Spiegeltherapie: Worum geht es?

· 1. April 2019

Die Spiegeltherapie ist eine psychologische Technik, die Körper und Seele guttut. Sie hilft, ein negatives Körperbild zu behandeln, Angstzustände abzubauen und Knoten zu lösen, die die Depression verstärken. Kurz gesagt, die Spiegeltherapie ist eine äußerst wirksame Strategie, denn sie hilft uns, die Person vor dem Spiegel lieben zu lernen und uns mit diesem Menschen zu versöhnen, dessen Reflexion uns erschrecken mag.

Viele Frauen und Männer verachten ihr eigenes Spiegelbild. Dies macht sie unbehaglich, lässt sie angespannt oder sogar ängstlich fühlen. Manche Menschen sehen Fettpolster an ihrem Körper, wo es keine gibt. Andere sehen Falten, Narben, Hässlichkeit … einen Körper voller Mängel. Es ist ein unbewusster Prozess, bei dem der Spiegel zu einem Folterobjekt, zum bestimmenden Faktor für das Selbstwertgefühl und die Identität des Einzelnen wird.

Diese Verzerrungen äußern sich häufig in Pathologien wie Essstörungen und dysmorphen Störungen. Aber worin besteht der Unterschied zwischen gesunden Menschen und Betroffenen? Auf der einen Seite steht der gesunde Mensch, der sich so akzeptiert, wie er ist, und stolz auf seinen Körper ist. Auf der anderen Seite sind Betroffene, die an diesen Pathologien leiden, die sich vor ihrem eigenen Körper ekeln, da sie Mängel sehen, die gar nicht existieren, was zu extremem Unbehagen und Leiden führt.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Spiegeltherapie sehr hilfreich sein kann, wenn sich der Patient selbst hasst und extrem unzufrieden mit dem eigenen Körper ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass diese Therapie am besten funktioniert, wenn der Patient gleichzeitig an der Verwaltung seiner Emotionen und negativen Gedanken arbeitet, denn diese beiden Prozesse gehen Hand in Hand. Darauf wollen wir im Folgenden ein wenig näher eingehen.

Ein Mann betrachtet sich im Spiegel.

Was ist die Spiegeltherapie?

Die Spiegeltherapie ist sehr effektiv. Jedoch verstehen Experten immer noch nicht ganz genau, welcher Mechanismus dem Wandel des eigenen Körperbildes eigentlich zugrunde liegt. Wahrscheinlich spielen mehrere Dynamiken eine Rolle. Und da keine zwei Fälle gleich sind, variieren auch die therapeutischen Instrumente, die diese Technik verwendet, je nach den Bedürfnissen des Patienten.

Im Jahr 2016 untersuchte man an der Universität Maastricht (Niederlande) die Mechanismen, die es Bulimie-Erkrankten oder Patienten mit geringer körperlicher Akzeptanz ermöglichten, sich innerhalb eines Monats besser zu fühlen. Eine wichtige Beobachtung war, dass das Aufarbeiten der kognitiven Verzerrungen und Emotionen der Patienten eine essenzielle Rolle bei ihrer Genesung spielte.

Das Journal of Behavior Therapy und Experimental Psychiatry  veröffentlichte auch eine interessante Studie der Universität Granada (Spanien). Die spanischen Forscher belegten, dass bulimische Patienten nach dem Betrachten ihres Spiegelbilds niedrigere Kortisolwerte aufwiesen. Daraus schlossen sie, dass der Anblick des eigenen Spiegelbildes in der Therapie der Bulimie unterstützend wirken kann.

Die drei Techniken der Spiegeltherapie

Während dieser Therapie werden normalerweise zwei sehr spezifische Techniken verwendet:

  • Geführte Betrachtung: In diesem Fall fordert der ausgebildete Psychologe den Patienten auf, seinen Körper zu beschreiben, während er in den Spiegel schaut. Betroffene sollen dabei so neutral und objektiv wie möglich bleiben, als würden sie eine Leinwand beschreiben.
  • Reine Betrachtung: Wenn der Betroffene seinen Körper sieht, beschreibt er diesen frei und mit eigenen Worten. Natürlich ist diese Technik ziemlich hart, da der Patient offensichtlich nicht mag, was er sieht. Meistens beschreibt er sich selbst als hässlich, abscheulich und sogar deformiert. Dies ist jedoch für den therapeutischen Prozess sehr wichtig.

Allerdings wiesen Griffen, Naumann und Hildebrandt (2018) darauf hin, dass diese beiden Techniken nicht bei jedem Patienten wirksam sind. In den Fällen, in denen keine der beiden Maßnahmen Erfolge zeigt, könne man ihrer Meinung nach eine dritte Technik anwenden, die die Dinge vereinfache:

  • Spiegelbetrachtung mit positivem Ansatz: Diese Technik verringert die Angst, die in fast allen Fällen ziemlich schwerwiegend ist. Der Therapeut weist den Patienten an, auf die Körperbereiche hinzuweisen, die er am meisten mag. Die wichtigste Regel, die Betroffene befolgen müssen, ist, dass sie eine positive Sprache verwenden müssen und keine negativen Aussagen über ihr Aussehen machen dürfen. Wenn die Person nichts Attraktives an ihrem Körper findet, greift der Arzt ein und ermutigt den Patienten mit Sätzen wie „Ich finde dich hübsch“, „Deine Haut ist sehr glatt“  oder „Deine Hände sind wunderbar gepflegt“.
Die Spiegeltherapie kann helfen, wenn man sein Spiegelbild nicht mag und den eigenen Körper verzerrt wahrnimmt.

Wie funktioniert die Spiegeltherapie?

Viele Leute fragen sich, wie es möglich ist, dass sich Patienten bereits nach sechs Sitzungen besser fühlen können. Tatsächlich fühlen sich Betroffene deutlich weniger gestresst, ihr Selbstwertgefühl steigt signifikant an und sie fangen an, ihr körperliches Erscheinungsbild viel mehr zu schätzen. In Folge hören sie früher oder später auf, diese körperliche Dysmorphie zu erleben, die sie verfolgt. Wenn ein Patient tatsächlich positiv auf die Spiegeltherapie reagiert, hat das folgende Gründe.

Die vier Säulen des Erfolgs der Spiegeltherapie

  • Änderung der Selbstwahrnehmung: Eine Person mit einer Essstörung bzw. dysmorphen Störung bezieht jede negative Situation ihres Alltags auf ihr eigenes Körperbild. Wenn Betroffene einen Fehler machen, sie von jemandem abgelehnt werden oder jemand sie im Stich lässt, schreiben sie dies automatisch ihrem Körper zu. Diese Therapie hilft, diese negative Selbstwahrnehmung einzudämmen.
  • Reduktion von Furcht und Angst: Mit der Spiegeltherapie können die negativen Emotionen des Individuums reduziert werden, indem eine positive Beziehung zum problematischen Stimulus gefördert wird.
  • Aufmerksamkeitsbias: Wenn der Patient eine scharfe Nase, dicke Knöchel, breite Schultern oder übermäßige Sommersprossen hat, konzentriert er sich nicht auf andere körperliche Merkmale, sondern nur auf diese, die er als Fehler betrachtet. Bei diesem Therapieansatz verliert diese Tendenz an Kraft.
  • Kognitives Recycling: Mit dieser Strategie kann der Patient aufhören, sein Bild durch einen negativen Filter zu sehen. Diese Säule ermöglicht es dem Einzelnen, Respekt und Wertschätzung für sich selbst zurückzugewinnen.

Zweifellos kann diese Technik vielen Menschen helfen, die ihren Körper nur verzerrt wahrnehmen können. Die Spiegeltherapie eignet sich übrigens auch für diejenigen, die keine Essstörung haben, aber trotzdem ihr eigenes Spiegelbild ablehnen.

„Die Leute fragen mich immer: ‚Sie haben so viel Selbstvertrauen, woher kommt das?‘ Eines Tages entschied ich, dass ich schön sei, und führte mein Leben so, als ob ich ein schönes Mädchen wäre. Es hat nichts damit zu tun, wie die Welt uns wahrnimmt. Was zählt, ist, was wir in uns sehen.“

Gabourey Sidibe

  • Delinsky, SS, y Wilson, GT (2006). Exposición al espejo para el tratamiento de la alteración de la imagen corporal. Revista Internacional de Trastornos de la Alimentación , 39 (2), 108-116. https://doi.org/10.1002/eat.20207
  • Jansen, A., Voorwinde, V., Hoebink, Y., Rekkers, M., Martijn, C., y Mulkens, S. (2016). Exposición al espejo para aumentar la satisfacción corporal. Revista de terapia conductual y psiquiatría experimental , 50 , 90-96. https://doi.org/10.1016/j.jbtep.2015.06.002