Schreie mich nicht an, ich bin auf diesem Ohr taub

3. August 2017 en Emotionen 0 Geteilt

Schrei mich nicht an, ich bin auf einem Bein taub, und so sehr du deine Stimme auch hebst, ich werde dir nicht gehorchen. Ich gehe meinen eigenen Weg und manchmal irre ich mich, aber so sehr du mich auch anschreist, meine Schritte werden sich nicht verlangsamen. Das Einzige, was so zum Vorschein kommt, ist deine Ungezogenheit.

Man sagt, dass derjenige, der am lautesten schreit, nicht recht hat. Im Gegenteil, wer am lautesten schreit, dem begegnet man mit Unverständnis und weniger Respekt. Worte sind das beste Kommunikationsmittel, aber man sagt, und das wird oft vergessen, dass sie ihren Wert verlieren, je lauter man wird. Um etwas zu erreichen, sind ein Danke oder ein Bitte viel mehr wert.

Wir schreien, weil es so einfacher ist, Aufmerksamkeit zu erhalten. In Wirklichkeit zeigen wir jedoch, dass es uns an Kommunikationsfähigkeit mangelt.

Schreie mich nicht an. Erzähle mir etwas, höre mir zu, sei geduldig und hilf mir, aus meinen Fehlern zu lernen. Lernen wir voneinander, verlieren wir uns nicht in Geheule, ganz so als wären wir Wölfe. Wir sind keine instinktgesteuerten Tiere, sondern rationale Wesen.

Wer schreit, versucht, uns mit einer schneidenden Waffe anzugreifen: dem Wort

Schreie mich nicht an, greife mich nicht an, wirf nicht mit Worten um dich, ohne sie abzuwägen. Mache dir bewusst, dass Worte, wenn sie nicht durch den Verstand gefiltert werden, eine ganze Beziehung vergiften können. Sei mutig und sprich. Wenn du schreist, wird es keinen Kompromiss geben, denn ich spiele dein Spiel nicht mit.

Versuche nicht, mich mit deiner Stimme einzuschüchtern, denn ich werde dir nicht zuhören. Ich werde mich deinem Lärm verschließen, so als würdest du gar nicht mit mir sprechen, denn um mit mir zu reden, musst du mich zuerst respektieren. Respekt kommt von der Fähigkeit, zuzuhören und zu akzeptieren, dass nicht jeder so denkt wie du… und in manchen Fragen bin ich dieser jeder.

 Wenn sie deine Aufmerksamkeit wollen, müssen sie sich diese verdienen. Man gibt seine Aufmerksamkeit nicht für irgendjemandes Schreie her.

Wenn du zur Kommunikation nicht fähig bist, wenn du frustriert bist und der Zorn aus deinem Mund spricht, bevor du darüber nachdenken kannst, was du sagst, versetze dich einmal in meine Lage. Eventuell verstehst du mich dann und hörst auf, mich anzuschreien. Wenn du nicht weißt, wie das geht, möchte ich dir einen Tipp geben: Drama, Vorwürfe, Anweisungen und „Ich habe immer recht!“  sind kein guter Nährboden für eine Beziehung.

Genauso wenig hilft es, die kleinen Dinge in sich hineinzufressen, nur um später in voller Lautstärke loszuschreien und alles auf einmal aus sich herauszulassen. Warte nicht mehrere Tage. Sprich mit mir, lass mich wissen, wenn dich etwas stört, und dann können wir gemeinsam überlegen, ob es eine Lösung für uns gibt. Für uns, weil unsere Beziehung uns gehört…

Und wenn wir uns an einer Wegegabelung befinden, ist es besser, wenn sich jeder seinen eigenen Weg aussucht, anstatt unseren Schmerz durch Schreie zum Ausdruck zu bringen. Schreie mich nicht an, denn so können wir nicht dazulernen. Schreie mich nicht an, wenn ich dir etwas bedeute und du mich liebst.

Wenn du Manieren beibringen willst, gehen mit gutem Beispiel voran

Halte mir nicht deine Gutmütigkeit vor, verkaufe dich nicht als Opfer oder ewiger Leidtragender. Zeige mir, was du willst, sei ein Vorbild, kein Provokateur. Wenn du mehr willst, tue etwas dafür oder bitte anständig darum. Denke daran, dass man nur etwas bekommt, wenn man auch etwas gibt, nicht, wenn man nur verlangt.

Denke daran, dass wir uns alle einmal irren können, dass wir nicht perfekt sind… aber auch daran, dass wir lernfähig sind und uns verändern können. Erzähle mir von deinen Ängsten, öffne dein Herz, lass mich verstehen und so können wir die Schreie in ein Bitte verwandeln.

Lernen wir zusammen, lernen wir uns kennen, versuchen wir nicht, uns gegenseitig zu verändern, sondern versuchen wir, so zu sein wie wir sind, aber mit mehr Anstand. Schreie mich nicht an, wenn dir nicht gefällt, was ich mache, denn wenn du mich wirklich liebst, musst du mich so akzeptieren, wie ich bin. Versuche nicht, mich durch Schreie zu verändern. Das richtet nur Schaden an. Schreie mich nicht an, denn ich bin auf diesem Ohr taub und so oft du es auch tust, du wirst mir nicht meinen Weg vorschreiben.

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