Schlafwandeln und Stress: Welcher Zusammenhang besteht?

Schlafwandler leiden häufig an intensiven Emotionen wie Angst und Stress. Erfahre heute mehr darüber.
Schlafwandeln und Stress: Welcher Zusammenhang besteht?

Letzte Aktualisierung: 06. August 2021

Schlafwandeln und Stress stehen in enger Beziehung zueinander. Somnambulismus ist eine Schlafstörung, die bei Kindern häufiger auftritt und normalerweise nur wenige Minuten dauert. Doch auch Erwachsene können daran leiden, ganz besonders bei Stress, Erschöpfung, Schlaflosigkeit, physischen oder emotionalen Gesundheitsproblemen.

Stress- und Angstprozesse verstärken das Auftreten von Parasomnien. Schlafwandeln im Alter zwischen 20 und 50 Jahren ist in vielen Fällen auf psychische Unruhe und Stress zurückzuführen. Emotionale Faktoren korrelieren häufig mit einer Non-REM-Schlafstörung. Wir sehen uns dies nachfolgend etwas genauer an.

Schlafwandeln kann verschiedene Ursachen haben: Genetische und emotionale Faktoren spielen dabei eine Rolle und auch Medikamente wie Zolpidem, die Somnambulismus als Nebenwirkung auslösen können.

Schlafwandeln und Stress: Welcher Zusammenhang besteht?

Schlafwandeln und Stress: Welcher Zusammenhang besteht?

Schlafwandeln tritt bei Kindern im Alter zwischen 3 und 13 Jahren am häufigsten auf. Ab diesem Alter nimmt die Häufigkeit des Schlafwandelns ab, Erwachsene erreichen eine tiefere und reifere Ruhe. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Parasomnie im Erwachsenenalter nicht auftreten kann.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens handelt es sich um eine genetische Erkrankung, wie eine Studie der Universität Helsinki (Finnland) zeigt. Häufig sind mehrere Geschwister betroffen, die diese Krankheit wiederum von einem Elternteil geerbt haben. Auf der anderen Seite gibt es eine weitere Tatsache: Es gibt Menschen, die in ihrer Kindheit nie schlafgewandelt sind, dies aber im Erwachsenenalter tun. Starker Lebensstress, wie der Verlust des Jobs, eine Trennung oder der Verlust eines geliebten Menschen, kann  die neuronalen Mechanismen aktivieren, die diese Erfahrung steuern.

Parasomnien und emotionale Störungen

Parasomnie ist die Bezeichnung für eine Verhaltensstörung, die während des Schlafs auftritt und mit dem plötzlichen Erwachen verbunden ist. Diese diagnostische Bezeichnung umfasst Nachtangst und Schlafwandel-Episoden. Schlafwandler wachen zwar nicht auf, befinden sich jedoch an der schwachen Grenze zwischen Schlaf und Wachsein.

Bücher wie “Ansiedad y trastornos del sueño” (deutsch: “Angst und Schlafstörungen”) des Autors Mariano Chóliz, Professor an der Universität Valencia (Spanien), weisen darauf hin, dass Schlafwandeln häufig mit Stress einhergeht. Dies ist in der Regel im Alter zwischen 20 und 50 Jahren der Fall.

Darüber hinaus zeigen Forschungsarbeiten, wie eine der Chinesischen Universität Hongkong, dass Schlafwandeln bei Menschen mit psychiatrischen Problemen häufiger vorkommt. Die Komplexität besteht darin, dass die Medikamente zur Behandlung von Angstzuständen und Schlaflosigkeit, wie z. B. Zolpidem, manchmal auch die Häufigkeit dieser Parasomnien erhöhen.

Schlafwandeln und posttraumatische Belastungsstörung

Posttraumatischer Stress ist ein psychischer Zustand, der nach einem Erlebnis mit großer emotionaler Wirkung entsteht. Misshandlungen, sexueller Missbrauch, ein gewalttätiges Ereignis oder der plötzliche Verlust eines geliebten Menschen bilden die Grundlage dieser Störung.

Die Symptome sind bei dieser klinischen Realität sehr breit gefächert, unter anderem kommt es zu Parasomnien. Es ist üblich, unter Nachtangst bis hin zu Schlafwandelanfällen zu leiden. In diesen Fällen ist diese Erfahrung meist emotional sehr intensiv, da das traumatische Ereignis im Schlaf noch einmal erlebt wird.

Schlafwandeln und Stress

Es handelt sich in vielen Fällen um zwei Gesichter derselben Medaille. In Zeiten hoher emotionaler Intensität kommt es häufiger zu Parasomnie. Nervosität, Stresssituationen und Angst sind die häufigsten Auslöser. Betroffene fühlen sich oft bedroht, sind unsicher oder erinnern sich an ein schockierendes Ereignis, das im Gehirn einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Diese emotionale Komponente führt zu einer Veränderung im Stadium IV des Non-REM-Schlafs, deshalb kann es zum Schlafwandeln kommen.

Schlafwandeln und Stress: Welcher Zusammenhang besteht?

Schlafwandeln und Stress: Was kannst du tun?

Es gibt keine Behandlungen für Parasomnien. Wir wissen, dass das Schlafwandeln bei Kindern mit der Zeit verschwindet und dass es bei Erwachsenen wichtig ist, die Auslöser zu identifizieren, die es verursachen. Stress ist deshalb unbedingt zu meiden. Folgende Empfehlungen können helfen:

  • Identifiziere bereits bestehende gesundheitliche Probleme.
  • Des Weiteren solltest du Stressoren erkennen, die das Problem auslösen könnten.
  • Überprüfe, welche Medikamente zu Somnambulismus führen könnten.
  • Nimm professionelle Hilfe in Anspruch. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann bei Schlafproblemen sehr effektiv sein.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schlafwandeln und Stress in enger Verbindung stehen. Die Behandlung der Auslöser kann die Lebensqualität und das Wohlbefinden der Betroffenen verbessern.

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  • Hublin C, Kaprio J, Partinen M, Heikkilä K, Koskenvuo M. Prevalence and genetics of sleepwalking: a population-based twin study. Neurology. 1997 Jan;48(1):177-81. doi: 10.1212/wnl.48.1.177. PMID: 9008515.
  • Chóliz, M. (1999). Ansiedad y trastornos del sueño. En E.G. Fernández-Abascal y F. Palmero (Eds.): Emociones y Salud (pp. 159-182). Barcelona: Ariel. 
  • Lam SP, Fong SY, Yu MW, Li SX, Wing YK. Sleepwalking in psychiatric patients: comparison of childhood and adult onset. Aust N Z J Psychiatry. 2009 May;43(5):426-30. doi: 10.1080/00048670902817703. PMID: 19373703.