Sich lieben, um lieben zu lernen

· 27. November 2015

„Sich selbst zu lieben
ist der Beginn eines Abenteuers,
das das ganze Leben lang dauert.“

Oscar Wilde

Sich selbst lieben – das ist Teil eines grundlegenden Prozesses in unserem Leben, der es uns erlaubt, andere Menschen auf ehrlichere Weise zu lieben.

Dieser Vorgang dauert das ganze Leben lang, da viele Umstände uns regelmäßig auf die Probe stellen: Enttäuschungen, Frustrationen, begangene Fehler, nicht erreichte Ziele, Brüche in unserem Leben, Mutlosigkeit – unendlich viele tägliche Prüfungen, denen wir uns unterziehen, und wir lassen zu, dass sie unsere Wahrnehmung unseres eigenen, persönlichen Werts beeinflussen.

Wo platzieren wir unseren Wert?

Dieser persönliche Wert hängt nicht davon ab, was wir schaffen, oder was wir haben, sondern viel mehr von der Haltung, mit der wir jeden Schritt in unserem Leben angehen, um zu erreichen, dass wir uns selbst bedingungslos lieben.

Es ist schwierig, etwas zu geben, was man nicht besitzt, und wenn eine Person keine Liebe sich selbst gegenüber besitzt, kann sie diese nur schwerlich an andere weitergeben. Man könnte glauben, dass sie die anderen lieben, allerdings fällt diese Person ständig in die Manipulation, Ansprüche und emotionale Erpressung.

Wenn wir gelernt haben, uns bedingungslos zu lieben, suchen wir diese Liebe außerhalb von uns, in anderen Menschen, und sorgen damit dafür, dass unser Wert davon abhängig ist, wie die anderen uns behandeln oder wertschätzen. Auf diese Weise bleiben wir dem äußeren Urteil vollständig ausgesetzt.

Diese Art der Abhängigkeit schadet uns so weit, dass wir um Liebe und Zuneigung betteln, Aufmerksamkeit einfordern und gefälliges Benehmen an den Tag legen, um Blicke, Annäherung und die Achtung der anderen zu erlangen.

Um herauszufinden, ob du dich bedingungslos liebst, solltest du dir folgende Frage stellen:

Hängt mein persönlicher Wert von äußeren Faktoren ab?

Love Yourself

Lernen, auf sich zu achten

In unserer Kultur ist es besonders üblich, dass wir dem Äußeren eine große Bedeutung zumessen, dem, was um uns herum passiert, um uns einen Eindruck von uns selbst zu verschaffen.

Häufig wird das Sich-selbst-Lieben sogar als egoistische Haltung angesehen. Dies ist ein vollkommener Irrglaube, da die Liebe anderen gegenüber mit der Liebe zu sich selbst beginnt und sie wiederum Teil der allgemeinen Liebe und der Liebe gegenüber der Menschheit ist.

Die Art und Weise, in der wir für uns selbst sorgen, steht in engem Bezug dazu, wie wir uns selbst wahrnehmen, und zu der seelischen Verfassung, in der wir uns befinden. Nicht auf sich selbst Acht zu geben bringt eine gewisse Aggression und ein Ignorieren der eigenen Bedürfnisse mit sich.

„Sich um sich zu kümmern bedeutet, auf sich zu achten. Auf die eigenen Bedürfnisse zu hören. Zu erkennen, dass wir existieren und einen Platz in der Welt einehmen, und dass wir das Recht haben, uns gut zu fühlen und in allen Bereichen unserer Existenz für unser Wohlbefinden zu sorgen.

Fina Sanz

Die gegenseitige Rücksicht in unser Leben einzubinden, erlaubt es uns, auf unsere Bedürfnisse Acht zu geben, ohne sie über die der anderen zu stellen. Dafür ist es unverzichtbar, diese Bedürfnisse zu kennen und weiter zu erforschen. Was letztendlich heißt: lernen, auf sich Acht zu geben.

Auf sich Acht geben

Sich selbst akzeptieren: Ein Akt des Mitgefühls

Zu akzeptieren, was wir sind, bedeutet, uns mit unseren Fehlern anzunehmen und sie zu vergeben; unsere Fähigkeiten und Grenzen, unsere Tugenden und Mittel zu entdecken, über die wir verfügen. Die Gesamtheit, die wir von einer globalen Perspektive aus bilden, anzunehmen.

Eine bessere Selbstkenntnis bedeutet ein besseres Verständnis.

Wenn wir auf uns Acht geben und uns verstehen, sind wir in der Lage, uns nicht zu verurteilen, und uns nicht für die Fehler anzuschuldigen, die wir gemacht haben. Auf diese Weise können wir den Weg zur Selbstakzeptanz in Angriff nehmen.

Durch die Akzeptanz nähern wir uns der bedingungslosen Liebe an, wie einem Akt des Mitgefühls und des Verständnisses dem gegenüber, wer wir sind. Ohne dass unsere eigenen Ansprüche unsere Fähigkeit zu begrenzen, uns zu lieben und in der Folge, die anderen zu lieben.

Somit werden wir auf ehrliche Weise Beziehungen aufbauen können, die nicht auf der Suche nach Anerkennung basieren. Indem wir uns lieben, können wir uns wirklich der Liebe zu anderen hingeben; auch hier wieder auf mitfühlende Weise dank der Akzeptanz.

„Jedes Wachsen benötigt Liebe, allerdings bedingungslose Liebe. Wenn die Liebe Bedingungen stellt, kann das Wachstum nicht absolut sein, weil diese Bedingungen das Wachstum behindern.

Liebe bedingungslos, fordere nichts im Gegenzug. Du wirst viel erhalten ohne die Notwendigkeit, darum zu bitten – du wirst es in etwas anderes verwandeln – , aber du wirst kein Bettler sein. Sei ein Eroberer in der Liebe. Gib nur und beobachte, was passiert; du wirst tausendmal mehr zurückbekommen. Aber du musst den Trick lernen. Andernfalls wirst du weiterhin geizig sein; du wirst ein bisschen geben und hoffen, etwas zu bekommen, und diese Hoffnung und diese Erwartung werden die gesamte Schönheit deiner Taten zerstören.“

Osho

Verwendete Quelle:

– Sanz, F. (1995). Los vínculos amorosos: amar desde la identidad en la terapia de reencuentro. Kairós. (Nicht auf Deutsch erhältlich)