Rhetorik-Skills: Die Fähigkeit, Wichtiges auf den Punkt zu bringen

Einige geübte Redner können komplett ohne Notizen sprechen, das heißt allerdings nicht, dass diese sich nicht auf die Rede vorbereitet haben – auch wenn die Rede vielleicht „wie aus dem Stegreif“ wirkt. Deshalb gilt für Anfänger und für Profis: Vorbereitung ist alles!
Rhetorik-Skills: Die Fähigkeit, Wichtiges auf den Punkt zu bringen

Letzte Aktualisierung: 26. April 2022

Bereits in der alten Antike gehörte die Rhetorik zu den wichtigsten Unterrichtsfächern:  Schülern der Rhetorik wurde gelehrt, wie man Sprache – und alles was mir ihr zusammenhängt – richtig einsetzt. Während der Begriff bei den alten Römern also noch eine sehr weitläufige Bedeutung hatte und auch die Wissensvermittlung von Recht und Politik miteinschloss, beläuft sich das heutige Verständnis von Rhetorik vor allem auf die Redekunst. In unserem Beitrag lernst du, welche Rhetorik-Skills heute wichtig sind und wie du diese richtig einsetzt.

Rhetorik-Skills: Cicero, der Meister
Statue von Cicero vor dem Justizpalast in Rom

Gute Vorbereitung ist alles!

Einige geübte Redner können komplett ohne Notizen sprechen, das heißt allerdings nicht, dass diese sich nicht auf die Rede vorbereitet haben – auch wenn die Rede vielleicht „wie aus dem Stegreif“ wirkt. Deshalb gilt für Anfänger und für Profis: Vorbereitung ist alles!

Recherchiere, notiere, probiere und mach alles, was dich später beim Reden noch sicherer macht und dir hilft. Es gibt verschiedene Modelle dafür, um bei Reden nicht den Faden zu verlieren. Manche Sprecher schreiben sich einfache Kärtchen mit Stichpunkten, andere Redner arbeiten mit einem Mindmap oder notieren sich Satzanfänge. Hier musst du einfach austesten, was für dich funktioniert.

Sinnvoller Aufbau der Rede

Dieser Punkt geht mit der Vorbereitung Hand in Hand, denn in Sachen Aufbau ist Freestyle und Einfach-mal-drauf-los-reden nicht zielführend. Überlege dir also im Vorhinein, wie du starten möchtest, welche Inhalte dann folgen und ob du den Vortrag beispielsweise mit einer kurzen Zusammenfassung abschließen möchtest. Besonders am Anfang ist es wichtig, jedes Ohr im Publikum zu erreichen: Mit einem originellen Einstieg bekommst du Aufmerksamkeit und weckst das Interesse der Zuhörer.

Gut zu wissen: Man sollte sich immer vorhalten, zu WEM man spricht. Es gilt der Leitsatz: Unsere Sprache formt das Denken. Deshalb macht es auch einen Unterschied, in welcher Sprache man spricht. Eine englische Rede vor einem internationalen Business-Publikum muss anders gestaltet werden als eine Ansprache auf der Hochzeitsfeier eines Kindheitsfreundes.

Rhetorik-Skills: Vorbereitung ist alles!

Einfache Sprache, bitte!

Du kennst es bestimmt: Jemand möchte dir etwas erzählen oder erklären und die Person redet um den heißen Brei herum. Es wird weit ausgeholt und am Ende weißt du gar nicht, worum es jetzt eigentlich geht. Genau so etwas solltest du, wenn du rhetorisch gut abliefern möchtest, vermeiden. Die Kunst liegt darin, einen Sachverhalt kurz und in einfacher Sprache auf den Punkt zu bringen. Fremdwörter und komplizierte Schachtelsätze mögen zwar in Fachartikeln gut klingen; in der verbalen Kommunikation sind sie aber meist fehl am Platz.

Rhetorische Mittel einsetzen

Du hast bestimmt schon einmal von den nun folgenden rhetorischen Mitteln gehört, oder? Häufig werden sie im Deutschunterricht beim Gedichte interpretieren von den Lehrern erklärt und sind von den Schülern nicht selten gehasst: Metapher, Alliteration, rhetorische Frage, Klimax, Anapher usw. Wir wollen dich jetzt nicht (schon wieder) damit belästigen, doch eines soll gesagt sein: Metaphern (bildhafte Vergleiche) und Alliterationen (Wörter mit gleichem Anfang) lassen sich auch hervorragend in Ansprachen, Reden und Vorträge einbauen!

Vor allem Metaphern sind herrliche Ergänzungen, wenn man einen (komplizierten) Sachverhalt erklären möchte – das bildhafte Beispiel allein macht häufig weitere Erklärungen überflüssig. Metaphern gibt es im Deutschen wie „Sand am Meer“: „durch eine rosarote Brille sehen“ oder „den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“ oder „jemanden das Wasser reichen“ etc. Ganz aufmerksam wird dein Publikum, wenn du eigene Metaphern in deine Rede einbaust.

Gute Rhetorik-Skills reduzieren Nervosität bei einem Vortrag

Nonverbale Kommunikation nutzen

Auch abseits der Sprache gibt es Aspekte, die gute Rhetorik ausmachen. Einer davon betrifft die Körpersprache des Redners. Darüber könnte man einen eigenen Artikel schreiben. Kurz zusammengefasst solltest du auf Folgendes achten:

  • Aufrechter und fester Stand – zum Publikum gewandt: Darauf achten, dass die Schultern nicht hochgezogen werden. Du kannst auch ein paar Schritte nach links oder rechts gehen, wenn dich das sicherer macht. Sitzen sollte vermieden werden.
  • Seinen Händen vertrauen: Die machen meist von Natur aus das, was sie machen sollen. Verzichte also darauf, Gesten mit den Händen „einzustudieren“, sondern erlaube ihnen eine natürliche Körpersprache.
  • Dein Auftreten (Habitus) darf nicht unterschätzt werden: Wähle die richtige Kleidung für den Anlass und eine gepflegte, aber nicht zu auffällige, Frisur.

Neben der Gestik ist auch die Mimik ein Aspekt, der eine Rede gut oder schlecht macht. Denn Gesichtszüge allein sagen bereits viel aus. In Sachen guter Mimik solltest du diese Dinge beachten:

  • Blickkontakt mit dem Publikum halten: Dabei nicht nur einzelne Personen ansehen, sondern den Blick in W- oder M-Form durch das Publikum schweifen lassen.
  • Emotionen zulassen: Wenn dir während der Rede nach Lachen ist, dann lass es einfach zu! Natürliche Emotionen kommen bei den Zuhörern gut an, weil sie dich authentisch wirken lassen.
  • Übung: Setz dich mal abends zu Hause vor den Spiegel und erzähl dir selbst detailliert von deinem Tag. Du kannst dabei sehen, wie sich deine Gesichtszüge zu bestimmten Emotionen bewegt – häufig weiß man so etwas von sich selbst nämlich gar nicht.

Gut zu wissen: Mimik und Gestik werden von den Zuhörern oft unbewusst wahrgenommen und dann unbewusst interpretiert und haben somit einen enormen Einfluss auf das Gesamtbild der Rede.

Frau übt Rhetorik-Skills

Last but not least: Die Stimme richtig einsetzen

Die Stimme ist das Herzstück deiner Rede – sie vermittelt nämlich viel mehr als nur den Inhalt des Gesagten. Der Tonfall deiner Stimme drückt auch aus, ob Inhalte wichtig sind, als Witz verstanden werden können oder ob etwas ganz ernst gemeint ist. Wichtig ist es, einen guten Mix zwischen Dynamik und Ruhe der Stimme zu schaffen. Klingt leichter als es in Wahrheit ist, zugegeben. Vor einer Rede, und wenn sie noch so kurz ist, solltest du immer mit Übungen starten: summen, leise singen, mit geschlossenem Mund gähnen, Schultern und Nacken lockern.

Langfristig kannst du das richtige Atmen – Stichwort Bauchfellatmung – üben, indem du dir selbst laut aus einem Buch vorliest. So lassen sich gleichzeitig auch Betonungen und die Artikulation bestimmter Begriffe üben. Ebenso ist eine Videoanalyse sinnvoll, so kannst du dich selbst analysieren und siehst deinen Fortschritt.

Befolgst du all diese Tipps, dann hast du eine gute Grundlage dafür, ein guter Redner zu werden. Wer ein Rhetorik-Profi werden will, für den gilt: Übung macht den Meister! Bei jeder öffentlichen Rede, sei es im kleinen Familienkreis oder bei Konferenzen, lernst du etwas dazu und du wirst mit jedem Mal besser werden.

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