Psychologische Beratung: Was genau ist das eigentlich?

21 Februar, 2021
Eine psychologische Beratung kann in vielen Situationen sehr hilfreich sein. Der Therapeut unterstützt den Patienten durch gezielte Fragen bei der Lösungsfindung für seine jeweiligen Problemstellungen. Hier erfährst du, wie ein solcher Prozess ablaufen kann.

In schwierigen Situationen, beispielsweise wenn ein Kind krank ist oder ein Familienmitglied stirbt, kann eine psychologische Beratung sehr hilfreich sein. Wie Viktor Frankl einmal sagte, ist die Haltung eine persönliche Entscheidung. Therapeuten helfen ihren Patienten in schwierigen Zeiten in Bezug auf deren Haltung zum Leben oder bei bestimmten Problemstellungen.

Viktor Frankl war ein österreichischer Psychiater jüdischen Glaubens, der drei Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern, einschließlich Auschwitz und Dachau, überlebte. Nach dieser Erfahrung schrieb er zahlreiche Bücher und kam stets zu der Schlussfolgerung, dass es trotz aller Umstände immer einen Sinn im Leben gibt. Eine Sache, die Psychologen tun, ist, die richtigen Fragen zu stellen, um herauszufinden, was der Patient für den Sinn seines Lebens hält. Damit wollen sie ihm helfen, das Licht am Ende des Tunnels zu finden.

“Alles kann man einem Menschen nehmen, bis auf eines: die letzte der menschlichen Freiheiten – die persönliche Haltung in jeder Situation selbst zu wählen, den eigenen Weg zu wählen.”

 Viktor Frankl-

Psychologische Beratung: Ein relationales Instrument

Psychologische Beratung - Sitzung

Psychologische Beratung besteht darin, den Patienten durch Fragen zum Nachdenken zu bewegen, damit er die beste Entscheidung für sich selbst und damit auch für seine Gesundheit treffen kann. Ziel der Beratung ist es, das Kompetenzniveau des Patienten zu möglichst geringen emotionalen Kosten zu maximieren. Dazu benötigt der Therapeut drei wesentliche Grundeinstellungen: Wärme, Präsenz und Einfühlungsvermögen. Darüber hinaus sind folgende grundlegende Fähigkeiten erforderlich:

  • Emotionsmanagement: Emotionen sind natürlich. Sie zu erkennen und zu akzeptieren sind die ersten Schritte. Daher bringt der Therapeut dem Patienten bei, mit seinen Emotionen umzugehen.
  • Effektive Kommunikation: Der Therapeut sollte gegenüber dem Patienten nicht autoritär oder dominant auftreten. Es geht nicht darum, Anweisungen zu geben oder den Patienten zu beschützen. Es geht darum, ihm Autonomie und Werkzeuge zu geben, damit er selbst Entscheidungen treffen und Probleme lösen kann.
  • Eingrenzung und emotionale Unterstützung: Die Gefühle rund um das Leiden sind stark und vielfältig. Daher sollten sie nicht unterbunden, sondern legitimiert und begleitet werden.
  • Problemlösung: Ein Entscheidungsprozess, den Patient und Therapeut gemeinsam durchführen.

Psychologische Beratung: Effektive Kommunikation in vier Schritten

Für eine effektive Kommunikation zwischen dem psychologischen Berater und dem Patienten ist Folgendes erforderlich:

  • Halte inne und verbinde dich mit dir selbst. Es ist wichtig, dass sich der Berater auf den gegenwärtigen Moment konzentriert und sich auf seine Atmung fokussiert. Dies gibt ihm (oder ihr) die Zeit, angemessen auf den Patienten zu reagieren.
  • Validierung. Validierung bedeutet, auf die Emotionen des Patienten zu hören und sich in sie hineinzuversetzen. Es bedeutet, die Perspektive des Patienten zu legitimieren und ihm klar zu machen, dass sein Verhalten einen validen Grund hat. Wenn er sich akzeptiert und bestätigt fühlt, öffnen sich Kommunikationskanäle. Der Berater ist möglicherweise nicht mit den Meinungen oder Verhaltensweisen des Patienten einverstanden, kann diese jedoch verstehen und validieren. Daher solltest du unbedingt der Versuchung widerstehen, den Patienten zu korrigieren und ihm zu sagen, was er tun sollte. Stattdessen musst du versuchen, seine Bedürfnisse und Bedenken zu verstehen, ihm zuhören und ihn dabei unterstützen, Maßnahmen zu ergreifen.
  • Fragen stellen. Dieser Schritt ist die Grundlage der Beratung. Die Idee ist, dass der Experte offene, strategische Fragen stellt, die dem Patienten zum Nachdenken anregen und ihn dazu befähigen, gute Entscheidungen zu treffen. Einige offene Fragen, die die Kommunikation erleichtern können, sind: “Was weißt du über deine Erkrankung?”,  “Was möchtest du darüber wissen?”,  “Wie fühlst du dich?” oder “Wie kann ich dir helfen?”
  • Diskutieren. Der Dialog ist ein Mittel, um sich mit dem Patienten über Perspektiven auszutauschen und diese zu erklären. Darüber hinaus ist es sehr nützlich, konstruktive Kritik anzubringen und Veränderungen vorzuschlagen. Der psychologische Berater könnte damit beginnen, das Problem zu beschreiben und seine Gefühle in Bezug auf das problematische Verhalten zu erläutern. Anschließend kann er dann Alternativen aufzeigen und einen möglichen Lösungsansatz empfehlen.
Psychologische Beratung - Patient und Therapeut

Das Problemlösungsmodell

Das folgende Problemlösungsmodell kann bei der Entscheidungsfindung mit dem Patienten hilfreich sein. Dieses Modell gliedert sich in folgende Schritte:

  • Orientierung an der Problemstellung. Dies hat mit der Haltung des Patienten zu tun, wenn er mit dem Problem konfrontiert wird. Diese Haltung kann sich als Vermeidung, Impulsivität, Proaktivität usw. äußern. Sobald die Einstellung des Patienten identifiziert ist, fördert der Therapeut eine positive Einstellung, verwandelt das Problem in eine Herausforderung und fördert das persönliche Wachstum des Patienten.
  • Präzise Definition des Problems, wobei sowohl die Perspektive des Patienten als auch des Beraters untersucht wird.
  • Suche nach Alternativen. Eine der verwendeten Methoden ist das Brainstorming.
  • Abwägung der Vor- und Nachteile jeder der im Brainstorming entwickelten Optionen.
  • Auswahl der geeignetsten Option.
  • Handlung. Schrittweise Umsetzung eines Planes. Die einzelnen Schritte müssen einfach und machbar sein, damit der Patient nicht die Motivation verliert und aufgibt.
  • Erneute Bewertung. Sobald der gewählte Plan umgesetzt wurde, beraten der Therapeut und der Patient darüber, wie der Prozess verlaufen ist. Wenn sich das Problem aufgrund eines bestimmten Verhaltens verbessert hat, wird dieses Verhalten verstärkt. Wenn dies nicht der Fall war, besteht der nächste Schritt darin, über die Gründe dafür nachzudenken und über das weitere Vorgehen zu beraten.

Kurz gesagt, die oben genannten Tools sollen den Patienten dazu ermutigen, seine eigenen Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. Nur dann können echte und vor allem nachhaltige Veränderungen erfolgen. Wenn der Patient nicht danach gefragt wird, wie er sich fühlt und was er denkt, und der Therapeut stattdessen alle Entscheidungen alleine trifft, wird eine mögliche Lösung nicht nachhaltig sein.