Psychisch erkrankte Menschen: Wie wirkt sich die Pandemie auf ihre Gesundheit aus?

Depressionen, Suchterkrankungen, Schizophrenie, Anorexie... Es gibt viele Menschen, die an einer psychischen Störung oder Erkrankung leiden. Erfahre heute, welche gesundheitlichen Auswirkungen die Pandemie auf die Betroffenen hat.
 

Psychisch erkrankte Menschen wurden in den Diskussionen der vergangenen Wochen häufig vergessen. Daher wollen wir uns heute damit beschäftigen, wie sich die zahlreichen durch die Pandemie bedingten Veränderungen auf die Betroffenen auswirken.

Einige Menschen leiden an Suchterkrankungen, Schizophrenie, Borderline-Persönlichkeitsstörung oder Essstörungen wie Bulimie oder Anorexie. Darüber hinaus wollen wir auch die Menschen nicht vergessen, die sich um einen Familienangehörigen kümmern, der an einem dieser Probleme leidet.

In diesem Zusammenhang haben verschiedene Organisationen wie beispielsweise die Universität von Washington darauf hingewiesen, dass die Pandemie zu einer steigenden Fallzahl von Depressionen führen könnte. Allerdings werden bereits psychisch erkrankte Menschen häufig vergessen.

Psychologen warnen vor einem Anstieg der Rückfälle. Außerdem weisen sie auf die dringende Notwendigkeit hin, diese Patienten auch weiterhin zu betreuen und ihnen Möglichkeiten zu geben, sich nach wie vor jederzeit Hilfe zu holen.

Das liegt daran, dass ein Anruf manchmal nicht genügt. Therapeuten und die behandelnden Ärzte müssen den Patienten auch physisch vor sich sehen, um Krisen, Rückschläge oder kritische Situationen erkennen zu können, die durchaus schwerwiegende Konsequenzen haben können.

psychisch erkrankte Menschen - ängstliche Frau

Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf psychisch erkrankte Menschen?

 

Während psychische Probleme bereits vor der Corona-Krise häufig unbeachtet blieben, so treten sie momentan noch mehr in den Hintergrund und bleiben im Verborgenen.

Viele Menschen haben in den vergangenen Wochen ihre gewohnte Routine verloren. Selbsthilfegruppen und auch viele therapeutische Sitzungen konnten nicht wie bisher stattfinden. Diese gaben den Betroffenen eine gewisse Sicherheit. Daher sind bei einigen auch teilweise überwundene Probleme wie beispielsweise Süchte wieder zurückgekehrt.

Andere psychisch erkrankte Menschen stehen vor einem Rückfall in ihre Depressionen. Und viele Angehörige wissen nicht, wie sie reagieren sollen, wenn ihr Kind oder Partner sich weigert, weiterhin die Medikamente einzunehmen, die der Arzt zur Behandlung der psychischen Probleme verschrieben hat. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Fälle. Das bedeutet, dass die Auswirkungen dieser Corona-Krise enorm sind.

In China wurden diese Konsequenzen bereits erkannt. Daher veröffentlichte die wissenschaftliche Fachzeitschrift The Lancet erst vor Kurzem eine Studie, in der sich Dr. Hao Jao und Dr. Jian Chen eingehender mit dieser Problematik beschäftigt haben.

Es hat sich gezeigt, dass psychisch erkrankte Menschen ein erhöhtes Risiko haben, am Coronavirus zu erkranken. Viele von ihnen haben ein geschwächtes Immunsystem. Andere wiederum neigen dazu, die Vorsichtsmaßnahmen nicht einzuhalten und erhöhen dadurch ihr Infektionsrisiko. Psychische Erkrankungen verursachen häufig weitere Erkrankungen und damit werden die Betroffenen anfälliger für Infektionen.

 

Darüber hinaus war es besonders in den vergangenen Wochen zunehmend schwieriger für diese Patienten, eine angemessene medizinische und psychologische Betreuung zu erhalten, wenn sie diese benötigten.

Nachfolgend werden wir noch weitere Faktoren untersuchen, die mit dieser Thematik im Zusammenhang stehen.

psychisch erkrankte Menschen - gestresster Mann

Vernachlässigte Realitäten

Die aktuelle Krisensituation ist für psychisch erkrankte Menschen schwieriger, weil es durch die zahlreichen Einschränkungen und die generelle Situation noch schwerer für sie geworden ist, um Hilfe und Unterstützung zu bitten.

In den vergangenen Wochen war es praktisch nicht möglich, persönliche soziale Kontakte zu pflegen und beispielsweise einen gemeinsamen Spaziergang mit anderen Betroffenen zu unternehmen. Glücklicherweise erleichtern die jüngsten Lockerungen familiäre und soziale Kontakte, obwohl nach wie vor zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen zu beachten sind.

All diese Einschränkungen und die damit verbundenen Ängste und Sorgen wirken sich auf psychisch erkrankte Menschen noch wesentlich stärker aus als auf jene, die nicht an diesen Erkrankungen leiden. Darüber hinaus gibt es noch weitere Probleme, die wir nicht außer Acht lassen sollten:

  • Die aktuelle Situation ist ein Trigger (Schlüsselreiz) für Menschen mit Phobien, Zwangsstörungen und intrusiven (unerwünschten) Gedanken.
  • Viele Betroffene haben in jahrelangen Therapien erlernt, wie sie mit ihren Ängsten umgehen können und Strategien entwickelt, ihre täglichen Sorgen und Probleme zu bewältigen. Allerdings kann diese Pandemie dazu führen, dass die Patienten von der Situation überwältigt werden und sie sich hilflos und ausgeliefert fühlen.
  • Auch Menschen mit traumatischen Erlebnissen könnten diese im aktuellen Kontext erneut erleben.
  • Für Menschen, die sich selbst verletzt haben oder zu Drogenmissbrauch neigen, könnte diese Situation ein Auslöser dafür sein, wieder zu diesen Verhaltensweisen zurückzukehren.
  • Darüber hinaus waren einige psychisch erkrankte Menschen in der Vergangenheit auch in stationärer Behandlung. Die Einschränkungen der vergangenen Wochen könnten bei ihnen dazu geführt haben, dass sie diese Zeit noch einmal durchlebten, was zu zusätzlicher Belastung führen kann.
  • Außerdem konnten viele Therapiesitzungen nicht wie gewohnt stattfinden und Selbsthilfegruppen konnten sich nicht zusammenfinden. Auch viele weitere hilfreiche Routinen waren nicht möglich.
 

Welche Strategien sollten psychisch erkrankte Menschen befolgen?

Die vergangenen Wochen, in denen unser gewohntes Leben kaum noch stattfinden konnte, waren insbesondere für psychisch erkrankte Menschen sehr schwer und problematisch. Einige von ihnen mussten diese Situation alleine durchleben. Andere waren mit ihren Familien zusammen, wussten aber dennoch nicht, was sie angesichts dieser Pandemie tun sollten.

Wenn auch du dich in einer derartigen Situation befindest, möchten wir dir einige Strategien nennen, die dir hoffentlich helfen werden, um diese Zeit gut zu überstehen:

  • Versuche, soweit dies möglich ist, deine gewohnte Routine und deinen Tagesablauf beizubehalten. Tue alles, was für dein Wohlbefinden erforderlich und hilfreich ist. Ruhe dich aus, ernähre dich gesund, treibe ein wenig Sport und tue dir etwas Gutes.
  • Wenn du noch keinen neuen Termin mit deinem Therapeuten hast, versuche, die Übungen durchzuführen, die du bereits in den bisherigen Sitzungen erlernt hast.
  • Außerdem solltest du dich nicht davor scheuen, um Hilfe und Unterstützung zu bitten. Zwischenzeitlich dürfen wir uns auch wieder – unter Beachtung der Hygienevorschriften – mit anderen Menschen treffen. Nutze diese Möglichkeit, wenn du kannst. Du verdienst es, dass es dir gut geht und du darfst auch die Unterstützung anderer Menschen in Anspruch nehmen.
  • Grundsätzlich ist es wichtig, dass du dir ein Support-Netzwerk aufbaust. Familie, Freunde, Nachbarn, Sozialdienst, Verbände, Psychologen und Ärzte sollten ein Netzwerk bilden, das sich um dich kümmert.
  • Darüber hinaus solltest du weiterhin mit anderen Menschen in Kontakt bleiben. Nachrichten und regelmäßige Telefonate oder auch ein gemeinsamer Kaffee mit einer Freundin sind in diesen Zeiten besonders wichtig für dich.
  • Außerdem solltest du die Strategien beibehalten, die dir schon in der Vergangenheit geholfen haben. Mache beispielsweise Atemübungen, lies ein Buch, höre Musik usw.
psychisch erkrankte Menschen - Unterstützung

Abschließende Gedanken

Abschließend möchten wir dich daran erinnern, dass du nicht alleine bist. Auch wenn du jemanden kennst, der sich in dieser Situation befindet, solltest du dir überlegen, was du tun könntest, um diesen Menschen zu unterstützen.