Sieben Paradigmen der Psychologie: Grundlage für ihr Verständnis

1. März 2020
Es gibt so viele Wege, die Psychologie zu verstehen, wie es Möglichkeiten gibt, das menschliche Verhalten zu begreifen. In diesem Artikel wollen wir dir sieben Paradigmen der Psychologie vorstellen, die dir die Grundlage für ein besseres Verständnis liefern werden.

Wenn es um menschliches Verhalten geht, kann man mit Sicherheit sagen, dass es viele Möglichkeiten gibt, es zu begreifen und zu analysieren. Gleiches gilt auch für das Verständnis von Psychologie. Sie ist die wissenschaftliche Disziplin, die nach Erklärungen für mentale Prozesse und menschliche Verhaltensweisen sucht. Es gibt verschiedene Paradigmen der Psychologie, die alle versuchen, diese Erklärungen zu liefern.

Daher ist die Frage berechtigt, wie überhaupt eine Einigkeit über die Betrachtung menschlichen Verhaltens erreicht werden kann, wenn es so viele verschiedene Denkansätze und Perspektiven gibt.

Psychologen nutzen unterschiedliche Ansätze, um zu untersuchen, wie Menschen denken, fühlen und sich verhalten. Unabhängig vom jeweiligen Denkansatz ist das Untersuchungsobjekt unveränderlich und die Schlussfolgerungen liegen meistens nicht weit voneinander entfernt. In unserem heutigen Artikel wollen wir dir sieben Paradigmen der Psychologie vorstellen, die dir dabei helfen sollen, die Psychologie besser zu verstehen.

Einige Forscher haben sich dazu entschieden, sich auf eine bestimmte Denkschule zu konzentrieren. Andere wiederum wählen einen umfassenderen Ansatz und berücksichtigen verschiedene Denkschulen und Ansätze bei ihrer Arbeit. Grundsätzlich ist per Definition keines der verschiedenen Paradigmen der Psychologie besser als ein anderes. Jeder Denkansatz betont einfach bestimmte Aspekte des menschlichen Verhaltens. Daher bleibt es dir selber überlassen, mit welchem dieser Paradigmen der Psychologie du dich näher befasst, um diese Disziplin zu verstehen.

Aus psychologischer Sicht ist ein Paradigma eine Perspektive, die bestimmte Vermutungen über das menschliche Verhalten impliziert, welche sich von den Vermutungen anderer Paradigmen oder Denkschulen unterscheiden. Obwohl es auch innerhalb der einzelnen Paradigmen der Psychologie unterschiedliche Theorien geben mag, basieren diese dennoch auf den gleichen Grundlagen, wenn sie zur gleichen Denkschule gehören.

Paradigmen der Psychologie - Gehirn aus Bauklötzen

Sieben Paradigmen der Psychologie, anhand derer du sie besser verstehen kannst

Heute gibt es viele grundlegend verschiedene Denkansätze, um menschliches Verhalten zu erklären. Die sieben wichtigsten Paradigmen der Psychologie sind die folgenden:

  • Behavioristischer Denkansatz
  • Kognitiver Denkansatz
  • Biologischer Denkansatz
  • Psychodynamischer Denkansatz
  • Humanistischer Denkansatz
  • Evolutionärer Denkansatz
  • Soziokultureller Denkansatz

Nachfolgend werden wir alle sieben Paradigmen der Psychologie eingehender betrachten und erklären, was sie jeweils beinhalten:

Paradigmen der Psychologie: Der behavioristische Denkansatz

Der Behaviorismus unterscheidet sich von den meisten anderen Paradigmen der Psychologie, weil er davon ausgeht, dass Menschen (und auch Tiere) normalerweise von ihrer Umgebung kontrolliert werden. Daher sind wir nach Auffassung des Behaviorismus das Resultat dessen, was wir durch Reize, Verstärker und Assoziationen erlernt haben. Aus diesem Grund untersucht diese Denkschule, wie Umgebungsfaktoren (Reize) unser beobachtbares Verhalten (Reaktion) beeinflussen.

Der behavioristische Denkansatz unterscheidet zwei Prozesse, durch die Menschen von ihrer Umgebung lernen: klassische Konditionierung und operante Konditionierung. Iwan Pawlows Experimente zeigen die klassische Konditionierung, während sich B. F. Skinner mit der operanten Konditionierung befasste.

Außerdem vertritt die behavioristische Denkschule die Auffassung, dass nur beobachtbares Verhalten untersucht werden sollte, da es das einzige messbare Verhalten ist. Darüber hinaus negiert der Behaviorismus die Vorstellung, dass Menschen einen freien Willen haben. Wie wir bereits erwähnt haben, glaubt er, dass die Umgebung des Individuums dessen gesamtes Verhalten bestimmt.

Der kognitive Denkansatz

Der kognitive Denkansatz vertritt die Auffassung, dass wir herausfinden müssen, welche Gedanken Menschen haben, wenn wir verstehen wollen, was sie zu bestimmtem Verhalten veranlasst. Daher konzentriert sich diese Schule auf die Analyse der mentalen Prozesse. Mit anderen Worten, aus der kognitiven Perspektive untersuchen Psychologen die Kognition. Sie ist der mentale Akt oder Prozess, durch den Menschen Wissen erwerben.

Darüber hinaus befasst sich das kognitive Paradigma mit mentalen Funktionen wie dem Gehirn, der Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und anderen. Außerdem geht der Kognitivismus davon aus, dass die Informationsverarbeitung beim Menschen ähnlich funktioniert wie bei Computern.

Paradigmen der Psychologie - Frau hält eine Wolke

Paradigmen der Psychologie: Der biologische Denkansatz

Zu den Paradigmen der Psychologie gehört auch der biologische Denkansatz. Dieser erklärt das Verhalten anhand der zugrunde liegenden Genomik des Menschen. Der hauptsächliche Studienschwerpunkt liegt hier in der Untersuchung, wie die Gene das menschliche Verhalten beeinflussen. Auch dieser Denkansatz ist sehr besonders, da er davon ausgeht, dass die meisten Verhaltensweisen vererbt sind und eine adaptive Funktion haben.

Darüber hinaus basiert dieses Paradigma auf der Beziehung zwischen dem Verhalten und den Gehirnmechanismen, die dieses Verhalten unterstützen. Daher sucht er die Ursachen unseres Verhaltens in der Aktivität der Gene, des Gehirns, des Nervensystems und der endokrinen Systeme. Mit anderen Worten, der biologische Denkansatz versucht zu verstehen, wie all diese Systeme miteinander interagieren.

Daher untersuchen Psychobiologen, welcher Zusammenhang zwischen unserem Körper und unserem Verhalten, unseren Gefühlen und Gedanken besteht. Sie versuchen also zu verstehen, wie Körper und Geist zusammenarbeiten, um Emotionen, Erinnerungen und sensorische Empfindungen zu erzeugen.

Der psychodynamische Denkansatz ist ebenfalls eines der Paradigmen der Psychologie

Wenn wir von einem psychodynamischen Denkansatz sprechen, dann bedeutet das automatisch, dass wir von Sigmund Freud sprechen. Er entwickelte psychodynamische Prinzipien, indem er beobachtete, wie das Unterbewusste die Psyche seiner Patienten kontrollierte. Und genau das ist es auch, was psychodynamische Psychologen oder Psychoanalytiker tun; sie unterstreichen den Einfluss der inneren Triebe und Konflikte auf das Verhalten.

Dieser Denkansatz besagt, dass menschliche Handlungen aus angeborenen Instinkten, biologischen Impulsen und den Versuchen, Konflikte zwischen persönlichen Bedürfnissen und den gesellschaftlichen Anforderungen zu lösen, entstehen.

Außerdem besagt der psychodynamische Ansatz, dass bestimmte Ereignisse in unserer Kindheit einen signifikanten Einfluss auf unser Verhalten als Erwachsene haben können. Daher wird unser Verhalten als Ganzes durch unsere Kindheitserfahrungen und unser Unterbewusstsein bestimmt. Demzufolge haben Menschen nur wenig Bereitschaft dazu, Entscheidungen zu treffen.

Darüber hinaus ist auch Freuds Theorie der psychosexuellen Entwicklung ein wichtiger Aspekt der psychoanalytischen Denkschule. Diese Theorie zeigt, wie frühe Erfahrungen die Persönlichkeit im Erwachsenenalter beeinflussen. Außerdem besagt sie, dass die Stimulation bestimmter Körperzonen wichtig ist, während das Kind die einzelnen Entwicklungsstadien durchläuft.

Der humanistische Denkansatz

Der humanistische Denkansatz untersucht ein Individuum als komplette und integrierte Einheit. Daher betrachten humanistische Psychologen menschliches Verhalten nicht nur aus der Sicht eines Beobachters, sondern auch aus der Perspektive des Individuums selbst. In diesem Ansatz wird betont, wie wichtig es ist, das Zusammenwirken aller Lebensbereiche eines Individuums zu berücksichtigen.

Daher geht dieses Paradigma der Psychologie davon aus, dass das Verhalten eines Menschen mit seinen inneren Gefühlen und dem Bild, das er von sich selbst hat, zusammenhängt. Außerdem konzentriert sich die humanistische Perspektive auf die Idee, dass jeder Mensch einzigartig ist und die Freiheit hat, sich jederzeit zu verändern.

Diese Sichtweise besagt, dass wir alle für unser eigenes Glück und unsere Zufriedenheit verantwortlich sind. Daher haben wir eine angeborene Fähigkeit zur Selbstverwirklichung, die unser Bedürfnis anregt, unser Potenzial zu entwickeln.

Weitere Paradigmen der Psychologie: Der evolutionäre Denkansatz

Das evolutionäre Paradigma geht davon aus, dass sich das Gehirn und somit auch der Geist entwickelt haben, um die Probleme zu lösen, die unsere Vorfahren als Jäger und Sammler in der Altsteinzeit vor mehr als 10.000 Jahren hatten. Mit anderen Worten, diese Strömung erklärt menschliches Verhalten anhand der selektiven Kräfte, die unser Verhalten im Laufe des gesamten Prozesses der natürlichen Evolution geformt haben.

Gemäß diesem Paradigma hat sich beobachtbares Verhalten entwickelt, weil es adaptiv ist. Wie du sehen kannst, ähnelt dieser Denkansatz in diesem Aspekt dem biologischen Paradigma. Außerdem besagt dieser Denkansatz, dass unser Verhalten einen Prozess der natürlichen Selektion durchlaufen hat. Grundsätzlich werden die Individuen, die am besten angepasst sind, überleben und sich fortpflanzen.

Verhaltensweisen können auch sexuell selektiert werden. Der evolutionäre Denkansatz sagt, dass Menschen, die erfolgreicher dabei sind, Zugang zu sexuellen Ressourcen zu erlangen, sich häufiger fortpflanzen werden. Aus diesem Grunde werden auch ihre Eigenschaften im Laufe der Zeit häufiger auftreten. Das wiederum führt dazu, dass der Geist voller Instinkte ist, die es unseren Vorfahren erlaubten, zu überleben und sich fortzupflanzen.

Kurz gesagt, der evolutionäre Denkansatz konzentriert sich auf die Bestimmung der relativen Bedeutung genetischer Faktoren und Erfahrungen in Bezug auf bestimmte Verhaltensaspekte.

Der soziokulturelle Denkansatz

Das soziokulturelle Paradigma, das letzte der sieben Paradigmen der Psychologie, untersucht, wie Gesellschaft und Kultur unser Verhalten und Denken beeinflussen. Es basiert auf den kulturellen und sozialen Einflüssen, die Menschen umgeben und die Art und Weise, wie diese das Denken und Handeln des Einzelnen beeinflussen.

Aus dieser Perspektive ist Kultur der bestimmende Faktor des menschlichen Verhaltens. Daher untersucht der soziokulturelle Denkansatz die Unterschiede zwischen verschiedenen Gesellschaften. Zu diesem Zweck werden die Ursachen und Konsequenzen des Verhaltens von Bewohnern verschiedener Länder untersucht. Danach wird das Verhalten unter Berücksichtigung des individuellen kulturellen Kontextes interpretiert.

Der soziokulturelle Ansatz besagt, dass Kultur und Geist untrennbar miteinander verbunden sind, da sie sich gegenseitig erschaffen. Dies erklärt auch, warum sich dieser Denkansatz auf die Interaktionen zwischen Menschen und ihrer Umgebung konzentriert.

“Das menschliche Verhalten entstammt drei Hauptquellen: Sehnsucht, Emotion und Wissen.“

-Plato-

Ryle, G. (2005). El concepto de lo mental. Barcelona: Ed. Paidós.