Können wir uns auf unsere Intuition verlassen?

29. Juni 2017 en Psychologie 110 Geteilt

Wenn es darum geht, Probleme zu lösen, können wir uns in vielerlei Hinsicht Rat holen, aber was steckt hinter den sogenannten Eingebungen? Eingebungen entspringen unserem Verstand. Wenn wir im Duden nach der Definition von Worten wie „Ahnung“ suchen, erhalten wir folgende Erklärungen: intuitives Wissen, Vermutung, Vorstellung von etwas. Die erste Definition bezieht sich auf die Intuition, die zweite auf eine Vermutung und die Idee, dass etwas passieren wird.

Ja, es ist in der Tat so, dass wir über die Fähigkeit verfügen, innerhalb von Sekunden eine Entscheidung zu treffen und uns dabei nur selten irren. Daher erscheint es unmöglich, dass ein Instinkt, der für unser Überleben eine so entscheidende Rolle spielt, vom reinem Zufall beherrscht wird. Klar wird das, wenn wir daran denken, wie oft wir schon auf unsere Intuition vertraut haben und nicht enttäuscht wurden.

„Mithilfe der Intuition besiegen wir die offensichtlich kompromisslose Feindseligkeit, die unser menschliches Fleisch vom Metall der Motoren unterscheidet.“

Filippo Marinetti

Die Zerbrechlichkeit der Intuition

Wir wissen, dass wir nicht immer unserer ersten Eingebung trauen können. Wir alle können uns nur zu gut an verschiedene Male erinnern, in denen wir uns auf sie verlassen haben und wir damit keinen Erfolg hatten. Auf der anderen Seite wissen wir aber auch, dass unsere Intuition gern Abkürzungen nimmt, die im Allgemeinen alles andere als klar und deutlich zu erkennen sind.

„Mithilfe der Logik probieren wir etwas aus, aber mithilfe der Intuition entdecken wir etwas.“

Henri Poincaré

Daneben wird dieser Instinkt häufig eher mit Frauen in Verbindung gebracht, weshalb der Volksmund nicht umsonst von der „weiblichen Intuition“ spricht. Außerdem ist man immer davon ausgegangen, dass es sich dabei um etwas „Magisches“ handelt und Intuition eine besondere Fähigkeit oder Gabe sei. Doch trotz der Tatsache, dass es der Wissenschaft nicht gelungen ist, das zu bestätigen, wissen wir, dass sie eine naheliegendere und verständlichere Funktion erfüllt als reine Magie.

Unser Gehirn assoziiert oftmals sehr schnell und unbewusst: schnell, weil es dazu in der Lage sein muss, eine Vielzahl an Informationen zu verarbeiten, und unbewusst, weil es diese mit einem von unserem Bewusstsein getrennten Fokus interpretiert.

Können wir uns schnell in den Sinn kommende Gedanken beeinflussen?

Die Geschichte von Abbie Conant, die uns Malcom Gladwell in seinem Buch Intuitive Intelligenz  erzählt, ist nicht nur eine Geschichte über den Kampf gegen den Machismus in der Musikwelt. Sie spiegelt auch wider, wie man die Intuition begünstigen kann, wenn sich der Verstand einmischt. Abbie spielte 1980 in Italien Posaune – ein Instrument, das traditionell vom männlichen Geschlecht gespielt wurde. Sie bewarb sich bei vielen europäischen Orchestern, doch nur das Orchester der Münchner Philharmoniker antwortete ihr.

„Der Intellekt bringt die Intuition durcheinander.“

Piet Mondrian

Musikexperten erkennen innerhalb von Sekunden die Qualität einer Interpretation. Bei Conant waren sich die Münchner sofort einig und nachdem sie das von ihr gespielte Stück gehört hatten, wollten sie keinen anderen Kandidaten mehr hören.

Die Überraschung folgte, als sie den ausgewählten Posaunisten auf die Bühne baten und dort eine Frau erschien. Eine Frau, von der sie sich nicht vorstellen konnten, dass sie solch ein Instrument spielen konnte. Trotz dessen, dass sie sie anstellten, musste sie unzählige Probestücke spielen, bis sie vor den Ausschuss gelangte, um anerkannt zu werden.

Dies ist ein Beispiel dafür, wie wir das Umfeld manipulieren können, um zuzulassen, dass es auf seine Intuition vertraut: Als die Gedanken um Frauen mit einer Posaune einmal beiseitegelassen wurden, blieb nur noch Sensibilität und Reinheit übrig. Ohne die Vorahnung wäre Abbies Talent von einem anderen Feind der Intuition überschattet worden, vom Vorurteil.

Von der Wichtigkeit, in den richtigen Momenten auf unsere Intuition zu vertrauen

Trotz dem, was wir bereits erwähnt haben, können wir uns für gewöhnlich auf unsere Intuition verlassen, wenn uns nur wenig Zeit bleibt, um eine Entscheidung zu treffen. Stell dir vor, man bietet dir an, innerhalb des Unternehmens die Abteilung zu wechseln, und man sagt dir, dass du dich schnell entscheiden müsstest, da diese Stelle sehr bald schon besetzt werden müsse. In solchen Fällen, ist es am besten, wenn wir uns auf unsere Intuition verlassen.

Wenn es darum geht, viele Informationen zu verarbeiten, ist die Intuition ein treuer Verbündeter. In diesen Fällen ist sie so wertvoll, dass es unmöglich ist, sie mit unserem Verstand auf dieselbe Stufe zu stellen. Da die Intuition anders arbeitet als das Bewusstsein, kann sie uns neben der Vielzahl an Informationen eine bessere Antwort liefern, ohne zuerst logische Schlüsse ziehen zu müssen.

Unsere Intuition ist nicht frei von kulturellen Aspekten, Vorurteilen oder unkontrollierten Gefühlen. Anders gesagt kann sie uns auch schlecht in die Karten spielen. Daher sollten wir sie als ein Hilfsmittel, aber niemals als einzige Lösung ansehen. Es gibt bestimmte Situationen, in denen es angebrachter ist, sich genug Zeit zu nehmen und unseren Verstand bewusste Überlegungen anstellen zu lassen.

Wir sollten auch nicht ungesagt lassen, dass wir unseren intuitiven Prozess verbessern können, indem wir diese schnellen Assoziationen, mit denen gearbeitet wird, identifizieren und sie auf die Probe stellen. So können wir feststellen, inwieweit sich die Wähler einer bestimmten politischen Partei durch gemeinsame Eigenschaften auszeichnen oder inwiefern die Einwohner eines Landes einer Gewohnheit nachgehen, die von Außenstehenden als für sie typisch wahrgenommen wird.

Dieser Art der Assoziationen zu verbessern und zu beeinflussen wird zur Folge haben, dass unsere Intuition effizienter wird.

„Lebt nicht im Einklang mit vorgelegten Idealen, sondern im Einklang mit eurem Streben, mit eurer innigsten Intuition.“

Antonio Gala

Wie beeinflusst die Intuition unser Leben?

Während unser Gehirn arbeitet, hantiert es hinter
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