Sich für andere aufopfern: Ist es das wert?

Hast du dich schon einmal für jemanden aufgeopfert? Es wird oft gesagt, dass wir für jedes Opfer, das wir aus Liebe bringen, etwas zurücklassen müssen. Doch eigentlich sollte Liebe nicht Verlust, sondern Gewinn bedeuten...
Sich für andere aufopfern: Ist es das wert?
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 21. Dezember 2022

Sich für andere aufopfern: Kennst du das? Wir schätzen und bewundern Menschen, die in der Lage sind, auf Dinge zu verzichten, um anderen zu helfen. Manche Eltern geben ihren Job für ihre Kinder auf, andere geben ihr Land für einen Partner auf, wiederum andere verzichten auf ihr bequemes Leben, um sich für humanitäre Zwecke einzusetzen.

Alle haben eines gemeinsam: Sie scheuen nicht davor zurück, auf gewisse Dinge zu verzichten. Sie entscheiden zwischen zwei Werten für jenen, von dem sie überzeugt sind, auch wenn dies Verzicht bedeutet. Die Selbstaufopferung war schon immer Teil des menschlichen Lebens, doch sie führt nicht immer zu Wohlbefinden oder Zufriedenheit. Es ist durchaus möglich, in einem bestimmten Moment einen Sinn und Zweck darin zu sehen. Es gibt jedoch auch Augenblicke, in denen aufopfernde Menschen Verluste, Mangel oder sogar Bedauern empfinden.

Wir laden dich heute ein, mit uns darüber nachzudenken.

Chica con cabeza recostada preguntándose si vale la pena sacrificarse por los demás

Sich für andere aufopfern: Wann ist es gerechtfertigt?

Wenn sich jemand für andere aufopfert, erregt dies immer Aufmerksamkeit, und zwar aus einem ganz bestimmten Grund. Wir neigen zu Pessimismus und glauben, dass die meisten Menschen egoistisch sind anstatt Altruismus und Mitgefühl zu zeigen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Wenn wir als Spezies überlebt haben, dann dank unseres Sinns für Gruppe und Zusammenarbeit.

So deuten Studien wie die von Dr. Mary McGrath von der Universität Yale darauf hin, dass wir im Laufe der Evolution die Wichtigkeit des Zusammenhalts gelernt haben und uns dies auch heute noch das Gefühl gibt, dass es sinnvoll und nützlich ist, sich für andere aufzuopfern. Wir machen das seit dem Beginn der Menschheit.

Wir machen es für unsere Kinder, für Menschen, die wir lieben, für unsere Zukunft… Manche Menschen haben einen gewissen Märtyrerkomplex und machen das praktisch ihr ganzes Leben lang. Andere hingegen werden niemals den Schritt zu diesem Akt des Verzichts oder gar der Entsagung wagen.

Die Psychologie beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dieser Tatsache und es gibt einen ganz bestimmten Aspekt, der oft hervorgehoben wird. Wir müssen lernen, für wen und unter welchen Umständen wir welches Opfer bringen. Denn nicht immer ist diese großzügige Handlung förderlich und nicht jede Person hat sich das verdient.

Sich für andere aufopfern: Nur wenn es Sinn ergibt!

Selbstlosigkeit sollte dich nicht zu einem Opfer machen oder aus dem Gleichgewicht bringen. Du solltest nicht dein Leben für einen Menschen opfern, sondern auf gewisse Dinge verzichten, um Größeres zu erreichen, das Sinn ergibt. So kannst du zum Beispiel deine Heimat für eine geliebte Person aufgeben, weil du dafür einer glücklicheren Zeit entgegenblickst.

Sich für andere aufzuopfern, macht Sinn, wenn sich dadurch deine Realität verbessert oder du einen größeren Sinn in deiner Existenz findest. Letzteres ist relevant, weil es oft vorkommt, dass dieses Opfer aufgezwungen und nicht gewählt wird.

Als Kuriosität erzählen uns Studien wie die der Universität von Ontario (Kanada) von einer bemerkenswerten Tatsache. Kulturell und gesellschaftlich sind es Frauen, die im Bereich der affektiven Beziehungen schon immer die größten Opfer bringen mussten (Betreuung von Kindern, älteren Menschen und abhängigen Personen). In gewisser Weise wurde das Gewicht der Geschlechterrollen von dieser Realität beeinflusst.

Es geht nicht nur um dich, sondern auch um mich

Sich für andere aufopfern ist manchmal eine Notwendigkeit. Hier kommen Menschen mit dem Weißer-Ritter-Syndrom ins Spiel, Männer und Frauen, die andere retten müssen und große Opfer für andere bringen. Eine Studie am Cambridge Institute of Brain and Cognition Sciences sowie andere Forschungsarbeiten bekräftigen eine interessante Theorie:

Es gibt Menschen, die aus einem fast schmerzhaften und sogar egoistischen Altruismus heraus alles geben und sich für andere aufopfern müssen, weil sie damit ihre eigenen Qualen verringern wollen. Wenn ich wegen einer bestimmten Sache unzufrieden oder unglücklich mit mir selbst bin, kann ich mich dafür entscheiden, alles für jemand anderen aufzugeben, um mich zu erholen.

Wie wir sehen, gibt es verschiedene Arten der Selbstaufopferung, aber die Extreme sind die, die von der Gesellschaft auferlegt werden, und die, die man sich selbst auferlegt, um Buße zu tun.

Paar will sich für andere aufopfern

Sich für andere aufopfern, eine Reise mit Fehlern und Erfolgen

Auf der Reise des Lebens muss man Risiken eingehen und sogar große Vertrauenssprünge machen, ohne zu wissen, was passieren wird. Wir alle haben schon einmal Opfer gebracht, um jemandem zu helfen oder ein Ziel zu erreichen. Wir haben einen Sprung ohne Fallschirm gewagt und am Ende ist diese riskante Entscheidung schiefgegangen. Aber es war das, woran wir geglaubt haben, wir waren davon überzeugt und uns fehlte die Erfahrung, die wir jetzt haben.

Es war also kein Fehler, es war nur eine weitere Lebensphase, aus der wir gelernt haben. Opfer zu bringen ist etwas ganz Alltägliches, am meisten steckt dahinter Liebe. Wir geben Dinge auf für unseren Partner, unsere Kinder, unsere Familie, für Menschen, die uns wichtig sind. Und manchmal werden wir für diese Tat belohnt.

Lass uns darüber nachdenken und etwas besser kalibrieren, für wen und warum wir diese kleinen oder großen Taten des Verzichts vollbringen. Letztendlich lassen sich die Menschen mehr von Altruismus als von Egoismus leiten, und das ist eine Dimension, die uns immer beschäftigen wird und mit der wir immer konfrontiert sein werden.

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  • Mary C. McGrath, Alan S. Gerber. Evidencia experimental de un efecto de colaboración. Nature Human Behavior , 2019; DOI: 10.1038 / s41562-019-0530-9
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