Psychologie der Farben: Bedeutung und Interessantes zu verschiedenen Tönen

· 3. März 2018

Wenn wir von der Psychologie der Farben sprechen, kommen wir nicht umhin, auch unsere Emotionen zu thematisieren. Farben sind Worte einer Sprache, mit der sich ganz unterschiedliche Gefühle wecken und Emotionen ausdrücken lassen, darunter Wohlbefinden und Freude, Vitalität, Unruhe und Trauer. Marketingexperten haben diese Sprache erlernt, aber es ist nicht nötig, einen Kurs zu belegen, um sich die wichtigsten Vokabeln anzueignen. Tatsächlich handelt es sich bei der Sprache der Farben um eine persönliche Angelegenheit und die Emotionen, die wir mit bestimmten Farbtönen verbinden, sind häufig von unseren individuellen Erfahrungen „gefärbt“. So haben wir in unserer Kindheit nicht nur unsere Muttersprache, sondern auch die Psychologie der Farben erlernt – auch wenn wir natürlich zugeben müssen, dass es immer noch zahlreiche offene Fragen gibt, an denen Wissenschaftler weltweit arbeiten.

Claude Monet pflegte zu sagen, dass er von der Welt der Farben besessen gewesen wäre, dass sie seine tägliche Freude und seine tägliche Pein darstellte. Es ist nicht leicht für einen Künstler, die subtilen Botschaften, die in jedem Farbton und in jeder Farbkombination stecken, zu erfassen. Wie schwer muss es dann für einen Marketingexperten oder Psychologen sein, vorherzusagen, wie eine bestimmte Farbe auf den einzelnen Menschen oder die Zielklientel wirken würde, wie sie das Verhalten von Personen beeinflussen könnte?

„Was ist das menschliche Wesen im Angesicht der Farbe der Welt? Die Farbe der Welt ist mächtiger als jegliches Gefühl, das ein Mensch haben kann.“

Juan Ramón Jimenez

Der Psychologie der Farben liegen zuweilen so komplizierte Zusammenhänge zugrunde, dass mancher gar von einer Pseudowissenschaft spricht. Vielleicht tun wir nicht falsch darin, einen gewissen Grad der Wahrheit in dieser Einschätzung anzuerkennen, denn wie wir bereits erwähnt haben, spielen individuelle Faktoren eine essenzielle Rolle in der Wahrnehmung von Farben. Wir können kaum allgemeingültige Aussagen treffen, weil jeder Mensch seine eigene Erziehung genossen, seine eigenen Erfahrungen gemacht hat und bestimmten kulturellen Einflüssen unterliegt, die alle Auswirkungen darauf haben, welche Gefühle welche Farbe in ihm hervorruft. Dennoch – und das ist vielleicht das Faszinierendste an der ganzen Thematik – tendieren Menschen zu bestimmten Reaktionen auf spezifische Farben und neigen dazu, unter gegebenen Umständen die eine oder andere zu bevorzugen, wie uns unzählige wissenschaftliche Studien zeigen.

Farbenfrohes Gehirn

Auch Eva Heller hat sich mit solchen Studien beschäftigt und dann das Buch Wie Farben wirken: Farbpsychologie – Farbsymbolik – Kreative Farbgestaltung  veröffentlicht. Eva Heller ist Psychologin, Soziologin und Lehrbeauftragte für Kommunikationstheorie und die im Buch präsentierten Schlussfolgerungen sind das Ergebnis jahrelanger Arbeit, zahlreicher Beobachtungen, Umfragen und Sozialexperimente. Wenngleich ihre Aussagen unseren Horizont zu Psychologie der Farben erweitern, so stimmen sie doch im Wesentlichen mit denen anderer Experten zum Thema überein. Diese Tatsache unterstützt uns in der Überzeugung, dass Farbpsychologie eben kein Zufall, sondern eine Wissenschaft ist.

Zahlreiche Studien bestätigen, dass die Lieblingsfarbe der meisten Menschen blau ist. Zufall, Mode oder evolutiver Vorteil?

Ziele der Psychologie der Farben

Verschiedene Farben stimulieren unser Gehirn auf unterschiedliche Art und Weise. Das wusste man schon in der Antike. So haben beispielsweise die Ägypter versucht, bestimmte Farben zur Therapie von Erkrankungen einzusetzen, Bewusstseinszustände hervorzurufen oder die Psyche von Freund und Feind zu beeinflussen. Als Beispiel sei die Farbe rot genannt, die von den Ägyptern mit der Welt der Lebenden, dem Leben an sich, dem Sieg, aber auch mit der Wut und dem Zorn der Gottheiten Seth und Apophis verbanden.

Farbe ist viel mehr als die partielle Reflektion einfallenden Lichts, viel mehr als ein optisches Phänomen. Jede Farbe aktiviert andere Neuronen in unserem Gehirn und hat ihre eigene Bedeutung für uns. Diese Erkenntnis gehört zu einer der Lektionen, die im Neuromarketing gelehrt wird. Es geht hier im Wesentlichen darum, zu verstehen, wie der zukünftige Kunde auf gegebene Farbreize reagieren wird, und wie sich das nutzen lässt, um die Verkaufszahlen zu erhöhen. Da (Farb-)psychologie aber nicht gleich Mathematik ist, geht die Rechnung nicht immer auf: Nicht jeder Kunde fühlt sich vom Endprodukt auch angesprochen. Die Gehälter, die Marketingexperten verdienen, lassen uns jedoch vermuten, dass ihre Strategien die Verkaufszahlen durchaus positiv beeinflussen. Das ist angewandte Psychologie der Farben.

Wir wollen auch nicht vergessen, welche Wirkung Farben in der Kunst haben. David Lynch, ein US-amerikanischer Regisseur, ist stets darum bemüht, der Welt der Logik zu entfliehen und die Realität in einem Kaleidoskop aus Farben und Emotionen zu betrachten. Genau deshalb hat er mehrere Schwarzweißfilme gedreht: Für ihn ist es genau jener Kontrast zwischen schwarz und weiß, der die Flucht aus der Realität in die Traumwelt symbolisiert. Auch der Maler van Gogh hat bewusst bestimmte Farben und Farbkombinationen eingesetzt, um seinen emotionalen Zustand zum Ausdruck zu bringen. Nicht umsonst sind die von ihm gemalten Felder lebendig gelb und der klare Sternenhimmel tiefblau.

Van Gogh malt gelbe Felder und blauen Himmel

„Da sind Emotionen, die die einzelnen Farben in mir wecken, während ich zeichne, große und intensive Emotionen.“

Vincent van Gogh

Besonderheiten einzelner Farben

Während wir in dieses bunte Universum abtauchen, das die unterschiedlichsten Farben zeichnen, orientieren wir uns an den Ergebnissen, die Eva Heller im oben genannten Buch vorgestellt hat. Wir beziehen uns aber auch auf die Arbeiten der Psychologin und Lehrbeauftragten Jennifer Aaker, die an der Stanford University (Kalifornien, USA) tätig ist und deren Forschung auf das Neuromarketing konzentriert ist.

„Farbe gibt dir die Möglichkeit, direkten Einfluss auf die Seele eines anderen Menschen zu nehmen. Die Farbe ist das Thema, das Auge funktioniert wie die Hämmer im Piano, und seine Saiten sind die Seele.“

Wassily Kandiski

Blau

  • Die Farbe blau wird besonders gern von Unternehmen genutzt, da sie Produktivität vermittelt, ohne zu bedrücken.
  • Sie weckt außerdem Vertrauen in die Marke und gibt dem Kunden ein Gefühl der Sicherheit.
  • Allerdings hat man herausgefunden, dass blaue Farbe den Appetit hemmt, weshalb sie bei der Vermarktung von Lebensmitteln weniger häufig eingesetzt wird.
  • Blau ist die Farbe von Sympathie, Harmonie und Treue.
  • Auch wenn blau als „kalte Farbe“ gilt, wird es mit Fantasie und Spiritualität in Verbindung gebracht.
  • Blau ist eine Primärfarbe und der Künstler weiß, dass es kaum eine Farbe gibt, die dem Gemälde so viel Lebendigkeit verleiht wie ultramarinblau.
  • Aber es gibt noch mehr als 100 andere Blautöne!

Rot

  • Auch die Farbe rot wird im Marketing sehr oft eingesetzt. Rot hebt sich ab, erregt die Aufmerksamkeit des Betrachters und prägt sich ein.
  • Rot vermittelt ein Gefühl der Dringlichkeit oder Gefahr und wer rot sieht, dessen Herzfrequenz beschleunigt sich.
  • Im Gegensatz zu blau wird rot angebracht, um den Appetit zu stimulieren. Aber rote Farbe bewirkt nicht nur spontanen Nahrungsverzehr, sondern auch impulsive Käufe.
  • Rot repräsentiert die Liebe und gleichzeitig den Hass, rot steht für das Blut, und damit für das Leben und den Tod zugleich.
  • Es handelt sich um eine dynamische Farbe, die uns verführt, die aber auch unsere aggressivsten Züge in uns wecken kann.
  • Rot gilt als König der Farben, stellt Freude und Gefahr dar.
Rote Farbe

Gelb

  • Für den Marketingexperten bedeutet gelb Optimismus und Jugend.
  • Gelbe Farbe steht für Ehrlichkeit und sie wird ähnlich der roten Farbe genutzt, um die Aufmerksamkeit des Kunden zu erringen. Allerdings ohne dabei Alarm zu schlagen.
  • Wir werden in einem Geschäft selten viele gelbe Produkte auf einmal sehen, denn die gelbe Farbe ermüdet unsere Augen. Sie wird daher dosiert eingesetzt und wir sehen sie häufiger im Randbereich als im Zentrum des Schaufensters.
  • Es gibt Studien, die belegen, dass intensive Gelbtöne Kleinkinder zum Weinen bringen.
  • Auch Farbpsychologen sehen in der Farbe gelb eine widersprüchliche Angelegenheit: Gelb ist das Gute und das Schlechte, der Optimismus und die Eifersucht, das Verständnis und der Verrat.
  • Gelb leuchtet und fördert die Kreativität.
  • Einige Kulturen definieren gelb als die Farbe der Männlichkeit, weshalb sie beispielsweise von den chinesischen Kaisern zur Selbstpräsentation verwendet wurde.

Grün

  • Grün bedeutet Wachstum, Erneuerung und Wiedergeburt. In diesem Sinne steht es auch für die neue Liebe.
  • Man verbindet die grüne Farbe mit Gesundheit, Natur, Frische und Frieden. Diese Farbe vermittelt daher Heilung und Freiheit.
  • Grün entspannt und wird deshalb eingesetzt, um Menschen mit psychischen Erkrankungen den Heilungsprozess zu erleichtern.
  • Grün ermöglicht es uns, effektivere Lösungen für Probleme zu finden.
  • Aus all diesen Gründen sind beispielsweise die Tafeln im Klassenzimmer grün!
  • Mattes Grün ist die Farbe des Geldes und wir assoziieren sie mit finanziellen Belangen und der reichen Oberschicht.
  • Insgesamt unterscheiden wir mehr als 100 Grüntöne. Nicht zu hell und nicht zu dunkel sollen sie sein, um sich positiv auf unsere Gemütslage auszuwirken.
Grüne Farbe

Schwarz

  • Schwarz ist eine autoritäre Farbe, die starke Emotionen verursacht.
  • Schwarz wird assoziiert mit Eleganz und Geheimnissen, aber auch mit Macht.
  • In der Modewelt bedeutet schwarz Stil und Raffinesse.
  • Während die schwarze Farbe in der Vergangenheit vor allem in religiösen Institutionen zum Einsatz kam, verbindet man sie heute mit konservativen Ideen.
  • Aber schwarz ist auch das Ende, der Verlust und der Tod.
  • Für die Physiker bedeutet schwarz, dass ein Objekt sämtliches einfallendes Licht absorbiert und nichts reflektiert. Vielleicht ist das die Ursache dafür, dass auch heute noch so mancher Mensch das Gefühl hat, die schwarze Farbe würde an seinen Energiereserven zehren.
  • Weil wir aber Psychologen und keine Physiker sind, können wir immer noch mehrere Dutzend Farben unterscheiden, die alle als „schwarz“ bezeichnet werden.

Weiß

  • Weiß steht für Reinheit und Unschuld.
  • Wer weiße Farbe einsetzt, möchte damit oft den Wunsch nach einem Neuanfang zum Ausdruck bringen.
  • Weiße Farbe ist Licht, sie schafft Raum und Ehrlichkeit, wo sie angebracht wird.
  • Weiß vermittelt auch ein Gefühl von Frieden und Ruhe.
  • Man assoziiert diese Farbe zudem mit der Perfektion. Nicht umsonst sollte der Hemdkragen möglichst weiß sein.
  • Wie wir es für die schwarze Farbe bereits erwähnt haben, ist der Nichtphysiker auch in der Lage, Dutzende Weißtöne zu unterscheiden.

Lila

  • Lila vermittelt Ruhe.
  • Wenn wir einen Blick in die bunte Welt der Produkte werfen, so finden wir die Farbe lila vor allem bei Schönheits- und Anti-Aging-Mitteln. Das liegt daran, dass wir lila als Farbe der Weiblichkeit, der Spiritualität und Magie verstehen.
  • Andere Hersteller nutzen lila dagegen, um Vorstellungskraft, Kreativität und Weisheit darzustellen.
  • Lila kann auch für Macht stehen. Oder für Unentschiedenheit und Zweideutigkeit.
  • Intensives Lila erzeugt Ambivalenz: Es wird deshalb davon abgeraten, ausgedehnte Wandflächen lila zu streichen oder den Einsatz der Farbe im Geschäft zu übertreiben.

Orange

  • Orange repräsentiert positive Emotionen und Wärme.
  • Und orange macht Appetit!
  • Ähnlich wie die rote Farbe kann aber auch orange mit Aggressivität in Verbindung gebracht werden, vor allem wenn sehr intensive Farbtöne gewählt werden. Deshalb sind sanfte Töne, die ein Gefühl des Komforts hervorrufen, vorzuziehen.
  • Im Neuromarketing steht orange für Enthusiasmus, der beim Kunden zu wecken ist, damit er kauft. Deshalb sind Werbeprospekte oft mit jeder Menge Anzeigen in orange gespickt!
  • Orange ist auch die Farbe der Transformation und des Buddhismus.
Orange Farbe

Rosa

  • Rosa symbolisiert Freundlichkeit und Charme. Im gleichen Kontext steht diese Farbe auch für Sanftheit in der erotischen Welt.
  • Den romantischen Touch der Farbe rosa kennt auch die Werbeindustrie, die sie zudem mit Kindlichem in Verbindung bringt.
  • Kleine Mädchen, aber auch andere süße, zarte Lebewesen sind rosa.
  • Rosa war die Lieblingsfarbe von Madame de Pompadour.

Abschließend lässt sich sagen, dass wahrscheinlich die Mehrzahl unserer Leser mit den meisten der hier vorgestellten Assoziationen einverstanden ist – aber eben nicht mit allen. Das ist genau der Punkt, an dem die persönlichen Erfahrungen ins Spiel kommen. Im Neuromarketing und in der Kunst geht es jedoch darum, möglichst viele Menschen anzusprechen. Es wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass sich nicht jeder mit dem Endprodukt oder Werk identifizieren kann. Die Psychologie der Farben ist dabei eine Hilfe, sie ist kein absoluter Maßstab.

Wir wissen natürlich auch, dass viele Farben in unserer Liste überhaupt nicht erwähnt werden. Da wären zum Beispiel türkis, braun, silber und gold. In welchem Zusammenhang werden diese verwendet? Wir haben uns hier auf die am häufigsten eingesetzten Farben beschränkt, was gleichzeitig die sind, die die stärkste Wirkung auf uns haben.

Unser Leben ist bunt. Wir können es uns in den Farben dekorieren, die uns am besten gefallen. Und das können heute ganz andere Töne als morgen sein. Wisse jedoch, dass jeder Ton dich auf seine ganz eigene Art und Weise beeinflusst.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Sakimichan und Marina Melvik