Pistanthrophobie: Wenn du Angst davor hast, anderen zu vertrauen

· 4. März 2018

Die meisten von uns haben in der Liebe irgendwann einmal eine Enttäuschung oder einen Betrug erfahren. Und wir alle haben erfahren, wie schwer es ist, wieder zu vertrauen, wenn uns jemand unrecht getan hat. An sich schon ist vertrauen keine leichte Aufgabe. Doch wenn du an Pistanthrophobie leidest, kann es fast unmöglich werden, zu jemandem Vertrauen zu fassen.

Vertrauen gibt es nicht gratis, aber man kann es auch nicht bezahlen. Es ist etwas, das du entweder geben möchtest oder nicht. Es entsteht über Monate und Jahre durch geteilte Erfahrungen in Beziehungen, die auf Gegenseitigkeit beruhen. Wir wissen, dass es lange dauert, das Vertrauen eines Menschen zu gewinnen. Doch dass ein Moment genügt, um es zu verlieren. Jedoch sagt man auch, dass die Hoffnung das letzte sei, das wir verlieren und dass die Zeit alle Wunden heile.

Was ist Pistanthrophobie?

Die Pistanthrophobie ist durch eine irrationale Angst vor dem Aufbau einer intimen Beziehung zu anderen Personen geprägt. Erlittene Traumata oder schmerzhafte Erfahrungen lasten so schwer, dass die Furcht den Wunsch überwältigt, anderen zu vertrauen. Menschen mit diesem Leiden beginnen, sich so zu fühlen, als ob sie früher oder später zwangsläufig enttäuscht oder betrogen würden. Sie werden extrem misstrauisch. Sie haben vor der Vorstellung Angst, dass sich die Leiden der Vergangenheit wiederholen könnten. Daher tun sie alles in ihrer Macht Stehende, damit das nicht passiert.

Misstrauische Frau

“Warum passiert mir das immer? Ich werde nie glücklich sein. Ich werde immer allein sein.“  Dies sind ein paar der Gedanken, die sich in ihrem Kopf stets wiederholen. Sie wollen Liebe geben und vertrauen, doch sie haben das Gefühl, dass sie es nicht könnten. Deswegen verspüren sie neben dem Misstrauen auch Enttäuschung, Frustration, Traurigkeit, Wut, Schuld und Scham.

Verhalten von Menschen mit Pistanthrophobie

Niemand möchte Schmerz erfahren. Doch wenn wir unsere Befähigung zu vertrauen verlieren, verlieren wir auch die Grundlage jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Die Konsequenzen für Menschen mit Pistanthrophobie begrenzen sich nicht auf ihre Emotionen. Sie weiten sich auch auf andere Bereiche ihres Lebens aus, wie die Arbeit, die Familie und natürlich auf Liebesbeziehungen. Ihre Autosuggestion führt sie dazu, sich sozial zu isolieren.

Typische Verhaltensweisen umfassen:

  • Tätigkeiten vermeiden, die engen zwischenmenschlichen Kontakt erfordern
  • Zurückhaltender werden, weil man sich vor Kritik fürchtet
  • Übertriebene Angst davor, verurteilt, zurückgewiesen und betrogen zu werden, empfinden
  • Nicht an Veranstaltungen oder Treffen teilnehmen, in denen man Fremden begegnen würde, von denen man nicht weiß, ob sie einen mögen werden
  • Keine Risiken einzugehen, die die eigenen Emotionen gefährden könnten, darum ist man lieber als Einzelgänger oder gar Einsiedler unterwegs
  • Vermeiden intimer Beziehungen um nicht wieder enttäuscht zu werden

All diese Verhaltensweisen werden exponentiell stärker, je mehr die Person sich emotional mit einer anderen verbunden sieht.

Mangel an Vertrauen

Normalerweise beginnt die Schwierigkeit, anderen zu vertrauen, mit Misstrauen gegenüber sich selbst. Dieses Misstrauen wirkt sich negativ auf die Intuition oder den sechsten Sinn aus, und diese teilen uns Menschen mit, ob eine andere Person vertrauenswürdig ist oder nicht. An sich mangelt es Menschen mit Pistanthrophobie nicht an Intuition. Sie vertrauen ihrer inneren Stimme einfach nicht. Aber sie geraten nicht in Panik, wenn sie sich unsicher sind. Dann vertrauen sie nämlich auf ihr Urteilsvermögen, da sie nichts anderes haben, auf das sie sich stützen könnten. Und das lässt sie zum Schluss kommen, dass es gefährlich ist, zu vertrauen.

Dieses mangelnde Vertrauen in die Intuition mindert oft ihr Vertrauen in andere Fähigkeiten, darin, dass sie sich selbst verteidigen könnten, wenn sie jemand angreift. Dementsprechend werden sie noch misstrauischer, weil sie denken, dass wir wehrlos seien. Auf diese Weise verstärkt sich die Phobie selbst.

In diesem Kontext ist der Aufbau von Beziehungen eine sehr schwierige Aufgabe. Es ist, als sie einen sehr hohen Berg besteigen müssten, aber Höhenangst hätten: Die Angst, zu fallen, steigt mit jedem Schritt, den sie machen. So weit, bis sie das Gefühl haben, dass sie nicht mehr vorwärtsbewegen können. Deshalb beenden Menschen mit Pistanthrophobie ihre Beziehungen oft unvermittelt. Sie können nicht mehr länger den Berg hinaufgehen, die Beziehung vertiefen.

Misstrauischer Mann

Therapie: Der beste Schritt, den wir machen können

Das Vertrauen kommt nicht von heute auf morgen zurück, weder in uns noch in anderen. Daher ist es wichtig, sich zum Überwinden der Pistanthrophobie Hilfe zu suchen. Psychologen können uns dabei helfen, von unseren emotionalen Wunden zu genesen. Wenn die Ursache bekämpft wird, lässt sich das Problem lösen.

  • Ein gesunder Trauerprozess ist unerlässlich, wenn wir wieder vertrauen möchten. Dafür müssen wir den Schmerz, den wir fühlen, akzeptieren. Und wir müssen aufhören, vor unseren Gefühlen wegzurennen. Ebenso sollten wir das Problem nicht bagatellisieren oder wegschauen.
  • Es braucht Zeit und Ruhe. Die Emotionen müssen sich stabilisieren. Deshalb ist es keine gute Idee, sofort eine neue Beziehung zu beginnen. Wahrscheinlich ist man dann noch nicht dazu bereit, wieder jemandem zu vertrauen, ohne dass die erlittenen Traumata diese Beziehung zum Scheitern verurteilen würden.
  • Übe täglich Situationen, die Vertrauen erfordern. Beauftrage zum Beispiel deinen Partner damit, ein paar Dinge zu tun, die dein Vertrauen allmählich wachsen lassen. Geht gemeinsamen Tätigkeiten nach, um ein festes Fundament aufzubauen.

Einer anderen Person zu vertrauen ist sowohl eine wahre Herausforderung als auch eine unerlässliche Notwendigkeit. Das Vertrauen, das wir in unsere Mitmenschen haben, hat mehrere Vorteile. Dazu zählt, dass unser Glück und unser Selbstvertrauen steigen. Die Mühe ist es definitiv wert.