Sexualangst – Wenn Intimität dich erschreckt

23. Januar 2019

Heutzutage gelten angeblich sexuelle Freiheit und es gibt keine Tabus mehr. Doch wir schreiben „angeblich“, denn wenn es darauf ankommt, ist das nicht immer so. Zumindest nicht für eine wichtige Gruppe von Menschen, die keine oder nur sehr selten Intimität zu anderen Menschen aufbauen. Einige von ihnen genießen Intimität deshalb nicht, weil sie an Sexualangst, auch Genophobie genannt, leiden.

Wenn wir von Sexualangst sprechen, beziehen wir uns auf eine Reihe unangenehmer Emotionen und Gefühle, die sich vor einem gemeinsamen Hintergrundszenario abspielen: vor sexuellen Beziehungen. Dazu gehören Angst, Anspannung, Ablehnung und schließlich auch physische Funktionsstörungen. Es gibt viele Gründe dafür, aber die Auswirkungen sind immer sehr schwer zu bewältigen.

„Erotik ist eines der grundlegenden Mittel der Selbsterkenntnis, so unverzichtbar wie Poesie.“

Anaïs Nin

Sex bereichert das Leben. Er bietet sehr wichtige emotionale und körperliche Vorteile. Diese Vorteile reichen von einer Stärkung von Kreislauf und Immunsystem bis hin zur Stressreduzierung. Es wurde oft schon gesagt, dass er ein natürliches Schmerzmittel sei und dass er auch ein wunderbares Potenzial habe, unser Selbstwertgefühl zu verbessern.

Wenn jedoch Sexualangst vorherrscht, erfahren die betroffenen Menschen diese Vorteile kaum oder gar nicht.  Sobald sich die negative Dynamik etabliert hat, führt jede Situation physischer Intimität zu Unruhe und Nervosität. Es gibt keinen Genuss, nur Angst. Es gibt nur ein Gefühl von Leere und Unzufriedenheit.

Was ist der Ursprung von Sexualangst?

Sexualangst kann aus verschiedenen Quellen stammen. So kann sie zum Beispiel im Rahmen von Missbrauch entstehen. Sexueller Missbrauch ist häufiger, als wir gemeinhin annehmen. Das liegt zum Teil daran, dass sich viele Opfer nicht zu Wort melden. Andererseits ist dies ein Tabuthema, das immer noch vertuscht wird, weil niemand bereit ist, sich mit den Konsequenzen für die gesamte Gesellschaft zu befassen.

Wenn jemand in einem sehr jungen Alter missbraucht wird, verfügt er normalerweise nur über sehr geringe emotionale Ressourcen, um seine Emotionen zu kontrollieren. Daher ist es möglich, dass die schlechte Erfahrung tiefere Narben und unerwünschte Wirkungen hinterlässt, die in der Zukunft sogar noch schwieriger zu behandeln sind.

Eine Frau schaut durch ein beschlagenes Fenster.

Manchmal ist die Situation auch weniger extrem und die Gründe sind andere. In fast allen Fällen ist die Unterdrückung das auslösende Element, genau wie in diesen Fällen, die wir hier als Beispiele schildern:

  • Eine restriktive Erziehung, die Sex verurteilt. Es gibt viele ideologische und religiöse Ansätze, die sexuelle Praktiken verurteilen. Sie lassen Sex als verabscheuungswürdig, schmutzig oder unmoralisch erscheinen. Menschen, die in diesem Rahmen erzogen werden, müssen hart arbeiten, um die schönen und angenehmen Facetten der Sexualität zu entdecken.
  • Informationsmangel. Hemmung und sexuelle Angstzustände entstehen manchmal aus dem Mangel an Informationen über den Sex selbst. Für die betroffene Person ist Sex eine unbekannte Welt, die sie aus Furcht vor dem Unbekannten eher meidet.
  • Angst vor dem Scheitern. Die Angst, keine angemessene Leistung zu erbringen, tritt auf, wenn es an Erfahrung und Selbstwertgefühl mangelt. Die Wahrheit ist, dass jeder von uns seine eigene Definition von „angemessener Leistung“ hat. Wir haben aber möglicherweise auch unrealistische Erwartungen, die zu Sexualangst führen können.

Es gibt andere Faktoren, die zur Sexualangst beitragen können, wie beispielsweise Depressionen, Mangel an Selbstvertrauen oder Schwierigkeiten bei der Akzeptanz des eigenen Körpers. Ungelöste Konflikte und geschädigtes Vertrauen mögen die Angst weiter verschlimmern.

Was tun bei Sexualangst?

Wenn es im Bett nicht so läuft, wie es sollte - frustriertes Paar

In vielen Fällen führt die Sexualangst zu einer sexuellen Dysfunktion: verminderte Lust, Schwierigkeiten, Aufregung und Vergnügen zu empfinden, vorzeitige Ejakulation oder Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs. All dies verarmt das Sexualleben und die Beziehung des Paares, wenn es nicht behandelt wird.

Was bei Sexualangst getan werden kann:

  • Stärkung der emotionalen Beziehung zum Partner. Nichts ist befreiender als das Vertrauen in den Partner. Schaffe die Voraussetzungen, damit du mit absoluter Aufrichtigkeit über das Thema sprechen kannst. So lassen sich fast für jedes Problem Lösungen finden.
  • Bilde dich weiter. Es ist sehr wichtig, den eigenen Körper gut zu kennen. In diesem Fall beziehen wir uns auf die Anatomie der Sexualorgane und ihre jeweilige Funktion. Es ist auch wichtig, zu verstehen, was in einer sexuellen Beziehung sowohl physisch als auch psychisch passiert. Lies etwas über das Thema, denn lernen hilft, Ängste abzubauen.
  • Die Erotik steigern. Sexualität ist so viel mehr als nur Geschlechtsverkehr. Deshalb ist es notwendig, allem, was die Erotik fördert, Bedeutung zu verleihen. Dazu gehören Liebkosungen, Küsse, Massagen und alle anderen Zeichen von Zuneigung.
  • Finde heraus, was dich entspannt. Jede Person ist anders und es gibt keine anderen Regeln in der Sexualität als die, die das Paar für sich selbst festgelegt hat. In diesem Sinne ist es nützlich, zu erfahren, was dich beim Sex entspannt, zum Beispiel angenehmes Licht, bei dem ihr euch beide wohlfühlen könnt, die passende Zeit, der richtige Ort usw.

Wann man um Hilfe bitten sollte

Denke auch daran, dass es verschiedene Arten von Sexualangst gibt. Einige verlangen nach professioneller Hilfe. In anderen Fällen kann schon eine kleine Änderung der Umstände eine Verbesserung einleiten.

Wenn du dich in dieser Situation befindest und nicht weißt, was du tun sollst, ist es am besten, einen Spezialisten aufzusuchen. Du solltest zuerst einen Arzt konsultieren, damit er körperliche Probleme ausschließen kann. Manchmal können auch Medikamente für Sexualangst verantwortlich sein.

Eine Therapie kann auch bei Sexualangst helfen.

Wenn du deinen Arzt bereits aufgesucht hast und diese Umstände als mögliche Ursachen ausgeschlossen wurden, solltest du zu einem Psychologen gehen. Wenn Angst die Dysfunktion verursacht, wird der Fachmann einen auf deine Bedürfnisse abgestimmten Interventionsplan erstellen, der dir zweifellos helfen wird, Zugang und Genuss in Intimität zu finden.