Mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leben

6. Oktober 2018

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung oder BPS ist eine der Persönlichkeitsstörungen, die das tägliche Leben Betroffener und ihrer Familien besonders erschwert. Es handelt sich um eine seltene psychische Erkrankung. Sie wird in der Regel bei Menschen im Alter von 20-25 Jahren diagnostiziert. Diejenigen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung zeigen jedoch schon früher Symptome, möglicherweise bereits zu Beginn der Persönlichkeitsentwicklung im frühen Jugendalter.

Obwohl es sich um eine seltene Erkrankung handelt, wurde sie wegen der Schwierigkeiten und Probleme in der Bewältigung des täglichen Lebens, denen sich Betroffene stellen müssen, sehr gründlich untersucht. Impulsivität, große Angst vorm Verlassenwerden und mangelnde emotionale Kontrolle zeichnen Patienten mit dieser Erkrankung aus. Wir können sicher sagen, dass die BPS zu vielen Problemen im Alltag beiträgt.

Daher wird dieser Artikel diskutieren, was eine Borderline-Persönlichkeitsstörung ist und Empfehlungen für diejenigen geben, die darunter leiden. Die Aussagen in diesem Artikel stammen aus der Arbeit mit Menschen, die eine BPS haben und sind im Handbuch von Dr. Marsha M. Linehan, einer Expertin für diese Erkrankung, nachzuvollziehen.

Dr. Marsha M. Linehan

Impulsivität bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung

„Mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung zu leben bedeutet, eine starke Tendenz zu impulsivem Verhalten zu haben, das Betroffene dazu bringt, voreilige Entscheidungen zu treffen oder auf Situationen in einer Art und Weise zu reagieren, die sie später bereuen werden.“

Menschen mit einer BPS haben allgemein ein hohes Maß an Impulsivität, die sich jedoch unterschiedlich manifestiert, in Abhängigkeit von der Stimmung der Person und den Situationen, auf die sie trifft. Mit einer BPS zu leben bedeutet daher, impulsives Verhalten zu zeigen und Entscheidungen zu treffen, die man später bereut. „Es ist, als würde ich mit einem Ballon in der Hand leben, der jederzeit explodieren kann“, sagt eine Person mit einer BPS dazu.

Auch erleben diejenigen, die unter einer BPS leiden, unkontrollierbar impulsives Verhalten, das sich nachteilig auf zwischenmenschliche Beziehungen und ihr berufliches Umfeld auswirkt. Negative Folgen sind dabei ebenfalls auf voreilige Entscheidungen zurückzuführen, die aus dem Bauch heraus getroffen werden. Das alles kann zu einer umfassenden Instabilität führen, die schließlich die emotionale Stabilität des Patienten beeinträchtigt.

In diesem Sinne müssen Menschen mit einer BPS Strategien, kognitive und verhaltensbedingte Fähigkeiten erlernen, um impulsives Verhalten zu managen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Menschen mit einer BPS wissen, wie sie positive und flexible Affirmationen bei der Beurteilung von Alltagssituationen und -erfahrungen einsetzen können.

Mann mit Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Unsicherheit, die durch die Angst vor dem Verlassenwerden verursacht wird

Das Leben mit einer BPS ist oft gleichbedeutend damit, „nicht in der Lage zu sein, Beziehungen zu genießen, aus Angst, dass die Person, die man liebt, sich entscheidet, zu gehen“,  erklärt ein 37-jähriger Patient mit BPS seit seinem 19. Lebensjahr. Deshalb verharren Menschen mit einer BPS meist in ihrer großen Angst vor dem Verlassenwerden, während sie die positiven Aspekte von Beziehungen aus den Augen verlieren.

Dabei muss die Angst vor dem Verlassenwerden nicht verbal ausgedrückt werden. BPS-Patienten teilen ihren Partnern, Freunden oder Verwandten nicht unbedingt mit: „Ich habe Angst, dass du mich verlässt.“  Ihre Angst vorm Verlassenwerden zeigt sich meist in Eifersucht. Andere Ausdrucksformen sind die Suche nach Kontrolle über den anderen, die Vermeidung individueller Aktivitäten und des Alleinseins.

Es kann durchaus zutreffend sein, dass Menschen mit einer BPS Erfahrungen des Verlassenwerdens auf Familien- oder persönlicher Ebene gemacht haben. Das Problem dabei ist, dass sie derartige Tragödien nicht überwinden können und diese Erfahrung auf fast alle Bereiche ihres Lebens zu übertragen neigen. Deshalb ist es für Menschen mit einer BPS wichtig, während der Therapie die Wunden der Vergangenheit zu heilen, die Angst vorm Verlassenwerden zu bewältigen und Eifersucht und kontrollierendes Verhalten zu reduzieren.

Unglückliche Frau in Abwehrhaltung

Die Achterbahn der Gefühle

„Mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung zu leben ist ein intensives Leben, ob gut oder schlecht.“

Eines der Hauptsymptome der BPS ist die Schwierigkeit, Emotionen zu kontrollieren. Im Verhältnis zur realen Situation sind die Emotionen Betroffener übermäßig intensiv und unverhältnismäßig. Deshalb ist das „Leben mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ein intensives Leben, ob gut oder schlecht“.

Probleme bei der Kontrolle von Emotionen beginnen häufig bereits in der Kindheit. Nämlich dann, wenn die Gefühle der Kinder nicht bestätigt werden, wenn ihnen vermittelt wird, dass ihre Gefühle unwichtig oder falsch wären. Sie versäumen es dann, ihre Emotionen zu benennen und auszudrücken. Deswegen bedeutet eine BPS im Erwachsenenalter, „einen Schwall von Emotionen zu spüren, die nur missverstanden werden können, wenn sie geballt auftreten“.

Menschen mit einer BPS erleben aufgrund ihrer Schwierigkeit, ihre emotionale Reaktion zu kontrollieren, das Beste und das Schlimmste aus der Welt der Emotionen. BPS-Therapiesitzungen konzentrieren sich deshalb auch auf die Förderung der emotionalen Kontrolle.

Schließlich ist es wichtig, zu betonen, dass es viel Geduld und Einfühlungsvermögen erfordert, mit BPS-Patienten zu leben. Wie bei allen Persönlichkeitsstörungen sind die Mitmenschen des Patienten auf gewisse Weise mitbetroffen. Wenn du eine BPS hast, dann denke deshalb daran, dass die Menschen, die dich am meisten lieben, oftmals das Gefühl haben, nicht zu wissen, was sie tun sollen oder wie sie dir helfen können. Es ist daher ratsam, dich von einem Fachmann beraten zu lassen.