Emotionale Qualen: Die lähmende, überwältigende Angst

· 2. Oktober 2018

Emotionale Qualen sind wie ein Strudel, der alles mit sich reißt. Er erfasst uns von innen und erfüllt uns mit Angst, Nervosität, Unruhe und sogar überwältigender Traurigkeit. Er ist ein Kaleidoskop negativer, lähmender Emotionen.

Byung-Chul Han, ein bekannter südkoreanischer Philosoph und Kulturwissenschaftler, definiert unsere heutige Welt als die der „Burnout-Gesellschaft“. Wenn es also etwas gibt, das wir alle gemeinsam haben, dann sind es Angst und emotionale Qualen. Laut Han liege die Ursache all dessen in unserer Leistungskultur, in der wir versuchen, unsere Kinder in allen Aspekten ihrer Existenz auf Erfolg auszurichten. Damit vermitteln wir den Druck der Gesellschaft, sich abzuheben und erfolgreich zu sein.

Darüber hinaus leben wir in einer Kultur des Multitasking, die uns schon in jungen Jahren eingeimpft wird. Wir müssen viele Dinge gleichzeitig und in kurzer Zeit tun. Es herrscht das Gesetz des Dschungels, in dem nicht jeder überleben oder sich effektiv integrieren kann, wo es üblich ist, in der“Angst gefangen zu sein, einem Begriff, der alles umfasst , was eng und hart ist und Leid verursacht.

„Angst, wie jede andere psychische Störung, die eine Person Trauer und Schuld verspüren lässt, stellt einen normativen Kampf in einer im Wesentlichen menschlichen Ordnung dar.“

Mario Benedetti

Düstere Stimmung mit schwarzem Regenschirm

Emotionale Qualen: Was stimmt nicht mit mir?

Wenn wir von emotionalen Qualen sprechen, kommen wir schließlich zur Frage: Ist Qual dasselbe wie Angst? Oder handelt es sich um zwei verschiedene psychische Zustände? Bis vor Kurzem haben wir den Begriff Qual in der philosophischen Welt belassen und ihn von klinischen Begebenheiten abgegrenzt. Der Duden beschreibt Qualen als „länger andauernde, [nahezu] unerträgliche Empfindung des Leidens“, während Søren Kierkegaard die Qual als jene Form der Angst definierte , die wir erleben, wenn wir erkennen, dass unsere Zukunft ungewiss ist. Nach dieser Definition hängt die Qualität unseres Lebens, die ohne Qualen gewiss höher ist, von den Entscheidungen ab, die wir treffen. Sigmund Freud hingegen unterschied die „Angstneurose“ von der „echten Angst“, die für ihn einen pathologischen Zustand darstellte. 

Heute können wir sagen, dass es im Wesentlichen zwei Arten von Qualen gibt; eine, die als existenziell bezeichnet wird, und die andere, die im Diagnostischen und Statistischen Leitfaden für psychische Störungen definiert ist und als Symptom vieler psychischer Erkrankungen aufkommt.

Charakteristika emotionaler Qualen

Während Angst normalerweise einen akuten Auslöser hat, fungiert die emotionale Qual als ein andauernder Dämpfer in Zeiten der Unsicherheit, im Angesicht von etwas, das wir nicht kontrollieren oder vorhersehen können. Angst und emotionale Qualen haben jedoch eins gemeinsam: Sie lähmen uns.

Emotionale Qualen gehen mit körperlichen Symptomen wie Müdigkeit, Schwindel und Muskelverspannungen, Engegefühl in der Brust und Verdauungsproblemen einher. Auch hierin gibt es Überschneidungen mit der Angst.

Wenn Unsicherheit entsteht, verschärft sich unsere Sorge. Obsessive, katastrophale Gedanken kommen auf. Eine Prüfung bestehen, Entscheidungen treffen, auf eine Antwort warten oder sogar etwas tun, von dem wir das Gefühl haben, dass wir dazu nicht in der Lage wären, erzeugen emotionale Qualen. Auch gibt es Studien, die zeigen, dass es Menschen gibt, die anfälliger für die Empfindung von Qualen sind. Denn die neurochemischen Reaktionen werden von Hormonen und Neurotransmittern getriggert und ein Anstieg des Adrenalinspiegels oder eine Verringerung der Konzentration der γ-Aminobuttersäure (GABA) machen uns mehr oder weniger anfällig für Kummer.

Sich auflösender Mann

Wie kann ich meine emotionalen Qualen beenden?

Dichter, Schriftsteller und Maler kanalisieren ihre emotionalen Qualen durch Kunst. Die meisten von ihnen haben existenzielle Qualen erlebt. Diese sind ein wiederkehrendes Gefühl des Menschen, weil wir uns von diesem verständlichen Gefühl der Leere, das aufkommen mag, wenn wir uns selbst und unsere Zukunft betrachten, kaum vollständig lösen können. Wir müssen jedoch etwas tun, wenn uns dieses Gefühl und diese Emotion blockiert und uns in die Ecke der Hilflosigkeit drängt, und dazu haben wir verschiedene Möglichkeiten, auch außerhalb von Literatur und Malerei.

In diesem Kontext erinnert uns Byung-Chul Han daran, dass wir mit der Unsicherheit koexistieren. Und Unsicherheit ist der direkte Auslöser emotionaler Qualen. Daher liegt jeder, der glaubt, dass dieser Zustand mit Psychopharmaka gelöst werden könne, falsch, solange es sich nicht um einen krankhaften Zustand handelt. Wir müssen vielmehr lernen, die Höhen und Tiefen des Lebens zu meistern, das Unvorhersehbare zu akzeptieren und zu bewältigen und mit dem umzugehen, was weit außerhalb unserer Kontrolle liegt.

Psychologen gehen das Problem noch anders an. Kognitive Verhaltenstherapien, Akzeptanz und auf Achtsamkeit basierende kognitive Therapien können in vielerlei Hinsicht helfen. Einerseits können sie helfen, unsere Ängste, negativen Gedanken und Emotionen zu reduzieren und zu bewältigen. Auf der anderen Seite können sie auch dazu beitragen, die Ursache des Problems zu beheben.

Lasst uns also unsere Einstellung ändern, damit wir uns in dieser immer komplexeren und anspruchsvolleren Welt stärker befähigt fühlen und Verantwortung für uns selbst übernehmen können.