Psychologische Folgen von Arbeitslosigkeit

· 12. August 2016

Arbeitslosigkeit hat ein noch bittereres Gesicht, als das, was nach außen hin sichtbar ist: Die Unsichtbarkeit und die Stigmatisierung derer, die von ihr betroffen sind. Dies wird durch das komplizenhafte Schweigen der Angestellten im psychiatrischen Gesundheitssektor noch verschlimmert, die jeden Tag mit ihren offensichtlichen Folgen konfrontiert sind, sichtbar durch die ständig wachsende Nachfrage nach psychologischer oder psychiatrischer Hilfe.

Doch auch wenn der Weg immer noch schwer ist, gibt es viele Stimmen, die bereits auf die Situation aufmerksam machen, schließlich kann man etwas nicht schnell und tiefgründig  in Ordnung bringen, wenn es kein wirkliches Bewusstsein über das Ausmaß gibt, was passiert. Es ist kein viktimisierender Pessimismus: Längere Arbeitslosigkeit und schlechte Arbeitsbedingungen können zu schweren, gesundheitlichen Schäden führen.

Eine Studie des Britischen BMC Public Health Journal  zeigt, dass Langzeitarbeitslosigkeit psychische Störungen verursacht, dass prekäre Arbeit somatische Beschwerden vervielfacht und dass ein direkter Zusammenhang mit großem Stressempfinden besteht. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Arbeit auch soziale Teilhabe bedeutet.

Angesichts der Unmöglichkeit und Unfähigkeit der Gesundheitsbehörden, diese Situation aufzuhalten, ist es an der Zeit, ein paar Beobachtungen aus psychologischer Perspektive anzuführen. Diese können dir verstehen helfen, dass der Frust, den du spürst, viel häufiger auftritt, als es scheint, und dass es keine „Sache für Verrückte“ ist, um professionelle Hilfe zu bitten. Dieses Wissen macht uns unseren Gefühlen gegenüber toleranter und wir werden mit mehr Abstand die folgenden Beobachtungen zu unserer aktuellen Situation und Arbeitslosigkeit aufnehmen.

Arbeitslosigkeit kann deine Realität belasten, aber nicht deine Wünsche

Viele junge Menschen befinden sich heutzutage in der Situation, dass sie einer Arbeit nachgehen, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. Dies gilt auch für manche Spezialisierungen in Architektur oder im Ingenieurwesen, für die sich die Chancen auf dem Arbeitsmarkt in bestimmten Gebieten stark verschlechtert haben.

Diese Situation führt dazu, dass diese Personen manchmal eine wesentlich niedriger qualifizierte Arbeit annehmen müssen, aus Gründen des reinen Überlebens, und damit nicht die Möglichkeit haben, ihren eigentlichen Beruf weiter zu perfektionieren. Wenn dies passiert, ist es gut, dies mit etwas Abstand zu betrachten: Erlaube dir, eine Arbeit zu machen, die dein Überleben sichert, aber gib nicht deine Träume auf.

Stress-bei-der-Arbeit

Auch wenn es viel Kraft kostet, ist es wichtig für die Selbstverwirklichung, nicht die eigenen Werte und Ziele aus dem Auge zu verlieren, auch wenn du diese Ziele mit weniger qualifizierten Arbeiten vereinbaren musst. Dies erscheint offensichtlich, jedoch würde ein Verlust dieser Sichtweise bedeuten, dass dein Horizont nicht mehr klar ist und du nicht mehr sehen kannst, ob du weiterhin in Richtung eines Hafens steuerst oder ob du ziellos umhertreibst.

Weise unbegründete Schuldgefühle von dir

Mit Schuldgefühlen zu spielen ist eine der stärksten Kontrollstrategien von Personen mit wenig Moral, die versuchen, sich selbst anderen aufzuzwingen, indem sie mit deren Gefühlen spielen. Solche Manipulation passiert im privaten als auch im öffentlichen Bereich.

Eines der zur Zeit am häufigsten auftretenden Gründe für Therapie hat genau damit etwas zu tun. Ehrenhafte, pflichtbewusste und verantwortungsvolle Personen sind von enormen Schuldbewusstsein geplagt, wegen der schwierigen Situation durch die sie gerade gehen. Sie fühlen sich als Opfer, aber eben auch als Schuldige, und diese Doppelseitigkeit wird manchmal unerträglich.

 Verantwortung für deine Situation zu übernehmen, ist nützlich, sie aber zu übernehmen, wenn du gar nichts dafür kannst, ist hingegen zerstörerisch.

Sei Teil einer Gemeinschaft

Man kann sicher auch als Einzelkämpfer unterwegs sein, aber es ist bestimmt eine gute Lösung, angesichts der großen Anzahl an Menschen in der gleichen Situation, sich in einer großen Gruppe zusammenzuschließen. Ideal ist es, sich auf Leute zu stützen, mit denen man Zeit und Interessen teilt.

Es gibt höhere berufliche Ziele, wodurch manchmal ein ganzes Leben auf ungewöhnliche Bahnen gelenkt wird. Vermeide Menschen, die deine berufliche Vision einengen: Sie werden am Ende auch all deine anderen Visionen verkleinern.

Sich mit einer Gruppe in regelmäßiger Zusammensetzung zu treffen, in der sich alle in der gleichen Situation der Arbeitslosigkeit befinden, kann nicht nur die Chancen auf Erfolg erhöhen, sondern auch das Selbstwertgefühl und die Motivation für Veränderung vergrößern. Man sollte auch verstehen, dass Egoismus manchmal ein Akt der Großzügigkeit gegenüber anderen ist: Lasst uns keine Zeit verlieren und lassen wir auch andere keine Zeit verlieren.

Arbeitslose Frauen auf dem Amt

Alles wegen des Alters?

Wir sind unsere schlimmsten Feinde, aufgrund von Vorurteilen und weil wir uns selbst in bestimmte Schubladen stecken. Wenn wir einen Blick zurückwerfen und sehen, was wir bis jetzt gelernt haben, dann gibt uns das einen Impuls. Wenn wir an all das Denken, was wir noch durchlaufen müssen und wie unerreichbar unser Ziel erscheint, dann bleiben wir erstarrt zurück.

Manchmal ist die Angst so groß, dass wir eine Entschuldigung suchen, die ausreicht, etwas nicht weiter zu verfolgen, aufgrund dieser riesigen Angst vor dem Scheitern, aufgrund von (Vor-)urteilen und sozialem Druck bei allem, was wir durchführen. Wenn wir weiterhin unseren Blick in die Zukunft richten und all die Urteile ernst nehmen, welche andere über uns haben, dann bleiben wir stecken. Es geht weder vorwärts noch rückwärts und hier muss man sich entscheiden, ob man an diesem toten Punkt verweilen will, bis man von dort in den Abgrund stürzt.

Die goldene Regel: Mach dir keine Sorgen; sorge dich darum, etwas zu machen

Mach etwas, damit sich deine Situation verändert, etwas gegen deine Notlage, ohne zu lange zu warten. Mach etwas, sodass du möglichst in nur wenigen Momenten Zeit zum Nachdenken hast und lass diese auch so kurz wir möglich sein. Arbeitslosigkeit führt mit einer großen Wahrscheinlichkeit zu Instabilität bei neurotischen Personen.

Faulheit ist einer der Hauptgründe, keine Arbeit zu finden und dies zumindest hängt nur von dir ab. Alles kann man lernen, und dazu gehört auch eine bestimmte Einstellung zur Arbeit. 

Gib der Zeit nicht zu viel Spielraum, sie betrügt dich in der Regel in Momenten des Wartens mit besonderer emotionaler Anspannung. Auch wenn du nicht arbeiten kannst, bilde dich weiter dafür aus, so dass man dich nicht nur als qualifiziert, sondern auch mit der richtigen Einstellung antrifft, bereit für den von Wettbewerb geprägten Arbeitsalltag.