Pick-Krankheit: unangebrachte Verhaltensweisen

Die Pick-Krankheit kann aus einem respektvollen Menschen einen unhöflichen und unverschämten machen. Es ist eine seltene degenerative Krankheit. Erfahre mehr darüber.
Pick-Krankheit: unangebrachte Verhaltensweisen

Letzte Aktualisierung: 07. April 2021

Die Pick-Krankheit ist gekennzeichnet durch eine fortschreitende Veränderung der Persönlichkeit und sozialen Verhaltensweise. Dies äußert sich durch Beleidigungen, unerwartete und unhöfliche Kommentare, belästigendes Verhalten und sogar Aggression.

Die Familien von Morbus-Pick-Patienten leiden unter unsäglichem Stress bei dieser besonderen Form der Demenz. Wenige Dinge sind schockierender, als eine solch radikale Veränderung bei einer nahestehenden Person zu beobachten und zu erleben, wie sie plötzlich unfähig ist, grundlegende soziale Normen zu respektieren.

Die Pick-Krankheit ist keine so häufige neurodegenerative Erkrankung wie Alzheimer. Tatsächlich tritt sie nur bei knapp 0,02 % der Bevölkerung auf (in den Vereinigten Staaten zum Beispiel 1 von 5500). Ihre Folgen sind jedoch sowohl schwerwiegend als auch tödlich. Hinzu kommt, dass sie recht früh auftritt, im Durchschnitt zwischen dem 50. und 53. Lebensjahr.

Dennoch haben Experten diese neurologische Krankheit auch sogar schon bei jungen Menschen, die gerade in ihren Zwanzigern sind, festgestellt. Tragischerweise führt diese Krankheit zu einer recht kurzen Lebenserwartung.

Leider gibt es keine Heilung. Und auch durch eine Behandlung kann diese radikale Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderung nicht gestoppt werden. Daher ist die Betreuung von Patienten mit dieser Krankheit äußerst schwierig und sehr qualvoll.

Viele Angehörige werden so das Opfer körperlicher und verbaler Aggressionen ihres Vaters, ihrer Mutter oder eines anderen Familienangehörigen, von dem sie früher Zuneigung und Respekt erhalten haben.

Wir gehen anschließend etwas genauer auf diese Art der Demenz ein.

Morbus Pick-Krankheit

Die Pick-Krankheit: Krankheitsbild und Auslöser

Wenn wir über Demenz sprechen, fällt den meisten zuerst die Alzheimer-Krankheit ein. Weiters verbinden wir diese Art der neurodegenerativen Erkrankungen oft mit folgenden typischen Symptomen: Verwirrtheit, Gedächtnisverlust und Orientierungsprobleme.

Die Pick-Krankheit unterscheidet sich jedoch in mehreren Punkten von der Alzheimer-Krankheit. Sie betrifft andere Bereiche des Gehirns und bewirkt dort auch einzigartige biochemische Veränderungen. Das zuerst auftretende Symptom ist die Veränderung der Persönlichkeit des Erkrankten.

Bei der Pick-Krankheit handelt es sich um eine schwere Erkrankung des Gehirns, die aus drei Phasen besteht und aufgrund der fortschreitenden Degeneration des Gehirns traurigerweise mit dem Tod des Patienten endet.

Was ist der Ursprung?

Bis jetzt wissen die Experten noch nicht, was diese Krankheit verursacht. Sie betrifft ausschließlich den Frontal- und Temporallappen im Gehirn und führt so zu einer frontotemporalen Demenz. Morbus Pick und die Auffälligkeiten dieser Erkrankung wurden 1892 von dem Psychiater Arnold Pick in Prag entdeckt.

  • In den betroffenen Bereichen des Gehirns finden sich anormale Stoffe, die als Pick-Körper bezeichnet werden.
  • Diese dunklen Bereiche weisen Veränderungen des Tau-Proteins auf.
  • Klinische Studien, wie die am Albert Einstein College in New York durchgeführte, zeigen, dass diese Art von Demenz in der Regel fortschreitend ist und etwa vier Jahre nach der Diagnose tödlich endet. Die Pick-Körper bewirken die Verkümmerung der Neuronen im Gehirn und die vollständige Veränderung ihrer Funktion.
  • Das betrifft nicht nur den Frontal- sowie Temporallappen, sondern auch das limbische System und den Hippocampus. Also Regionen, die bekanntlich mit Emotionen und Gedächtnis verbunden sind.
  • Die Krankheit ist sehr selten. Auf 100 Alzheimer-Patienten kommt einer mit der Pick-Krankheit.

Was sind die Symptome der Pick-Krankheit?

Diese Form der Demenz im Frontalbereich des Gehirns führt zu einer raschen Verschlechterung der sozialen Fähigkeiten. Eine Person verliert schließlich vollständig ihre Fähigkeit, gesellschaftliche Normen anzuerkennen und danach zu handeln.

  • Es wird eine Enthemmung des Verhaltens beobachtet.
  • Die Person zeigt außerdem unangemessenes und anstößiges Sexualverhalten.
  • Die Person wechselt zwischen Scherzen und Aggression. Sie neigt dazu, die Menschen um sie herum mit Sarkasmus zu behandeln. Bei fortgeschrittener Erkrankung beleidigt der Kranke alle um ihn herum, unabhängig davon, ob es sich um Familienmitglieder handelt oder nicht.
  • Emotionale Gefühllosigkeit, auffällige Stimmungsschwankungen sowie Apathie und Gereiztheit treten auf.
  • Der Patient entwickelt eine depressive Gefühlslage.
  • Mit dem Fortschreiten der Krankheit kommt es zu Gedächtnisausfällen und der Patient zeigt ähnliche Symptome wie bei Alzheimer.
  • Auch Sprachveränderungen, wie z. B. Echolalie, treten auf. Dies sind unwillkürliche Wiederholungen von Wörtern oder Sätzen, die die Person gerade gehört hat.
  • Es kommt auch häufig zu Hyperoralität und dem Pica-Syndrom. Dabei handelt es sich um Störungen, bei der die Person alles, was sie finden kann, in den Mund nimmt.
  • Primitive Reflexe wie Saugen, Kopfwackeln und unwillkürliches Greifen sind ebenfalls häufige Folgeerscheinungen.
an Pick-Krankheit erkrankter Mann

Gibt es eine Behandlung für diese Form der Demenz?

Was wir wissen ist, dass je früher diese Krankheit beginnt, desto schlimmer ihr Verlauf ist und desto früher der Patient stirbt. Es handelt sich dabei um eine extrem aggressive Form der Demenz. Und sie beeinträchtigt auch die Menschen im Umfeld des Patienten sehr stark. Die Familie wird Zeuge, wie der geliebte Mensch plötzlich ein völlig anderer wird.

Die Krankheit kann auch bei Menschen auftreten, die noch jung sind. Im Durchschnitt sterben Erkrankte innerhalb von sechs oder sieben Jahren nach dem Auftreten der ersten Symptome. Es gibt bislang keine Heilung und man kann nur die emotionalen Auswirkungen, wie beispielsweise eine Depression behandeln.

Der schwierigste Aspekt der Pick-Krankheit ist ihr extrem schnelles Fortschreiten und die ständigen Veränderungen, die der Patient durchlebt. Das macht eine schnelle medizinische Therapie zum Verlangsamen dieser Veränderungen sehr schwierig. Wir wissen jedoch, dass diese Krankheit meist aus drei Hauptphasen besteht:

  1. Erstens: die Veränderung der Persönlichkeit sowie des Urteilsvermögens und des Denkens.
  2. Zweitens: Gedächtnisprobleme und emotionale und sprachliche Veränderungen.
  3. Drittens: eine schnelle Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands, was dann mit dem Tod des Patienten endet.

Es ist sehr wichtig, der Familie eines Erkrankten eine umfassende Unterstützung zukommen zu lassen. Die emotionalen Folgen für die Betroffenen sind immens. Die Pflege eines Pick-Patienten ist nicht einfach und man muss mit seiner Hypersexualität und Aggressivität umgehen. Die Familie leidet enorm und benötigt soziale und psychologische Unterstützung.

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