Rasende Gedanken, eine kognitive Störung

Rasende Gedanken sind eine Störung, die sich auf das gesamte Leben des Betroffenen auswirken kann, da sie eine Unterbrechung der Kommunikation mit der Außenwelt impliziert. Diese Störung muss von einem Psychologen oder Psychiater diagnostiziert, bewertet und behandelt werden.
Rasende Gedanken, eine kognitive Störung

Letzte Aktualisierung: 06 Mai, 2021

Rasende Gedanken sind eine kognitive Störung, bei der Gedanken und Ideen in schneller Folge von einem zum anderen wechseln, ohne einen offensichtlichen Sinn zu ergeben. Diese Abnormität geht in der Regel mit einer Veränderung in der Sprache der Person einher, welche die rasende Geschwindigkeit der Gedanken widerspiegelt.

Rasende Gedanken sind ein typisches Symptom eines manischen Zustands, in dem der Betroffene ein hohes Maß an Aufregung, Emotionen und Energie erfährt. Dieser Zustand tritt sehr häufig im Rahmen einer bipolaren Störung auf. Allerdings kann er auch Teil anderer Probleme sein oder sogar alleine auftreten.

Der offensichtlichste Aspekt der rasenden Gedanken ist eine Zunahme der Geschwindigkeit und des Rhythmus der Gedanken. Letztendlich ist aber die gesamte psychische Aktivität des Betroffenen gesteigert. Und in fast allen Fällen geht dieser Zustand mit Logorrhoe (übermäßigem Sprechen) einher.

“Es gibt eine Art Euphorie der Trauer, eine Art Wahnsinn.”

-Nigella Watson-

Rasende Gedanken - Gehirn mit Schnur

Was sind rasende Gedanken?

Wie wir bereits erwähnt haben, handelt es sich hierbei um eine Art von Gehirnstörung, die durch einen kontinuierlichen und ununterbrochenen Gedankenfluss gekennzeichnet ist. Das heißt, die betroffene Person erfährt eine Art “Dauerregen” von Gedanken. Ein Gedanke führt zu einem anderen und dieser wiederum zu einem anderen… und der Prozess geht weiter.

Das Abnormale an dieser Gedankenkette ist, dass sie keine zentrale Idee hat und keiner Struktur folgt. Der Betroffene springt wahllos von einem Gedanken zum anderen. Ein Gedanke wird aufgegriffen, aber anschließend geht dieser, oft ohne ihn zu Ende gebracht zu haben, zum nächsten über, der nicht einmal etwas mit dem vorherigen zu tun hat.

Wenn jemand mit rasenden Gedanken spricht, kann das Gesprochene daher für jeden Zuhörer völlig zusammenhanglos erscheinen. Wenn du analysierst, was der Betroffene sagt, wirst du feststellen, dass er (oder sie) von einer Idee zur nächsten springt, was zum Teil auf äußere Reize zurückzuführen ist.

Der Betroffene spricht beispielsweise über ein Buch. Plötzlich quietscht eine Tür. Vermutlich wird er dann unvermittelt darüber sprechen, anstatt den vorherigen Gedanken weiterzuführen. Du wirst also feststellen, dass der Sprechende keinem roten Faden folgt, sondern der Inhalt des Gesagten von einer Idee zur nächsten springt, was teilweise durch Veränderungen in der Umgebung beeinflusst wird.

Rasende Gedanken: Ursachen und Merkmale

Die Wissenschaft konnte den exakten Grund für rasende Gedanken bisher noch nicht eindeutig identifizieren. Häufig treten sie im Rahmen einer anderen Störung auf, insbesondere bei einer bipolaren Störung. Darüber hinaus ist es höchst unwahrscheinlich, dass eine derartige Episode auftritt, ohne dass eine andere Störung sie auslöst, obwohl dies in seltenen Fällen dennoch passieren kann.

Eine Tatsache, die über diese Störung bekannt ist, ist, dass sie mit einer euphorischen Stimmung zusammenhängt. Diese beinhaltet intensive psychische Aktivität, welche tatsächlich die Denkprozesse beschleunigt. Infolgedessen beschleunigt sich auch die Sprache.

Während einer Episode rasender Gedanken kann der Betroffene keinen roten Faden finden. Daher kann er (oder sie) gedanklich oder sprachlich auch keine klaren Schlussfolgerungen ziehen. Wenn du die Gedanken als Gesamtheit analysierst, wirst du feststellen, dass sie vollkommen ungeordnet und zusammenhangslos sind. Darüber hinaus sind auch die Assoziationen, die der Betroffene zwischen verschiedenen Dingen herstellt, ebenfalls vollkommen unlogisch. Dennoch treten bei dieser Störung keine Wahnvorstellungen auf.

Assoziierte Manifestationen

In einigen Fällen können in all den Gedanken des Betroffenen dennoch zwei oder drei miteinander in Zusammenhang stehende Ideen auftreten. Aber wenn du dann die gesamte Aussage analysierst, wirst du feststellen, dass keine Konsistenz besteht. Der Betroffene wird Schwierigkeiten dabei haben, zu einer Schlussfolgerung zu gelangen oder das Gesagte logisch abzuschließen.

Was erlebt ein Mensch, der rasende Gedanken hat? In jedem Fall hat der Betroffene Probleme damit, sich auf etwas zu konzentrieren. Er hat praktisch keine Aufmerksamkeitsspanne und daher kann er sich auch nicht auf ein einzelnes Thema konzentrieren. Stattdessen wandert der Geist zufällig zwischen verschiedenen Gedanken hin und her. Darüber hinaus werden diese Gedanken in vielen Fällen auch durch die jeweils auftretenden externen Reize bestimmt. Und daher ergibt das Gesagte auch überhaupt keinen Sinn.

Die vorherrschende Emotion ist in der Regel Aufregung oder übermäßige Begeisterung. Die Geschwindigkeit, mit der der Betroffene spricht, und die Lebendigkeit der Gedanken sind für jeden Zuhörer offensichtlich. Das bedeutet, dass jeder Außenstehende diesen Zustand klar erkennen kann. Infolgedessen hat diese Störung normalerweise mehrere Konsequenzen.

Rasende Gedanken - Gehirn mit Glühbirnen

Rasende Gedanken, eine ernsthafte Störung

Rasende Gedanken werden als schwerwiegende Störung eingestuft. Dies liegt daran, dass die betroffene Person die Fähigkeit, sozial zu funktionieren, vollständig verliert. Die Kommunikation mit einem Betroffenen ist unmöglich. Daher können diese Menschen auch nicht an normalen täglichen Aktivitäten teilnehmen, solange dieser Bruch zwischen ihnen und dem logischen Denken besteht.

Aus all diesen Gründen ist es dringend erforderlich, dass ein erfahrener Fachmann diese Störung exakt diagnostiziert. Darüber hinaus ähnelt diese Störung anderen kognitiven Anomalien oder solchen, die die Intelligenz beeinflussen. Zudem gibt es Parallelen zu einigen frühen Stadien bestimmter Formen von Schizophrenie.

Allerdings gibt es keine spezielle Behandlung für rasende Gedanken. Daher muss der behandelnde Psychiater oder Psychologe jeden Fall beurteilen und feststellen, ob ein Zusammenhang zu einer anderen Störung besteht. Je nach dem Zustand des Patienten kann der Experte dann einen Behandlungsplan mit praktischen Schritten erstellen.

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  • Sauvagnat, F., & Sauvagnat, R. (1998). Fenómenos elementales y estabilizaciones en las psicosis maníaco-depresivas. Revista de la Asociación Española de Neuropsiquiatría., 18(67), 459-470.