Passiv-aggressives Verhalten und Eifersucht

10 Juni, 2020
Besitz und Kontrolle sollten niemals Teil der Liebe zu einer anderen Person sein. Eifersucht löst jedoch häufig passiv-aggressive Verhaltensweisen bei Paaren aus, was zu einer übertriebenen Wachsamkeit, Misstrauen und sogar Erpressung führen kann.
 

Eifersucht und passiv-aggressives Verhalten gehen oft Hand in Hand. Aus psychologischer Sicht sind diese Emotionen komplex und für eine Beziehung möglicherweise tödlich. In diesen Situationen spielen aber auch andere Faktoren, wie die Angst vor dem Verlassenwerden, Demütigung und natürlich Wut, eine Rolle. Wir wissen, dass Eifersucht jeden treffen und zu gefährlichen Situationen führen kann. Denn die Eifersucht macht nicht Halt vor Alter, Kultur oder Geschlecht.

Was in Shakespeares Stücken immer auffällt, ist die Fähigkeit des Autors, das gesamte Kaleidoskop menschlicher Emotionen darzustellen. Eines seiner berühmtesten Stücke ist bis heute Othello, eine eingehende Studie über die Eifersucht. In diesem Klassiker finden wir auch einen der einzigartigsten und auch skrupellosesten Bösewichte aller Zeiten wieder: Iago.

Othellos geschickter und bösartiger Diener heckt eine Verschwörung aus, um Othello in den Wahn zu treiben. So lässt er ihn glauben, dass seine Frau Desdemona ihm untreu war. Iago symbolisiert die obsessive und gefährliche innere Stimme, die das Feuer zwanghafter Eifersucht schürt.

 

Er repräsentiert perfekt den obsessiven und misstrauischen Geist. Er wiederholt und verstärkt Othellos Eifersucht, die letztendlich zu seinem Tod führt.

Iago muss eine der wichtigsten Figuren von Shakespeare gewesen sein; der Bösewicht hat fast 1100 Zeilen im Stück. Das sind fast so viele Zeilen, wie die von Hamlet oder Richard III.

Wie Michel de Montaigne sagte, ist das Erleben von Eifersucht eine Krankheit des Geistes und unseres schlimmsten Feindes.

Eifersüchtige Menschen drücken ihre Eifersucht nicht direkt und offen aus

Eifersucht und passiv-aggressives Verhalten

Eifersucht und passiv-aggressives Verhalten gehören oft aus einem ganz konkreten Grund zusammen. Denn eifersüchtige Menschen drücken ihre Eifersucht nicht direkt und offen aus. Mit anderen Worten, Menschen wenden sich normalerweise nicht an ihre Lebensgefährten und sagen ihnen, dass sie sich gekränkt fühlen, wenn sie mit anderen Menschen sprechen. Oder dass sie wütend sind und sich gedemütigt fühlen, wenn ihre Partner andere Menschen anlächeln und Zeit mit ihnen verbringen.

 

Stattdessen verhalten sich eifersüchtige Partner normalerweise passiv-aggressiv. Anstatt sich klar auszudrücken, beschimpfen, manipulieren, bedrohen und demütigen sie ihre Lebensgefährten. Die indirekte Bestrafung und das Strafen mit Schweigen sind weit verbreitet.

Aggressives Verhalten wie dieses beginnt zunächst passiv, kann jedoch in bestimmten Situationen zu aktiveren und schädlicheren Verhaltensweisen führen. Lass uns im Folgenden näher darauf eingehen.

Eifersucht und das „zweite Ich“

Iago und Othello sind eine perfekte Darstellung eines interessanten Aspekts der Eifersucht, nämlich dass sie sich wie ein „zweites Ich“ äußert. Es ist, als gäbe es eine externe Stimme, die uns von etwas überzeugt und uns dann entführt. Die Dinge, die wir unter dem Einfluss von Eifersucht tun, sind die Dinge, die unser „normales Ich“ niemals tun würde.

Diese eifersüchtige, externe Stimme nährt deine Angst davor, verlassen und verraten zu werden. Sie macht dich misstrauisch und führt häufig dazu, dass du Gefahren siehst, wo es keine gibt. Durch eine Linse der Eifersucht erscheinen verrückte Ideen plötzlich akzeptabel.

 

Eine Studie von Dr. David DeSteno von der University of California zeigt, dass diese Stimme das „bedrohte Selbst“ symbolisiert. Das ist der Teil von dir, der sich verletzt fühlt und passiv-aggressives Verhalten auslösen kann.

Durch eine Linse der Eifersucht erscheinen verrückte Ideen plötzlich akzeptabel

Sind Eifersucht und passiv-aggressives Verhalten Teil unseres Erbguts?

Einige Theorien sprechen von einer genetischen Grundlage für diese Art von Verhalten. Eifersucht und passiv-aggressives Verhalten bilden eine Art dunkle Logik, die nach Aussagen verschiedener Psychologen und Anthropologen in unseren Genen enthalten sind. Dieser Ansatz argumentiert, dass Menschen das Ergebnis einer Evolution sind, die auf Überleben und Paarung basiert.

Der soziale Wettbewerb löst zusammen mit der Angst, betrogen zu werden und alleine zu bleiben, eine ganze Reihe von Emotionen und Gedanken aus. Der Geist  wird übermäßig wachsam und besessen und die Wut übernimmt. Von dort aus sehen wir dann die Verhaltensaggressivität und das damit verbundene offensichtliche Risiko.

 

Ist es möglich, die Eifersucht zu bewältigen?

Zusammenfassend liegt der Schlüssel zum Umgang mit Eifersucht darin, eine klare Tatsache zu verstehen: Die absolute und dauerhafte Treue gibt es nicht. Jemanden zu lieben bedeutet, ihm zu vertrauen. Es geht aber nicht um Besitz. Gesunde Liebe hebt Ärger, Kontrolle und übermäßige Wachsamkeit auf.

Manchmal ist das eifersüchtige Verhalten eines Einzelnen jedoch tatsächlich pathologisch bedingt und seine Not hängt mit psychologischen Wahnvorstellungen zusammen. Bei pathologischer Eifersucht ist die psychologische Therapie der Schlüssel. Die Antwort auf die Frage, wie mit der Eifersucht umgegangen werden soll, ist daher die, dass jede Person einzigartig ist. Infolgedessen ist somit auch ihre Lösung/Behandlung einzigartig.

Therapeuten könnten sich darauf konzentrieren, das Kontrollverhalten zu reduzieren oder obsessives Denken zu deaktivieren. Es kann auch wichtig sein, das Selbstwertgefühl eines Menschen zu stärken und die Angst vor dem Verlassenwerden zu verringern.

 

Etwas, das jedoch alle Patienten gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass sie bereit sein müssen, sich zu ändern. Sie müssen sich bewusst sein, dass ihre Eifersucht sie daran hindert, eine gesunde Beziehung zu führen. Obwohl dieser Punkt offensichtlich erscheint, ist es wichtig, dies zu berücksichtigen.

 
  • DeSteno, D., Valdesolo, P., & Bartlett, M. Y. (2006). Jealousy and the threatened self: Getting to the heart of the green-eyed monster. Journal of Personality and Social Psychology91(4), 626–641. https://doi.org/10.1037/0022-3514.91.4.626