Sich schnell angegriffen fühlen – eine schlechte Angewohnheit

· 23. Juni 2018

Wir alle kennen Personen, die sich schnell angegriffen fühlen. Es ist sehr schwierig, mit dieser Art von Menschen umzugehen, da sie jederzeit wegen etwas eingeschnappt sein können, das uns nicht mal im Traum als Grund eingefallen wäre, um beleidigt zu reagieren.

Das Schwierige dabei ist, dass diese Menschen oftmals wegen Tatsachen oder Situationen, die es im Grunde genommen gar nicht wert sind, verärgert sind oder sich unwohl fühlen. Sei es wegen eines unbedeutenden Scherzes, einer winzigen Vergesslichkeit oder einer Wortwahl, die ihnen unangebracht erscheint. In manchen Fällen sollten wir von einer extremen Überempfindlichkeit sprechen. In anderen wiederum ist es einfach die Angewohnheit, die Dinge persönlich zu nehmen.

„Wer das Lachen nicht kennt, kennt wohl die Traurigkeit, und die ist noch komplexer.“

Javier Marías

Sowohl für denjenigen, der sich so fühlt, als auch für die Menschen in seinem Umfeld, wird das bald zu einem Problem. Diese Haltung führt letztendlich dazu, Beziehungen zu anderen einzuschränken. Darüber hinaus erzeugt sie fast immer unnötigerweise großes Leid. Warum gibt es Menschen, die sich schnell angegriffen fühlen? Und was können wir in solchen Fällen tun?

Warum man sich schnell angegriffen fühlt

Wir bekommen das Gefühl, dass man uns angreift, wenn wir die Situation so wahrnehmen, als würden uns unsere Mitmenschen verachten und minderwertig behandeln. Es passiert auch, wenn wir nicht anerkannt werden, oder wenn nicht anerkannt wird, was wir tun. Natürlich verletzt uns das, aber wenn wir mal ehrlich sind, ist das unser täglich Brot.

Mann sitzt mit Tüte über dem Kopf am Schreibtisch

Für manche Menschen ist diese Art von Situationen jedoch nicht akzeptabel. Sie übergehen sie nicht einfach, sondern versteifen sich darauf. Sich schnell angegriffen fühlen kann dabei unterschiedliche Ursachen haben. Nachfolgend möchten wir dir ein paar der Gründe aufzeigen:

  • Minderwertigkeitsgefühl: Wenn das Selbstwertgefühl geschwächt ist und es kein starkes Ego gibt, kann es sein, dass sich jemand schnell angegriffen fühlt. Demjenigen kommt es so vor, als würden ihn die anderen ständig daran erinnern wollen, dass er minderwertig wäre. Doch es sind nicht die anderen, sondern sein Komplex, der ihm dieses Gefühl gibt.
  • Eine starre Denkweise: Das trifft auf all diejenigen zu, die überzeugt sind, dass man bestimmte Aufgaben nur auf eine definierte Weise erledigen sollte. Wenn etwas nicht diesen Parametern entspricht, haben sie das Gefühl, das das Ganze aus dem Ruder liefe und sind beleidigt. Darüber hinaus fühlen sie sich schnell angegriffen, wenn etwas gegen ihre Glaubenssätze geht.
  • Ichbezogenheit: Dem eigenen Ich zu viel Bedeutung zuzuschreiben, führt dazu, dass wir ein wenig paranoid werden. Wir glauben dann, dass sich alles um unser Umfeld drehe und uns unsere Mitmenschen ständig kommentieren, anschauen und über uns reden würden.

Mit kontroversen Themen, wie Religion, Sexualität, politische Ideologien oder Nationalismus, sollten wir vorsichtig umgehen. Das sind Themen, die empfindliche Gemüter leicht erregen können. Vor allem ist das der Fall, wenn sich der Betroffene eh schon schnell angegriffen fühlt.

Angriffe und ihre wahre Bedeutung

Viele sagen: „Niemand greift dich an. Du selbst bist derjenige, der sich angreift“,  und sie haben recht damit. Jeder hat das Recht, zu denken, zu meinen und zu sagen, was er möchte. Natürlich gibt es hierbei eine Grenze und Gewalt ist und bleibt inakzeptabel. Aber zwischen Gewalt und einer Meinung oder einer Einstellung, die uns missfällt, liegen Welten. Niemand, der sich schnell und ständig angegriffen fühlt, kann ein gesundes Leben leben.

Finster schauende Eule

Was können wir also tun? Die nachstehenden Empfehlungen können einem Menschen helfen, der sich schnell angegriffen fühlt:

  • Niemand hat dich angegriffen, sondern nur verärgert. Vielleicht glaubst du, dass andere auf eine bestimmte Weise denken oder handeln sollten. Falls sie das nicht tun, liegt das Problem aber eher in deinen Erwartungen als darin, dass deine Mitmenschen tatsächlich falsch liegen.
  • Leben und leben lassen. Niemand hat das Recht, das Verhalten einer anderen Person zu ändern. Du solltest verstehen, dass wir andere so akzeptieren müssen, wie sie sind, und dass wir im Gegenzug von ihnen verlangen können, uns zu akzeptieren, wie wir sind.
  • Kein beiläufiger Kommentar wird dein Leben ändern. Menschen können gut oder schlecht von dir denken. Doch weder das eine noch das andere wird den Verlauf deines Lebens tatsächlich beeinflussen. Was zählt, ist, wie du dich selbst siehst und ob du dich in deiner Haut wohlfühlst.
  • Lerne, über dich selbst zu lachen. Nimm nicht alles so ernst. Dadurch erreichst du nur, dass du dich selbst zur Zielscheibe für alles machst, was dein Ego angreift. Wenn du dich so verhältst, schadest du lediglich dir selbst und distanzierst dich von anderen.

Es ist wichtig, dass wir lernen, uns die Kommentare oder Meinungen anderer nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Sich schnell angegriffen zu fühlen hat lediglich zur Folge, ständig im Konflikt mit anderen zu sein, und in den meisten Fällen wegen unbedeutender Dinge.