional: Die Unzufriedenheit, das Gefühl, eingeengt zu sein, ohne Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung. Solche Menschen, die alles für die anderen geben, die mit Aufrichtigkeit lieben, die jedoch nichts dafür zurückerhalten, an denen zieht das Leben vorbei, ohne ihnen den Atem für einfaches Glück zu geben.

Wenn wir zur Definition aus dem Lexikon zurückkommen, dass Stärke als eine Tugend beschreibt, mit der man Angst besiegt und der Leichtsinnigkeit entkommt, so können wir dem auch hinzufügen, dass eine Person nicht nur dann stark ist, wenn sie dem entgeht oder das besiegt, was sie fürchtet.

Stark sein bedeutet auch, sich selbst die Priorität zu geben und der Herr seines eigenen Lebens zu sein. Dabei manchmal das gehen zu lassen, was uns schadet, was uns daran hindert, mit Integrität und Ausgeglichenheit voranzukommen.

Mond

Wie man im Alltag Stärke zeigen kann

Stark sein bedeutet, jeden Morgen aufzuwachen und etwas zu finden, was uns einen Sinn verleiht, etwas, was uns jeden Morgen Hoffnung macht, ab dem Moment, in dem wir unsere Füße auf den Boden vor unserem Bett setzen.

– Die Welt, auch wenn wir dies nicht glauben wollen, ist voller „Menschen ohne Leben“, Wesen, die in unserer Umgebung ohne Ziel, ohne Hoffnung und ohne Projekte herumziehen. Ein lebendiges Projekt dagegen bedeutet, eine Idee zu haben und uns aus uns selbst heraus Ideen zu verleihen. Dies gibt uns Kraft und Standhaftigkeit.

– Stärke ist nicht nur in dem, der Macht hat, der die Fähigkeit hat, andere zu kontrollieren und zu dominieren. Stark sein bedeutet auch, sich an unserer Freiheit zu erfreuen, diese giftigen Zuneigungen zu vermeiden, die uns schaden und die uns am wachsen hindern.

Stark sein bedeutet auch, zu demjenigen nein sagen zu können, der nur an sich selbst denkt und der nur seine eigene Welt und sein eigenes Universum wahrnimmt, ohne das Leid oder die emotionale Leere wahrzunehmen, die sein Verhalten erzeugt.

– Du wirst stark sein, wenn du dich traust, das gehen zu lassen, was dich nicht glücklich macht, seien es Personen, Dinge, Situationen oder gar Gedanken. Denn manchmal fügt uns nicht nur das Äußere Schaden zu, sondern manchmal ist es unser eigenes Verhalten gegenüber bestimmten Dingen, das uns Mauern und Hindernisse aufstellt.

Hase

Brich mit allem, was dein Leben einzäunt, mit dem, was dir den Atem nimmt und was dein Herz verletzt. Du bist der Protagonist dieses vergänglichen Lebens, in dem wir nur kurze Einmieter sind, liebe also aus aller Kraft denjenigen, der dies verdient und kultiviere diese Stärke, die deinen Träumen Flügel und deinen Werten Wurzeln verleiht.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Lucy Campbell, Amanda Cass