Selbstvergebung: Gib dir neue Chancen!

Wenn du dich weigerst, dir selbst zu vergeben, änderst du zwar nicht die Vergangenheit, aber du lähmst deine Gegenwart und schränkst deine Zukunft ein.
Selbstvergebung: Gib dir neue Chancen!

Letzte Aktualisierung: 08. Januar 2022

Im Laufe unseres Lebens treffen wir viele Entscheidungen, manche davon stellen sich als falsch heraus und sind zum Scheitern verurteilt oder verletzen Mitmenschen. Doch alle Erfahrungen sind Teil des Wachstumsprozesses und Fehler sind auf diesem Weg unvermeidlich. Erfolg und Misserfolg prägen unsere Persönlichkeit und helfen uns, unsere Ziele zu erreichen. Auf diesem Weg ist auch die Selbstvergebung wesentlich, um voranzukommen.

Wenn wir unsere Fehler überbewerten, wenn wir sie nicht als Teil unserer Geschichte integrieren, können Schuldgefühle eine lähmende Wirkung haben. Wenn wir ständig nur daran denken, dass alles hätte anders sein können, wenn wir eine Handlung, die nicht mehr geändert werden kann, immer wieder bedauern, bringt das nur Schmerz und Bitterkeit. Beginne damit, deinem vergangenen Ich zu vergeben!

Warum ist die Selbstvergebung so schwierig?

Der erste Schritt zur Selbstvergebung besteht darin, herauszufinden, warum dir dieser Weg so schwerfällt. Zu den häufigsten Gründen gehören folgende:

  • Du nimmst den Fehler übertrieben wahr. Oft empfinden wir Fehler als unverzeihliche Realitäten, weil wir sie sehr intensiv wahrnehmen und durch eine Lupe betrachten. Wenn dir das bekannt vorkommt, solltest du deine Perspektive verändern.
  • Strafendes Ego. Du bist zu hart zu dir selbst und bestrafst dich bereits bei den kleinsten Fehlern.
  • Externer Druck. Manche Mitmenschen (vorwiegend Familienmitglieder) erinnern dich vielleicht immer wieder an einen Fehler und beschuldigen sich.

Natürlich können diese Faktoren auch in Kombination auftreten und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Du solltest deshalb deine Situation analysieren und Selbstmitgefühl praktizieren. Wir alle machen Fehler, sie helfen uns, bessere Menschen zu werden.

Praktiziere Selbstvergebung

Lerne, dir selbst zu verzeihen, indem du dich an folgende Ratschläge hältst:

1. Du hast das Beste getan, was du konntest

Du betrachtest deine vergangenen Entscheidungen meist durch das Prisma der Person, die du heute bist. Mit dem, was du heute weißt, mag dein früheres Handeln weit hergeholt und falsch erscheinen. Du machst dir deshalb Vorwürfe, weil du deine Worte und dein Verhalten nicht besser gewählt hast.

Dabei vergisst du allerdings, dass du damals noch nicht das gleiche Wissen hattest wie heute. Wahrscheinlich fehlte es dir an Reife und Erfahrung, und du hast so gut gehandelt, wie du konntest. Du hast das Beste getan, was du mit deinem damaligen Wissensstand tun konntest. Was passiert ist, musste passieren. Du konntest nicht anders handeln, weil du es nicht wusstest.

Deshalb ist es nicht logisch, dich zu bestrafen, ohne den Kontext zu berücksichtigen. Wenn du dich heute anders fühlst, sei dankbar dafür, dass du lernen konntest und sei mitfühlend mit deinem früheren Ich. Vielleicht waren deine Prioritäten damals anders, deine Ängste intensiv und deine Ressourcen begrenzt. Du hast das Beste getan, was du tun konntest, und das Einzige, was möglich war.

Frau auf dem Weg der Selbstvergebung

2. Selbstvergebung ist befreiend

Manchmal fällt es uns schwer, einem Menschen zu vergeben, weil wir das Gefühl haben, dass sein Fehlverhalten nicht zu rechtfertigen ist. Wir verfangen uns in Groll, der für den “Übeltäter” eine Bestrafung darstellt. Allerdings leidet nur jene Person, die nicht in der Lage ist, zu vergeben. Der Groll wirkt wie Gift und zielt nur darauf ab, die andere Person leiden zu lassen, sie soll ihren Fehler büßen.

Genauso ist es, wenn du dir selbst nicht vergibst. Du bist nicht in der Lage, weil die Folgen deines Fehlers vielleicht schmerzhaft und unangenehm sind. Du kannst jedoch nicht in der Zeit zurückgehen und das Geschehene nicht ändern. Wenn du dir weiterhin Vorwürfe machst, füllt sich deine Seele mit Bitterkeit und hindert dich daran, deinen Weg zu gehen.

Schuld ohne entsprechend zu handeln ist das nutzloseste Gefühl, das es gibt, es entlastet weder den Schuldigen noch den Beleidigten. Stattdessen ist es besser, aktiv zu werden und Wiedergutmachung zu leisten. Du entschuldigst dich und versuchst, eine Entschädigung zu leisten. Auch wenn es um dich selbst geht, solltest du ähnlich vorgehen. Entschuldige dich für die negativen Dinge, mit denen du durch deine falschen Entscheidungen dein Leben geprägt hast, und versuche, sie wiedergutzumachen.

Wenn du dir zum Beispiel immer noch die Schuld dafür gibst, dass jemand dich nicht respektiert hat. Entschuldige dich bei dir selbst dafür, dass du dich nicht besser verteidigen konntest, und schenke dir jetzt all die Selbstliebe, die du dir damals nicht geben konntest. Befreie dich und blicke nach vorne.

befreie dich durch Selbstvergebung

3. Solange du lernst, versagst du nicht

Versuche schließlich, die Wahrnehmung des Fehlers zu ändern. Er ist nicht der Feind, er ist kein negatives Element, das wir aus unserem Leben verbannen müssen. Fehler zu machen, macht uns nicht zu schlechten Menschen, wir verdienen es nicht, lebenslang bestraft zu werden.

Scheitern ist Teil des Lernens, du lernst dich dadurch selbst kennen und kannst dich verbessern. Sicherlich hat dir selbst der schlimmste Fehler deines Lebens eine wertvolle Lektion erteilt. Nutze deine Fehler, um zu lernen. 

Selbstvergebung ermöglicht es dir, dich weiterzuentwickeln

Kurz gesagt: Hör auf, dir die Schuld für deine Vergangenheit zu geben. Gib dir selbst eine neue Chance. Du bist es wert, ein erfülltes und freies Leben zu führen. Du hast das Recht, hinzufallen und wieder aufzustehen, falsche Entscheidungen zu treffen und daraus zu lernen. Deine Einstellung zählt, nicht deine Fehler. Verstehe dich selbst und folge deinem Weg ohne diese schwere Last.

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  • Wiesenthal, S., Cargas, H. J., & Fetterman, B. V. (1998). Los límites del perdón: dilemas éticos y racionales de una decisión. Paidós.
  • Odriozola, E. E., de Corral Gargallo, P., & Andrés, P. J. A. (2001). Estrategias de afrontamiento ante los sentimientos de culpa. Análisis y modificación de conducta27(116), 905-929.