Songtexte zum Nachdenken: Die Musik von Silvio Rodríguez

· 25. August 2018

Silvio Rodríguez ist ein Musiker, der seit vielen, vielen Jahren für seine unterhaltsamen Konzerte bekannt ist. Dieser kubanische Singer und Songwriter füllt nach wie vor ganze Fußballstadien mit seinen tiefschürfenden Songtexten. Seine Lieder sind voller Allegorien und Metaphern, die zum Nachdenken anregen. Außerdem hat er Songs zu politischen Themen geschrieben, die manchmal vielfältige Interpretationen zulassen.

Rodríguez ist ein Mitgründer von Nueva Trova, einer Musikbewegung, die sich nach der kubanischen Revolution formierte. Nueva Trova kombinieren traditionell beliebte Musikstile mit fortschrittlichen Texten, die politisch und ideologisch aufgeladen sind. Die Texte dieser Musikform sollen die Menschen dazu anregen, alltäglichen Banalitäten zu entfliehen und sich auf die Folgen von Sozialismus, Ungerechtigkeit, Sexismus, Kolonialismus, Rassismus und ähnlichen Gegebenheiten zu konzentrieren.

Es ist schwierig bis unmöglich, die besten Songtexte von Rodríguez zu benennen. Immerhin macht der Mann seit Jahrzehnten Musik und hat in der Zeit mehr als 500 Lieder produziert. Wir haben uns dennoch daran veruscht, einige seiner herausstechendsten Texte zusammenzustellen.

Silvio Rodríguez auf einem Konzert.

Silvio Rodríguez und die Revolution

„Sie sagen, sie werden mich steinigen, wenn die Revolution über uns zusammenbricht. Sie sagen, sie werden mir die Hände und den Mund zertrümmern, mir meine Augen und meine Zunge ausreißen. Das ist die Torheit, in die ich geboren wurde. Die Torheit eines Lebens ohne Preis.“

Rodríguez hat die kubanische Revolution immer verteidigt, soviel geht aus seinen Songtexten hervor. In seinen Texten hinterfragt er jedoch den Preis der Revolution. Er weiß, dass die Menschen deshalb viel verloren haben. Er weiß aber auch, dass sie noch mehr verlieren werden, wenn die Revolution vorbei ist. Er sagt uns, dass er die Position der Revolutionäre akzeptiert und verteidigt, egal, was die Konsequenzen sind.

Andererseits zeigen seine Texte, dass Rodríguez den Kapitalismus und dessen Marktlogik ablehnt. Es ist ihm egal, wenn andere ihn für einen Narren halten, weil er weiß, dass sich die Definition des Närrischen von einer Ära zur nächsten ändern kann. Dieser Gedanke spiegelt sich in den folgenden zwei Zeilen wider: „Wenn Wissen kein Recht ist, dann muss es ein Links sein“ und „Ich lebe, um zu fragen. Wissen kann kein Luxus sein“.

Stacheldraht als Notenzeilen

Silvio Rodríguez und die Liebe

„Die Welt, ein Tag im Jahr. Wie viele Liebende reichen sich die Hand in der Ehe, ohne Entfernungen, Zäune, Ozeane oder lange Jahre voller Vorurteil vor sich zu sehen. Sie sehen Schönheit. Am Ende macht die Liebe sie glücklich und sie haben immer Gutes über die Liebe zu sagen.“

In vielen von Rodríguez’ Songs geht es um die Liebe. Allerdings ist nicht immer klar, ob Rodríguez dabei romantische Liebe meint. Zum Beispiel: „Meine Liebe braucht keine Grenzen. So wie der Frühling zieht sie nicht einen Garten einem anderen vor.“  In diesem Text scheint Rodríguez eher die Liebe zur Menschheit oder zu einem Land zu besingen.

Ganz klar ist aber, dass er die Liebe als eine Waffe der Schöpfung sieht: „Nur die Liebe vollbringt Wunder. Nur die Liebe verwandelt Dreck in ein Wunder.“  In seinen Texten macht er deshalb deutlich, dass die Liebe alles kann: „Lass uns trotz allem weiterlieben. Liebe ist die wahre Kraft unter den Kräften.“

In wenigen Worten macht Rodríguez zudem klar, dass Liebe immer Spuren hinterlassen wird: „Die Liebe ist wie eine Geige. Die Musik mag hin und wieder stoppen, aber die Saiten erinnern sich für immer.“

Was Silvio Rodríguez meint

„Ich möchte lieber über das sprechen, was unmöglich ist. Wir reden schon genug über das Mögliche.“

Rodríguez will uns nichts erzählen, was wir schon wissen. Er möchte keine Lieder machen, die nur bestätigen, was alle bereits zu wissen glauben. Rodríguez möchte uns zum Nachdenken und Reflektieren bringen. Er spricht auch von Hoffnung und darüber, wie die Zukunft ein besserer Ort sein könnte.

In einer seiner bekanntesten Zeilen singt Rodríguez: „Ich hoffe, der Regen hört auf, ein Wunder zu sein, das an deinem Körper abperlt. Hoffentlich kann der Mond ohne dich aufgehen. Die Erde soll nicht deine Schritte küssen.“  Der Musiker scheint hier Kritik zu üben. Vielleicht an einer Führungsfigur, die ihn enttäuscht hat, oder an einem Land. Es könnte auch einfach um Liebeskummer gehen, wie der Singer und Songwriter selbst gesagt hat.

Wer ist Silvio Rodríguez?

„Vielleicht ist es kein guter Zeitpunkt oder vielleicht rede ich im Fieber. Ich bin alles, was die Menschen von mir glauben. Urteilt nicht mehr.“

Wir neigen dazu, Menschen ein Etikett zu verpassen. Wir kategorisieren andere gern und vergessen dabei, dass Menschen mehr sind als eine Marke. Rodríguez versucht, sich dem zu entziehen. Mit seinen Zeilen zeigt er uns, dass er alles ist, was ihm zugeschrieben wird, aber auch noch viel mehr. Er fordert uns auf, uns von Urteilen und Etiketten zu verabschieden und unsere Einzigartigkeit anzuerkennen.

An dieser Stelle soll betont werden, dass diese Interpretationen von Rodríguez‘ Texten natürlich nur einige unter vielen möglichen Interpretationen sind. Seine Songtexte regen zum Nachdenken an. Sie erfordern einen kritischen Verstand und müssen in ihrem Zusammenhang begriffen werden.

Beenden wir diesen Artikel mit einem letzten Zitat: „Das Schlimmste lernen wir sofort. Das Schöne kostet unser Leben.“