So solltest du dich verhalten, wenn dein Kind Angst hat

29 September, 2020
Was solltest du tun, wenn dein Kind Angst hat? Lies weiter und finde heraus, wie du dich verhalten solltest und womit du es unterstützen kannst.

Stelle dir vor, dass du mit deinem Kind einen Fantasy-Film ohne Altersbeschränkung anschaust. Nach einigen Minuten taucht ein seltsamer Charakter im Film auf und dein Kind fürchtet sich vor ihm. Was solltest du tun? Wie solltest du dich verhalten, wenn dein Kind Angst hat?

Natürlich weißt du als Erwachsener, dass es sich nur um einen Film handelt und dass das, was ihr seht, nicht real ist. Allerdings solltest du bedenken, dass das Verständnis deines Kindes für die Welt wie auch seine logische Denkfähigkeit noch nicht voll entwickelt ist. Demzufolge ist es sehr gut, wenn du deinem Kind erklärst, dass das, was ihr gerade seht oder hört, nicht real ist. Und daher auch keine Bedrohung darstellt.

Und jetzt stelle dir vor, dass dein Kind weiterhin Angst hat, unabhängig davon, wie gut du ihm erklärst, dass das, was es sieht, nicht real ist und es daher keine Angst haben muss. Obwohl du den Film zu jeder Zeit anhalten oder beenden kannst, solltest du dir darüber bewusst sein, dass die Ängste deines Kindes deswegen nicht unbedingt verschwunden sind. Sie verbleiben weiterhin – entweder implizit oder explizit – in seinem Kopf.

Kinder fürchten sich vor allem Möglichen. Diese Ängste treten häufig in der Nacht auf, wenn alles dunkel und ruhig ist. Daher haben beispielsweise auch viele Kinder Angst vor dem Schlafen. Darüber hinaus gibt es die Angst vor Fremden, Angst davor, in der Öffentlichkeit zu sein usw. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen und jedes Kind ist unterschiedlich.

“Jeder von uns muss sich seinen eigenen Ängsten stellen und ihnen gegenübertreten. Wie wir mit unseren Ängsten umgehen, bestimmt, welche Richtung unser restliches Leben nimmt. Abenteuer zu erleben oder durch die Angst vor ihnen eingeschränkt zu werden.”

-Judy Blume-

Kind Angst hat - Junge fürchtet sich

Was tun, wenn dein Kind Angst hat?

Kindheitsängste sind normal und weit verbreitet. Daher ist es sehr wichtig, dass sich dein Kind unterstützt fühlt. Auf diese Weise gewinnt es mehr Selbstvertrauen und wird dazu in der Lage sein, sich seinen Ängsten zu stellen. Folglich ist die Arbeit der Eltern, Kindergärtner, Lehrer, Bezugspersonen und Verwandten von großer Bedeutung.

Vermeide unnötige Ängste

Außerdem ist es wichtig, dass du dein Kind nicht absichtlich ängstigst. Drohe ihm beispielsweise nicht mit dem “bösen Mann”. “Wenn du nicht…, wird der böse Mann kommen und dich holen”, ist eine schreckliche Strategie, um Kinder dazu zu bewegen, etwas zu tun oder zu lassen. Stelle sicher, dass dein Kind versteht, dass die Charaktere in Geschichten, Filmen und Fernsehserien nicht real sind. Erkläre ihm, dass jemand sie erfunden hat und sie daher nicht im wahren Leben existieren.

Wenn dein Kind Angst hat, solltest du diese Ängste nicht kleinreden

Außerdem solltest du einfühlsam mit deinem Kind umgehen. Es ist nicht möglich, dass Kinder die Welt aus der Sicht der Erwachsenen sehen können. Daher musst du dich in ihre Probleme hineinversetzen und sie auf keinen Fall kleinreden. Darüber hinaus ist es sehr wichtig, dass du dich keinesfalls über die Ängste lustig machst oder dein Kind auslachst. Denn das, was für dich belustigend sein mag, kann für dein Kind wirklich furchterregend sein.

Biete deinem Kind Schutz

Wenn dein Kind Angst hat, muss es sich sicher fühlen. Daher darfst du seine Ängste nicht ignorieren oder dein Kind anlügen. Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit wird deinem Kind dabei helfen, sich zu beruhigen. Bleibe so gut wie irgend möglich bei der Wahrheit, damit dein Kind erkennen kann, dass das, wovor es sich fürchtet, gar nicht so schrecklich ist, wie es scheinen mag.

Zwinge dein Kind nicht zu Dingen, vor denen es Angst hat

Wenn ein Kind Angst hat, ist es keine gute Idee, ihm der Sache oder Situation auszusetzen, vor der es sich fürchtet. Tatsächlich kann dies sogar den gegenteiligen Effekt haben und die Ängste noch verstärken. Daher solltest du es nicht dazu zwingen, etwas anschauen, was es nicht sehen möchte, einen Hund zu streicheln, den es nicht streicheln möchte, in eine Achterbahn zu steigen oder eine Gruselgeschichte zu hören.

Übertrage deine Ängste nicht auf deine Kinder

Darüber hinaus haben Erwachsene ihre eigenen Ängste. Es ist daher sehr wichtig, dass du diese nicht auf dein Kind überträgst. Wenn du glaubst, dass du nicht dazu in der Lage bist, deinem Kind zu helfen (weil du vielleicht selber Angst vor Spinnen hast und schreiend davonläufst), dann musst du dir eine Strategie aneignen, wie du diese Situation bewältigen kannst. Versuche zunächst, deine eigenen Ängste zu überwinden, damit nicht auch dein Kind mit diesen konfrontiert wird.

Beleidige oder verspotte dein Kind nicht

Häufig fürchten sich Kinder vor Dingen, die für einen erwachsenen Menschen amüsant oder lächerlich sind. Natürlich ist es einfach, sich dann über das Kind lustig zu machen und es zu verspotten. “Sei kein Angsthase” oder “Sei kein Baby” sind sehr gängige Phrasen. Allerdings solltest du wissen, dass dieses schlechte Verhalten dazu führt, dass sich dein Kind missverstanden und weniger sicher fühlen wird.

Lasse dein Kind nicht alleine

Es ist ebenfalls keine gute Idee, wenn du dein Kind mit seinen Ängsten alleine lässt. Wenn ein Kind ganz alleine in einem dunklen Raum sitzt, könnte dies dazu führen, dass sich seine Ängste noch weiter verstärken und andauern.

Verstärke die Ängste nicht

Obwohl es sehr wichtig ist, dass du einfühlsam mit deinem Kind umgehst, solltest du dennoch vermeiden, die Dinge, vor denen sich dein Kind fürchtet, größer zu machen als diese sind. Dein Kind muss wissen, dass du es verstehst, aber du solltest es nicht übertreiben. Andernfalls könnten sich die Ängste deines Kindes verstärken, weil es glaubt, dass die Gefahr noch viel größer ist als anfänglich angenommen.

Wenn dein Kind Angst hat, darfst du es keinesfalls ignorieren

Obwohl dies der letzte Punkt ist, so ist er keineswegs der unwichtigste: Ignoriere niemals ein verängstigtes Kind. Sei so verständnisvoll wie irgend möglich und finde den logischsten Weg, die Situation zu erklären und deinem Kind zu helfen, seine Angst zu bewältigen. Du kannst die Realität der Dinge beurteilen, vor denen dein Kind Angst hat, aber nicht ihre Angst selber. In den meisten Fällen ist es eine völlig normale und nachvollziehbare Reaktion, wenn man bedenkt, wie Kinder die Welt sehen.

Kind Angst hat - Mädchen bei seiner Mutter

So solltest du dich verhalten

Hier sind einige Ideen, die dir dabei helfen können, die vorherigen Punkte in die Praxis umzusetzen:

  • Empathie. Wie wir bereits erwähnt haben, ist es wichtig, dass du offen mit deinem Kind sprichst. Zeige ihm, dass es nicht schlimm ist, sich vor etwas zu fürchten und dass es seine Ängste überwinden kann.
  • Unterstützung. Biete deinem Kind dein Verständnis und deine Unterstützung an. Bemühe dich darum, ihm soweit irgend möglich zu helfen.
  • Rationalisierung. Wenn du mit deinem Kind sprichst, solltest du die Situation weitestgehend rationalisieren.
  • Ruhe. Wenn du ruhig bleibst, wird das deinem Kind dabei helfen, dasselbe zu tun.
  • Nähe. Versuche, deinem Kind näher zu sein als je zuvor, damit es weiß, dass du immer bei ihm bist, egal was passiert.

Diese Strategien können dir dabei helfen, auf angemessene Weise darauf zu reagieren, wenn dein Kind Angst hat. Allerdings solltest du mit einem Spezialisten sprechen, wenn sich die Ängste deines Kindes verstärken oder für lange Zeit anhalten.

Fidalgo, M. J. (2006). ¿Quién ha dicho miedo?. Barcelona: Cuadernos de Pedagogía.