Posttraumatisches Wachstum: Aus deinem Schmerz lernen

· 19. Juli 2017

Wenn das Leben süß schmeckt, dann bedanke dich und feiere. Wenn es sauer ist, dann sei dankbar und wachse. Sei dankbar für alles, was dir passiert, sei es gut oder schlecht. Das ist das Fundament von Ganzheit und Glück. Selbst Situationen, die zu Schmerz führen, verdienen Dankbarkeit, denn sie sind die Basis von intellektuellem, emotionalen und spirituellen Wachstum.

Schmerz und bittere Erfahrungen sind mächtige Dünger für persönliches Wachstum. Leid kann zu wichtigen Veränderungen in dir führen und eine bessere Version deiner selbst schaffen. Das wird posttraumatisches Wachstum genannt.

„Der Sinn des Lebens ist es, dem Leben einen Sinn zu geben.“

Ken Hudgins

Was ist posttraumatisches Wachstum?

Mitte der 90er haben die Psychologen Richard G. Tedeschi und Lawrence G. Calhoun posttraumatisches Wachstum unter Anwendung des Posttraumatic Growth Inventory (PTGI) untersucht. Sie fanden heraus, dass 90% der Menschen, die ein traumatisches Ereignis erlebt haben, und auch den Schmerz, der damit einhergeht, mindestens ein Anzeichen für posttraumatisches Wachstum zeigen.

Tedeschi und Calhoun haben posttraumatisches Wachstum als eine positive psychologische Veränderung definiert, die von Schwierigkeiten und Herausforderungen herrührt. Das Ziel des Geistes ist es dabei, eine höhere Funktionsfähigkeit zu erreichen.

Traumata fordern die Fähigkeit eines Menschen, sich anzupassen, die Welt zu verstehen und sich dem Schmerz eines Verlusts zu stellen. Diese Umstände tragen zu einem tiefen, bedeutungsvollen Prozess persönlicher Veränderung bei.

Die fünf Säulen des PTGI sind folgende:

  • Das Verlangen danach, sich neuen Möglichkeiten gegenüber zu öffnen
  • Eine bessere Verbindung zu anderen schaffen, die sich in gesteigerter Empathie für das Leid anderer zeigt
  • Ein deutliches Gefühl der Selbstständigkeit, dem Glauben, alles erreichen zu können, wenn diese Hürde überwunden wurde
  • Mehr Dankbarkeit für das Leben im Allgemeinen, genauso wie auch eine höhere Wertschätzung jener Dinge, die wir zuvor als selbstverständlich betrachtet haben
  • Ein tieferer Sinn oder eine spirituelle Wandlung, die eine Veränderung oder Neudefinition des Glaubenssystems beinhalten kann

Ursachen, Symptome und Folgen des posttraumatischen Wachstums

Posttraumatisches Wachstum tritt auf, wenn ein Mensch versucht, sich an stark negative Umstände anzupassen, die zu großer Angst führen können. Dieses Wachstum tritt nicht als direkte Konsequenz eines Traumas auf, sondern ist die Folge des Versuches, das Trauma und seine Auswirkungen auf das eigene Leben zu verarbeiten.

Soziale Unterstützung ist bekanntermaßen das Fundament für die Heilung mentaler Krankheiten und die Bewältigung von Stress. Bezüglich posttraumatischen Wachstums wird allerdings nicht nur eine vorhergehende, wesentliche soziale Unterstützung mit Wachstum in Verbindung gebracht, sondern es gibt zusätzlich neurologische Belege dafür, dass soziale Unterstützung eine potenzielle pathologische Antwort auf posttraumatischen Stress regulieren kann. Damit erhöht soziale Unterstützung die Chancen auf posttraumatisches Wachstum.

Bestimmte Symptome zeigen posttraumatisches Wachstum an und werden mit einer besseren Anpassungsfähigkeit assoziiert. Es wurde zum Beispiel gezeigt, dass Spiritualität stark mit posttraumatischem Wachstum korreliert. Tatsächlich sind die meisten spirituellen Sinneswandel die Folge eines Traumas. Man fand zudem heraus, dass die Fähigkeit, Situationen zu akzeptieren, die nicht geändert werden können, essenziell für Anpassung ist. Sie ist daher ebenfalls ein signifikanter Prädikator für posttraumatisches Wachstum.

 

Den Superhelden in dir herbeirufen

Wir alle kennen Geschichten von Leuten, die nach einer schrecklichen Tragödie stärker geworden sind und einen Sinn im Leben gefunden haben. Tatsächlich wurden so manche der größten Helden der Realität und der Fiktion geboren.

Wenn du eine Liste von Superhelden anfertigst, dann finden sich auf dieser bestimmt Superman, Batman und Spiderman. Batman und Spiderman beginnen, gegen die Kriminalität zu kämpfen, als ihre Lieben getötet werden. Superman hat eine andere Art Tragödie erlebt und seinen Heimatplaneten verloren, aber wir haben noch viel mehr Gesprächsstoff, wenn wir uns die Geschichte des Schauspielers anschauen, der ihn ursprünglich gespielt hat.

Christopher Reeve blieb nach einem Reitunfall tetraplegisch, querschnittsgelähmt vom Hals an abwärts. Dieses Drama hat ihn Suizidgedanken fassen lassen. Allerdings hat Reeve seinen inneren Superman herbeigerufen und wurde zu einem Botschafter und Vorbild für Menschen mit Wirbelsäulenverletzungen. Und er handelte mit der gleichen Entschlossenheit, die auch Superman charakterisiert.

Das ist nur ein Beispiel dafür, wie ernste Einschränkungen, Krankheiten oder Verluste zu inneren Revolutionen führen können. Diese tragischen Anlässe sind wie Erdbeben, die alle Möbel in deinem Kopf umherwerfen. Aber sie geben dir die Möglichkeit, dich neu einzurichten.