Permissive Kindererziehung - das Für und Wider

Irgendwann stellen sich alle Eltern die Frage, ob sie bei der Erziehung ihrer Kinder zu streng oder zu nachsichtig gewesen sind. Unabhängig davon, ob du zu dem einen oder dem anderen Extrem tendierst, ist es immer wichtig, den angeborenen Charakter und die Veranlagung eines Kindes zu berücksichtigen. Aber wann wird permissive Kindererziehung zu einem Problem?
Permissive Kindererziehung - das Für und Wider

Letzte Aktualisierung: 22 Januar, 2021

Obwohl permissive Kindererziehung an sich keine schlechte Sache sein muss, ist sie auch nicht notwendigerweise die beste Grundlage für die Erziehung eines Kindes. Dies gilt insbesondere in extremen Fällen, in denen diesem entspannten Ansatz keine anderen Faktoren wie ein starker Einfluss der Eltern oder eine offene Kommunikation entgegenwirken.

Unabhängig davon, ob du dich nun für den einen oder anderen Ansatz entscheidest, sind Experten wie Dr. Jeff Nalin (Gründer des Paradigm Treatment Centers) der Auffassung, dass Kinder wissen müssen, wer die Verantwortung hat. Sie benötigen diesen Bezugspunkt, damit sie verstehen können, was sie tun dürfen und was nicht.

Manche übermäßig permissive Eltern entscheiden sich möglicherweise dafür, zu schweigen, und vermeiden es, bestimmte Grenzen zu setzen; aus Angst davor, ihr Kind könnte schlecht darauf reagieren und frustriert sein, wenn es letztendlich ein Nein hört und nicht das bekommt, was es möchte. Wenn dies geschieht, werden die Grenzen, die von anderen Menschen als den Eltern gesetzt werden, immer wichtiger und gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Permissive Kindererziehung - Mutter mit Tochter

Permissive Eltern

Aber was genau ist permissive Kindererziehung oder anders gefragt, wie verhalten sich permissive Eltern? Sie sind recht einfach zu identifizieren. Normalerweise sind sie sehr freundlich, liebevoll und aufmerksam im Umgang mit ihren Kindern. Aufgrund ihrer Unfähigkeit, Grenzen zu setzen, bilden sie Familiengruppen, in denen es keine festen Strukturen gibt. In diesen Konstellationen herrschen Chaos und Improvisation vor. Darüber hinaus versuchen permissive Eltern, den Kindern so wenige Einschränkungen wie möglich aufzuerlegen. Stattdessen haben die Wünsche der Kinder oberste Priorität.

In vielen Fällen führt dieses Fehlen von Regeln dazu, dass sich das Kind der Existenz von Regeln überhaupt nicht bewusst ist. Diese Kinder sehen ihre Eltern als Freunde und nicht als Autoritätsperson. Das Problem besteht darin, dass die Eltern selbst ein derartiges Vorgehen bevorzugen. Sie genießen das Fehlen von Konflikten, ungeachtet der Unsicherheit oder Verwirrung, die diese vagen Grenzen erzeugen.

Die Vorteile, die permissive Kindererziehung bietet

Trotzdem hat permissive Kindererziehung auch ihre Vorteile. Nach Aussagen von Dr. Nalin kann sie teilweise vorteilhaft für Kinder sein, die schon sehr früh einen ausgeprägten und sehr starken Sinn für Verantwortung und Unabhängigkeit entwickeln. Wenn diese Kinder die Freiheit haben, Dinge zu entdecken und auszuprobieren, werden sie schon früh dazu ermutigt, sich Herausforderungen zu stellen. Das gibt ihnen genügend Raum für uneingeschränktes Wachstum.

Grundsätzlich schaffen sich viele Kinder, die in einem derartigen Umfeld aufwachsen, ihre eigenen Säulen der Sicherheit. Infolgedessen nehmen sie eine erwachsene Haltung ein und zwar in dem Sinne, dass sie damit beginnen, in der Welt und der Gesellschaft nach Richtlinien dafür zu suchen, was sie tun können und was nicht. Darüber hinaus leiden viele von ihnen nicht unter den typischen Kindheitsängsten. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie anderen erlauben würden, ihre Rechte zu verletzen.

Überdies sind Kinder, die weniger Einschränkungen erfahren und viel Zeit haben, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die sie begeistern, häufig kreativer. Sie könnten auch ein Talent dafür entwickeln, neue Dinge zu erlernen. Darüber hinaus haben sie keine Angst vor Bestrafung. Infolgedessen haben sie auch keine Angst vor dem Scheitern. Wenn etwas nicht beim ersten Mal funktioniert, versuchen sie es einfach noch einmal.

Permissive Kindererziehung - spielendes Kind

Permissive Kindererziehung: Tücken und Fallstricke

Allerdings hat die permissive Kindererziehung durchaus auch einige Nachteile, die es zu beachten gilt. Zum Beispiel könnten diese Kinder einen mangelnden Respekt für soziale Normen zeigen, die die Basis für ein friedliches Zusammenleben bilden. Obwohl diese nicht zwingend notwendig sind, dienen sie dazu, die Gesellschaft für alle Mitglieder angenehmer zu machen. Wenn ein Kind diese Normen nicht verinnerlicht hat, könnte es Schwierigkeiten damit haben, sich sozial zu integrieren.

Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass Kinder permissiver Eltern anfälliger für frühe Angststörungen sind. Das liegt daran, dass sie Schwierigkeiten damit haben, unter dem Druck externer Standards zu agieren. Daher könnten sie Probleme damit haben, einen Zeitplan einzuhalten, Anweisungen von Lehrern oder anderen übergeordneten Personen zu befolgen oder Konflikte mit Menschen zu lösen, mit denen sie nicht gut auskommen.

Es gibt zahlreiche unterschiedliche Variablen, die die Entwicklung eines Kindes beeinflussen können. Einer der einflussreichsten Faktoren ist der vorherrschende Erziehungsstil, mit dem sie aufwachsen. Wie vorteilhaft oder schädlich der jeweilige Erziehungsstil ist, hängt von einer Reihe verschiedener Faktoren ab, unter anderem auch der eigenen Persönlichkeit des Kindes.

Ein verantwortungsvolles Kind, das seine eigene Unabhängigkeit genießt, wird sich am besten entwickeln, wenn es die Eltern vermeiden, dem Kind strengere Normen und Regeln aufzuerlegen, als das Kind sich selbst auferlegt. Allerdings kann dieser Ansatz bei impulsiven oder rebellischen Kindern durchaus sehr kontraproduktiv sein.

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