Sexting und Cyper-Grooming: Die Gefahr von Online-Missbrauch

· 22. April 2019

Das digitale Zeitalter hat deutlichen Einfluss auf unsere Gesellschaft. IT beziehungsweise Informations- und Kommunikationstechnologien bieten viele Vorteile, denn sie tragen zur Verbreitung von Wissen bei und fördern auch Wirtschaftswachstum, Kreativität und soziale Beziehungen.

Das Internet bietet einen anonymen Raum, in dem die Menschen ihre Sexualität erkunden können. Erwachsene und Jugendliche erhalten Zugang zu diversen Information im Bereich der Sexualität und können das Netz auch für sexuelle Unterhaltung nutzen. Im Internet ist alles rund um die Uhr verfügbar. Es ermöglicht den Menschen, sich über verschiedene Dinge auszutauschen, wie eben auch über Sexualität. Obwohl das Internet den Menschen hilft, Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten, birgt es aber auch Risiken, beispielsweise im Rahmen von Sexting und Cyber-Grooming.

In der Pubertät versuchen Teenager, herauszufinden, wer sie sind. Das Internet ist eine Möglichkeit für junge Menschen, sich auszudrücken und neue Perspektiven kennenzulernen. Obwohl das auf den ersten Blick harmlos erscheint, kann es durchaus gefährlich werden. Jugendliche sind weniger gehemmt und neigen dazu, die Risiken, die ihr Verhalten mit sich bringen kann, herunterzuspielen. Dies liegt daran, dass sich aus biologischer Sicht die Selbstkontrolle über Gefühle und Handlungen noch nicht ausreichend entwickelt hat.

Das heißt nicht, dass der Austausch von Nachrichten mit sexuellen Inhalten oder die Erkundung des eigenen Körpers etwas Schlechtes wäre. Wenn Jugendliche jedoch keine angemessenen Maßnahmen ergreifen, um sich selbst zu schützen, können sie Opfer von Online-Missbrauch werden und ernste Probleme in den Bereichen der Intimität, Psyche und des Körpers entwickeln.

„Sage nichts online, was du nicht auf einem Plakat mit deinem Gesicht darauf sehen wollen würdest.“

Erin BuryMädchen liegt im Bett mit ihrem Handy.

Was ist Sexting?

Sexting heißt, dass man Fotos, Videos oder Nachrichten mit sexuellem Inhalt online versendet. Menschen tun dies aus verschiedenen Gründen. Beispielsweise versuchen sie, mehr über ihre Identität oder sexuelle Orientierung herauszufinden. Es könnte auch nur ein erotisches Spiel mit dem Partner oder mit verschiedenen Leuten gleichzeitig sein. Darüber hinaus könnte es ein Versuch sein, sein Selbstwertgefühl zu stärken. Andere tun es, um einen Kick zu verspüren. Dieser Kick entspringt aus der Tatsache, dass jemand etwas tut, was er normalerweise aufgrund von Scheu, Angst oder anderen Einschränkungen nicht tun würde.

Laut einer Studie von 2018 von Manual Gámez-Guadix und Patricia de Santisteban steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sexting durchgeführt wird, mit dem Alter. Etwa 3 % der Menschen machen Erfahrungen damit, bevor sie ein Alter von 12 Jahren erreichen. In der Altersklasse der 17-jährigen haben es immerhin schon 35 % ausprobiert.

Teenager sind jedoch nicht die Einzigen, die sich mit dem Sexting beschäftigen. Das Internet ist eine Spielwiese für Millionen von Erwachsenen und Jugendlichen, die das Internet zum Austausch sexueller Inhalte verwenden. Manchmal denken diese Nutzer jedoch nicht an die möglichen Risiken. Es gibt zwei Dinge, die wichtig sind, um Gefahren zu minimieren:

  • Jugendliche über Sexualität und den sicheren Umgang mit dem Internet aufzuklären
  • Die Wahrung von persönlichen Grenzen, sowohl der eigenen als auch die anderer Personen

Was ist Cyber-Grooming?

Auf der anderen Seite steht das Cyber-Grooming. Dieser Begriff bezeichnet eine besondere Form der sexuellen Belästigung im Internet, bei der Erwachsene Minderjährige sexuell missbrauchen.

Das Internet ermöglicht es den Tätern, ihre Identität zu verbergen. Daher können sie mehrere verschiedene Identitäten annehmen, von denen keine der Realität entsprechen muss. Der Täter kann falsche Profile verwenden, um mit mehreren Opfern gleichzeitig zu kommunizieren.

Dies kann zu gefährlichen Situationen führen, da Erwachsene so leicht Kontakt zu Minderjährigen aufbauen können. Der Missbrauch kann direkt und persönlich oder indirekt über das Internet erfolgen. Zum Beispiel kann der Täter sexuelle Inhalte von Minderjährigen verlangen, wie persönliche Videos oder Fotos, die in ihren eindeutigen Posen der Definition von Kinderpornografie entsprechen.

„Das Tolle an den sozialen Netzwerken war, dass sie Menschen, die keine Stimme hatten, plötzlich eine gab.“

Jon Ronson

Merkmale des Internets, die Missbrauch online ermöglichen können

Es gibt bestimmte Faktoren, die den sexuellen Missbrauch im Internet vereinfachen oder gar erst ermöglichen. Wie bereits erwähnt, erleichtert es den Tätern, eine neue Identität aufzubauen und eine Maske zu tragen. Diese Anonymität erlaubt Erwachsenen, Dinge zu tun, die sie in ihrem persönlichen Umfeld nicht so einfach tun könnten.

Cyber-Grooming - Die Nutzung des Internets birgt auch Gefahren.

Das Internet bietet viele Kommunikationsplattformen und Menschen können gleichzeitig mit vielen ihrer Mitmenschen interagieren. Das heißt, es ist sehr einfach, Kontakte zu knüpfen und ganz unterschiedliche Profile zu erstellen, ohne durch soziale Normen eingeschränkt zu werden. Das Web entspricht dann einer parallelen Welt. In dieser digitalen Parallelwelt verwischen gesellschaftliche Grenzen und Spielregeln, unter anderem aufgrund der mangelnden Interaktion von Angesicht zu Angesicht.

Daher kommt es leicht dazu, dass Risiken nicht richtig eingeschätzt werden, was wiederum dazu führt, dass Internetuser sich anders verhalten als im wirklichen Leben. Dies gilt insbesondere für Teenager. Im Internet entstehen Beziehungen viel schneller, chaotischer und mit weniger Hemmungen als im realen Alltag.

Der virtuelle Partner scheint gar nicht real zu sein. Das Beginnen und Beenden einer Beziehung wird zu einem oberflächlichen Prozess. Beziehungen werden somit zu nichts mehr als kommerziellen Transaktionen, bei denen emotionale oder sexuelle Dienstleistungen ausgetauscht werden. Wenn der Reiz nachlässt, setzt Langeweile ein und man springt zum nächsten Profil. Das Fehlen eines direkten Kontakts fördert das Experimentieren ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen.

Wie Online-Welten Tätern den Zugriff auf Minderjährige erleichtern

Die oben geschilderten Bedingungen der Onlinekommunikation führen bei Tätern zu einem Verlust der Empathie. Die Distanz zwischen dem Web und der Realität hilft ihnen, zu vermeiden, sich in die Lage der Menschen zu versetzen, die sie als Ziel anvisieren. Sie ignorieren das Leid anderer und neben billigend in Kauf, dass Cyber-Grooming ihr Gegenüber schwerwiegend schadet.

Die Opfer von Cyber-Grooming auf der anderen Seite fühlen sich sehr unsicher. Denn das Internet hat keine räumlichen oder zeitlichen Beschränkungen, da das, was wir teilen, für immer gespeichert wird.

Ein Mädchen tröstet seine Freundin.

Die Menschen vergessen, dass ihr Online-Verhalten genauso wichtig ist wie ihre persönlichen Handlungen im realen Alltag. Es ist sehr wichtig, dass wir verstehen, wie weit das Internet in unser Leben eingreift und welche Risiken für uns entstehen, wenn wir online sind. Wir müssen uns auch fragen, wer sich hinter dem anderen Bildschirm befindet. Mit wem sprechen wir wirklich, wenn wir chatten? Können wir dem Unbekannten Dinge anvertrauen oder könnte die Person hinter der Tastatur jemand anderes sein und will sie uns vielleicht nur schaden?

So verhindern wir Online-Missbrauch und Cyber-Grooming

Es ist sehr wichtig, dass Eltern die Nutzung des Internets und die psychologische Entwicklung ihrer minderjährigen Kinder im Auge haben. Denn nur so können Heranwachsende das Internet vernünftig nutzen.

Wir leben in einer Welt, in der ein Mangel an Internetzugang undenkbar ist. Versuchen, diesen Fakt zu leugnen, hilft niemandem. Wir müssen akzeptieren, dass das Internet ein Teil unseres täglichen Lebens geworden ist. Deshalb müssen wir lernen, es sicher zu verwenden. Das Verbot der Nutzung von Mobiltelefonen oder die Beschränkung des Zugriffs auf soziale Medien hilft nicht, wenn wir unseren Kindern nicht den richtigen Umgang mit diesen Technologien vermitteln. Gleichzeitig sollten wir ihnen auch traditionelle Werte wie Respekt und Aufmerksamkeit vermitteln.

Eine auf Respekt und Einwilligung gegründete Erziehung ist der Grundpfeiler aller gesunden Beziehungen zwischen Eltern und Kindern. Jugendliche sollten lernen, Grenzen zu setzen, ihre Sexualität sicher zu erforschen und  nein zu sagen. Außerdem sollten sie wissen, wie sie sich ausdrücken und andere trotzdem respektieren können. Schließlich ist es auch wichtig, dass sie vor den Gefahren der virtuellen Welt gewarnt sind.

Es geht nicht darum, sie zu erschrecken. Vielmehr geht es darum, sie über die Gefahren des Internets zu informieren, damit sie riskante Situationen erkennen und wissen, wie sie sich aus der Gefahr bringen können.

Was tun, wenn ein Missbrauch stattfand?

Wenn ein Teenager uns anvertraut, dass er misshandelt wurde, ist es wichtig, ihm zuzuhören, damit er sich geschützt fühlt. Wir sollten dem Opfer niemals die Schuld dafür geben, was passiert ist. Missbrauch ist, wenn eine Person Macht und Überlegenheit über eine andere Person demonstriert, um sie zu manipulieren. Dies trifft auch auf Cyber-Grooming zu bzw. auf Fälle, in denen über Sexting erhaltene Informationen missbräuchlich verwendet werden. Daher sollten wir dem Opfer emotionale Unterstützung bieten und entsprechende Fachleute kontaktieren, damit diese ihm helfen können.

„Sich gebührend zu respektieren ist der erste Schritt, um anderen einen gebührenden Respekt zu erweisen“

Amy Leigh Mercree