Nennt mich ruhig verrückt, das freut mich

· 1. November 2016

Ich bin es leid, ständig das Wort verrückt zu hören, vor allen Dingen kann ich nicht mehr hören, wie oft es falsch benutzt wird. Es gleicht einem Sprichwort ohne Kontext, das nicht richtig gebraucht wird, das sich zwar in den Ohren eines Unwissenden nett anhört, aber in den Ohren all jener wehtut, die die Wahrheit dahinter kennen.

Verrückt, dement, eigenartig, anders, seltsam, wahnsinnig, gestört, gefährlich, unausgeglichen, manisch, Ziege oder Spinner, übergeschnappt, schizophren, verdreht, bipolar, hat nicht alle Tassen im Schrank, paranoid, schwer von Begriff, krank, irre, psychopathisch, launisch, bescheuert.

„Sie nennen mich verrückt, weil ich unordentlich, unpünktlich und impulsiv bin und auf meine Art und Weise lebe.“

Juan Ramón Marcos Sánchez – Gespräche mit meinem Gewissen

Ersetze die Leere der Unwissenheit durch eine Bedeutung

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Jede Unwissenheit kann mithilfe von Worten bekämpft werden. Distanziere dich von Klischees und irrigen Mythen. Freunde dich mit der Realität an und wenn möglich, lerne sie auf eigene Faust kennen. Ich bitte dich nur darum, dass du dich von veralteten Auffassungen verabschiedest, um dich dem absoluten Neuem zu öffnen, das für alle anderen bereits existiert.

Ich weiß, dass du es nicht böse meinst, auch wenn ich manchmal vom Gegenteil überzeugt bin. Ich werde vor dir nicht behaupten, dass mich das Wort „verrückt“ nicht in so manchen Situationen  verletzt hat. Ich hab mich dadurch seltsam, anders und wertlos gefühlt. Das ist ein sehr unschönes Gefühl, an das man sich nur schwer gewöhnen kann.

Ich habe gelernt – so wie ich es auch von dir erwarte -, dass ein einziges Wort viele unterschiedliche Bedeutungen haben kann. Von weit weg erscheint alles verwirrend und seltsam, aber je näher du kommst, wird das, was du verschwommen gesehen hast, klarer und deutlicher zu erkennen sein.

Verrückt sein, bedeutet auch, stark sein

Ein einziges Wort kann nicht die gesamte Bedeutung ausdrücken, die dieses Wort beinhalten kann. Ich habe gelitten, geweint und habe mich in einem ausweglosen Labyrinth gefangen gesehen. Es gab Tage, an denen ich darüber nachgedacht habe, das Handtuch zu werfen, alles aufzugeben, und an denen ich das Gefühl hatte, als hätte nichts auch nur irgendeinen Sinn, hätte ihn überhaupt niemals gehabt.

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Wenn ich irgendwann einmal tatsächlich das Handtuch werfen wollte, gab es Menschen an meiner Seite, die mich daran erinnerten, es nicht zu tun, weil es das nicht wert sei. All diesen Menschen, die mir eine Hand reichten, anstatt mir ein Bein zu stellen, kann ich nur von Herzen danken.

Wir sind nur wenige, die gegen so viele ankämpfen. Ich bin gestärkt aus dem Kampf hervorgegangen, mit Wunden und Narben, die zeigen, dass ich bis zum Ende gekämpft habe, aber die Mühe hat sich gelohnt. Heute bin ich stark und was mich gestern noch erschreckt hat, ist nun Teil meiner Routine.

Ich werde niemals damit aufhören, derjenige zu sein, der ich bin

Es hat mich etwas Zeit gekostet, bis ich das verstanden und mich so, wie ich bin, akzeptiert habe. Eure Kommentare haben mich zweifeln lassen, haben mich verletzt und haben mich dazu gebracht, jede Faser meines Seins zu hinterfragen. Es war ein Weg voller Kämpfe, Niederlagen und Verletzungen, aber letztendlich bin ich ans Ziel gekommen.

Ich bin bestimmt kein perfekter Mensch, aber ich habe bis zum heutigen Tag noch keinen getroffen, der das ist. Ich mache Fehler und, wie jeder andere auch, irre ich mich. Ich versuche, es wiedergutzumachen, auch wenn es dazu manchmal schon zu spät ist. Ich hoffe, dass du das verstehst, an meiner Seite bleibst und mir nicht den Rücken zukehrst.

Ich werde nicht damit aufhören, zu sein, wer ich bin, nur um euch zu gefallen. Ich bin dankbar dafür, mich selbst gefunden zu haben und mich bedingungslos zu lieben. Ich bin nicht auf diese Welt gekommen, um dir zu gefallen und so zu sein, wie du mich haben willst. Ich bin ich. Es wäre schön, wenn du mich mögen würdest, aber genau so, wie ich mich selbst akzeptiere, akzeptiere ich auch, dass es nicht möglich ist, von jedem gemocht zu werden.

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„Manchmal umarme ich so ehrlich, so stark, dass sich mein Tattoo in der Haut eines Freundes abzeichnet. Andere Male hingegen brauche ich es, mich zurückzuziehen und eine Entscheidung, die von mir getroffen wurde zu überdenken, und wenn sie falsch war, war das kein beabsichtigter Fehler. Danach schimpfe ich dann mit mir und verfluche meine Feigheit und verspreche Besserung. Ich verändere mich nicht, ich weiß nicht, ob ich das will oder kann.“

Juan Ramón Marcos Sánchez – Gespräche mit meinem Gewissen

Nennt mich ruhig verrückt, das freut mich sogar

Wenn es euch Spaß macht, mich mit einem Adjektiv zu beschreiben, werde ich trotzdem nicht derjenige sein, den ihr in mir sehen wollt. Mich auf die eine oder andere Weise zu beschreiben, könnt ihr ruhig tun, wenn ihr euch dadurch sicherer fühlen. Meine Welt auf ein Wort zu reduzieren und euch dahinter zu verstecken, ist eure Sache. Nennt mich verrückt, wenn ihr wollt, aber wenn ihr das tut, solltet ihr auch wissen, was dieses Wort wirklich bedeutet:

Verrückt, stark, mutig, freundlich, friedlich, liebevoll, einzigartig, eine Kämpfernatur, fähig, gut erzogen, fürsorglich, verantwortungsbewusst, fleißig, ruhig, überraschend, klug, aufmerksam, wundervoll, beharrlich, originell, beständig, genau, süß, witzig, menschlich, sensibel, interessant, außergewöhnlich.

„Und aus der Ferne eines freiwilligen Autismus lächelst du mit der Sicherheit darüber, dass du weißt, dass der Verrückte bei vollem Verstand ist. Sie nennen mich verrückt und das freut mich.“

Juan Ramón Marcos Sánchez – Gespräche mit meinem Gewissen

 

Du weißt nicht, wie stark du bist, bis du stark sein musst

Liebes Leben, wenn ich sage, dass es nicht schlimmer
werden kann, dann ist dies eine Feststellung…
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