Neurologische Symptome der Krankheit Covid-19

Experten haben beobachtet, dass COVID-19 nicht nur ernste Atemwegsbeschwerden, sondern auch neurologische Symptome auslösen kann. Zu den Anzeichen, die auf Covid-19 hinweisen, zählen Geruchs- und Geschmacksverlust, Neuralgien, Schwindel, mentale Verwirrung und vereinzelt sogar Enzephalopathien. 
 

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 ist noch immer ein biologisches Rätsel, das es zu entschlüsseln gilt. Noch müssen viele Zweifel über diesen Krankheitserreger beseitigt und viele Fragen beantwortet werden. Doch fast jeden Tag erfahren wir Neues über seine Wirkmechanismen, die unter der Linse eines Mikroskops und anhand der Beschwerden analysiert werden. Wir wissen inzwischen, dass Covid-19 auch neurologische Symptome haben kann.

Vor einigen Monaten sprach die Tsinghua-Universität in Peking bereits darüber, dass unsere eigene Zellmaschinerie die RNA des SARS-CoV-2 mit eingenem genetischen Material verwechselt, was zur Folge haben kann, dass wir selbst Virusproteine entwickeln können. Wir wissen auch, welche Auswirkungen das neue Coronavirus auf die Atemwege hat. Diese Konsequenzen waren bereits bei den Krankheitserregern SARS und MERS zu beobachten.

Doch SARS-CoV-2 ist weitaus ansteckender als die zuvor genannten Krankheitserreger, denn das neue Coronavirus übertrifft diese bis zu 1000 Mal! Experten des Krankenhauses Schwabing-München erklären, dass sich die Viruslast in den ersten Tagen im Rachenbereich befindet und so die Ansteckung anderer begünstigt.

Ab ungefähr dem 7. oder 8. Tag befällt das Virus dann die Lungen und führt verstärkt zu Problemen. Vor wenigen Wochen hat die Wissenschaftsgemeinschaft jedoch auch auf eine weitere Auswirkung hingewiesen, die erklären könnte, warum es zu Atemwegsbeschwerden kommt. Der Ursprung der Krankheit COVID-19 könnte nämlich in unserem Zentralnervensystem zu finden sein. 

neurologische Symptome von Coronavirus

Was sagt die Wissenschaft über neurologische Symptome des neuen Coronavirus?

Wir alle wissen inzwischen, dass sich der gefürchtete Krankheitserreger SARS-CoV-2 auf den Geschmack- und Geruchssinn auswirken kann. Experten auf dem Gebiet der Rhinologie (die sich mit Erkrankungen der Nase und Nasennebenhöhlen beschäftigen), wie die Ärztin Claire Hopkins, die im King’s College London tätig ist, haben diese Auswirkung bereits beschrieben.

Es handelt sich jedoch nicht um eine Folge des beeinträchtigten Atemsystems, sondern ist auf das Zentralnervensystem zurückzuführen. Viele Ärzte, die Covid-19-Patienten behandeln, werden sich in diesen Tagen darüber bewusst, dass bei dieser Krankheit zahlreiche neurologische Symptome auftreten können.

Auch Gehirnschäden konnten in manchen Fällen nachgewiesen werden. In einer wissenschaftlichen Forschung untersuchten die Ärzte Yan-Chao Li, Wan-Zhu Bai und Tsutomu Hashikawa an der Universität von Peking Tomographien von Covid-19-Patienten und bestätigten, dass diese Krankheit auch neurologische Folgen hat.

36,4 Prozent der Covid-19-Infizierten weisen neurologische Symptome auf

Auch an der italiensichen Universität Siena analysieren Ärzte bereits seit Wochen diese Tatsache. Der Arzt Antonio Federico erklärt in einem Artikel, dass 36,4 Prozent der Patienten neurologische Veränderungen aufweisen. Die italienische Gesellschaft für Neurologie der Region Lombardei versucht derzeit, anhand einer Umfrage diese klinische Realität genauer zu analysieren.

 

Neurologische Symptome, die häufig im Zusammenhang mit Covid-19 auftreten sind:

  • Hipogeusie (teilweiser Ausfall oder Abschwächung des Geschmackssinns)
  • Hyposmie (vermindertes Geruchsvermögen)
  • Neuralgie (Schmerzen im Kopf, Hals und Gesicht)
  • Migräne
  • Mentale Verwirrung
  • Intensive Muskelschmerzen
  • Schwindel, Übelkeit und Erbrechen
  • In seltenen Einzelfällen wurden Enzephalopathien beschrieben. So präsentierten zum Beispiel die Ärzte Gassan Shajin und Daniel Noujam einen Fall.  Eine andere Krankengeschichte berichtet von einem 58-jährigen Patienten, der eine seltene neurologische Krankheit entwickelte, welche seinen mentalen Zustand veränderte. 
  • Am 21. März berichtete die Ärztin Asia Filatov (Charles E. Schmidt College of Medicine, Florida) über einen anderen Fall, bei dem ein Covid-19-Patient eine Enzephalopathie entwickelt hatte.

Das neue Coronavirus kann auch neurologische Auswirkungen haben, die zu den typischen Atembeschwerden führen könnten

Während SARS und MERS sich direkt auf das Atemwegssystem auswirkten, gehen Wissenschaftler derzeit davon aus, dass dies bei COVID-19 anders sein könnte. Beeinträchtigungen des Zentralnervensystems könnten die akuten Atembeschwerden in diesem Fall auslösen. Dies bestätigen zum Beispiel die Ärzte Yan-Chao Li, Wan-Zhu Bai und Tsutomu Hashikawa.

Experten erklären den möglichen Wirkmechanismus wie folgt:

 
  • SARS-CoV-2 findet über die Nervenbahnen den Weg in den Hirnstamm, der die Atmung kontrolliert. Es konnte nachgewiesen werden, dass dieser Bereich des Gehirns in allen Fällen stark infiziert ist. 
  • Auch kardiorespiratorische Nervenzellen werden stark von dem Virus beeinträchtigt, was sogar zu spontaner Atemnot führen kann.
neurologische Symptome durch Coronavirus

Präzise Informationen über den Wirkmechanismus von SARS-CoV-2 ermöglichen es uns, die Ausbreitung zu bremsen

Wir wissen also, dass das neue Coronavirus neurologische Symptome auslösen kann. Außerdem wissen wir, dass eine akute Lungenentzündung tödlich verlaufen kann. Wir wissen auch über den Ursprung, den Wirkmechanismus und seine Konsequenzen Bescheid. All dies Daten sind grundlegende Wissenswerkzeuge, die uns helfen, die weitere Ausbreitung der Pandemie zu bremsen. 

Wenn uns noch präzisere Informationen über diesen unsichtbaren Feind zur Verfügung stehen, sind wir eindeutig im Vorteil. Noch haben wir zwar keine Möglichkeit, die Viruslast im Organismus zu reduzieren, um damit die Sterblichkeitsrate zu vermindern. Doch wenn wir mehr über den genetischen Code des neuen Coronavirus herausfinden, hilft uns dies, effiziente Therapien zu entwickeln.

Auch wenn die Krankheit in den meisten Fällen mild verläuft, schmerzen uns die vielen täglichen Verluste auf unbeschreibliche Weise.

 

Im Moment können wir nur zu Hause bleiben und andere Schutzmaßnahmen respektieren, um die weitere Ausbreitung von COVID-19 zu bremsen, bis Wissenschaftler einen wirksamen Impfstoff entwickeln. Die kontinuierliche Arbeit unserer Experten wird uns helfen, diese Pandemie zu kontrollieren und uns auf die Zeit danach zu konzentrieren. Wir hoffen, dass es bald so weit ist.

  • Neo Poyiadji, Gassan Shahin(2020) COVID-19–associated Acute Hemorrhagic Necrotizing Encephalopathy:Radiology Mar 31 202 doi.org/10.1148/radiol.2020201187
  • Yan-Chao Li Wan-Zhu Bai, Tsutomu Hashikawa (2020) The Neuroinvasive Potential of SARS-CoV2 May Play a Role in the Respiratory Failure of COVID-19 Patients. Journal Medicine Virology DOI: 10.1002/jmv.25728